Bereit zum Durchstarten
Passend zu unserem Thema Geschwindigkeit werfen wir einen Blick auf die progressiven Disrupter und Innovatoren aus den Startup-Hauptstädten der Welt. Hier sind die Menschen hinter den großen Ideen, die die Zukunft verändern werden, die neue Lösungen für alte Probleme finden und uns dabei mit ihrem Unternehmergeist und ihrem Veränderungswillen inspirieren.

Interview JUSTIN ROSS

YAIR NEUMAN, WIRES
Neugierig Gewagt Reduziert | Draht neu gedacht, frischer Wind im Brillendesign

Firma: Wires
Position: Gründer und Designer
Alter: 34
Ort: London
Gründungsjahr: 2017
Website: Wiresglasses

„Innovativ sein heißt schnell sein, denn gute Ideen machen Schule.”

YAIR NEUMAN, WIRES
YAIR NEUMAN, WIRES

Was ist Wires Glasses?

Wires Glasses ist eine unabhängige Brillenmarke, die verändern will, wie Brillen gemacht und getragen werden. Die Brillen werden aus einem einzigen Stück Edelstahldraht mit einem schraubenlosen Gelenk, das mit verschiedenen Gläserfassungen kombinierbar ist, gefertigt. Dieser modulare Ansatz bedeutet, dass man seinen Look verändern kann, ohne gleich eine neue Brille kaufen zu müssen.

Warum hast du dein Unternehmen gegründet?
Die Idee für Wires kam mir, als ich eine Sonnenbrille für einen Urlaub brauchte und selbst eine mit Dingen aus meinem Studio herstellte. Das war mein erster Prototyp. Aber ich begeistere mich schon lange für Draht und die vielen Möglichkeiten, die er zum Kreieren und Formen bietet. Man denke nur an afrikanische Drahtkunst, vor allem in Zimbabwe, wo unsere erste Kollektion produziert wurde. In meinen Augen lebt Draht zwischen einer 2D- und einer 3D-Welt. Er kann eine flache Unterschrift oder Silhouette sein, aber auch eine komplexe, vielschichtige Struktur. Jedenfalls, an diesem Sommertag im Jahr 2016 erschien es mir einfach sinnvoll, ein Stück Draht mit Fassungen, die ich in meiner Werkstatt 3D-gedruckt hatte, auf meinem Kopf zu tragen! Daraus ist eine reduzierte Brillenmarke entstanden, die sich auf die Grundfunktionen einer Brille konzentriert.

Was ist an deiner Firma anders? 

Wir arbeiten daran, so wenig Material wie möglich bei Design und Produktion zu verwenden, und regen unsere Kunden dazu an, ihre Wires ihr Leben lang zu tragen. Wir möchten, dass unsere Kunden ihre Wires so behandeln und tragen wie eine Kette oder einen Ring.

Was hast du von der Gründung deiner Firma gelernt?
Am wichtigsten sind die Menschen, die dort arbeiten.

Was war die bisher größte Herausforderung? 

Den richtigen Kern meines Teams und risikobereite Produzenten zu finden.

Was hast du vorher gemacht?

Ich habe Lautsprecher aus Keramik in Stoke on Trent (englische Keramikstadt) gefertigt.

Wo findest du als Unternehmer Inspiration?

Bei Modeikonen wie Bowie oder Oskar Schlemmer natürlich. Zur Zeit beschäftige ich mich viel mit Strukturen und Mechanismen und hole sie hinter dem Vorhang hervor und schiebe sie hinein ins Rampenlicht, um ihre Schönheit zu zeigen.

Was bedeutet es, ein Start-Up zu sein?
Dass es sowohl beruhigend als auch belastend ist, wenn jemand glaubt, dass man es groß rausbringen wird.

Ist es wichtiger, zuerst da zu sein oder am schnellsten zu sein?

Das kommt darauf an. In einem umkämpften Markt wie bei Brillen mit sehr etablierten Marken heißt innovativ sein auch schnell sein, denn gute Ideen machen Schule. Aber für eine neue Marke kann das eine größere Herausforderung sein, denn Produktion und Vertrieb befinden sich noch im Aufbau und brauchen Zeit für Tests.

Welchen Rat kannst du Menschen geben, die aus ihrer guten Ideen ein eigenes Business machen möchten?

Versuche, dich nicht in deine eigene Kreation zu verlieben und wenn es passt, lasse andere die Führung übernehmen.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

In einem kleinen griechischen Dorf, wo ich an neuen Kollektionen arbeite, die Technologie und Mode noch stärker so verbinden, dass die Nutzer und die Umwelt davon profitieren.

Foto: mit freundlicher Genehmigung von Wires