Take a Walk on the Wild Side

Wir sind fasziniert von Menschen, Orten, Ideen und Produkten, die um die Ecke denken und unsere Fantasie wild werden lassen. Komplett individuell, einzigartig und manchmal sogar exzentrisch, dies sind die Menschen, die wir bewundern – weil sie keine Scheu vor Experimenten haben, Dinge neu erfinden, und auf Abenteuern herausfinden, dass wirklich große Inspiration Mut braucht, um zu Erfolg zu führen.

Windwärts oder leewärts, immer vorwärts: Profi-Segler Robert Stanjek

ROBERT STANJEK (38)
professioneller Segler
Berlin, Germany
www.stanjek-sailing.de
Instagram

„Es wird schwerer, je stärker der Druck ist. Da zeigt sich, wer wirklich ein Top-Athlet ist.”

4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher
ROBERT STANJEK
Professional Sailor
Photography by Bert Spangemacher

Konzentration, Intuition und Abenteuergeist sind drei vielleicht essentielle Eigenschaften für diejenigen, die Segelsport betreiben. Bei sich ständig änderndern Bedingungen hängt Wettbewerbserfolg von einer grimmigen Entschlossenheit, einem Spiel von Geschwindigkeit und Taktik, Navigation in Naturgewalten und grenzüberschreitenden Leistungen von Mensch und Boot ab. Für den in Deutschland noch wachsenden Sport ist der Stanjek Sailing Cup von Segelmeister Robert Stanjek ein regionales Highlight, bei dem jedes Jahr mehr als 130 Kinder und Jugendliche an zwei Tagen zum Berliner Müggelsee reisen. Robert zeigt 4SEE einen Einblick in seine aufregende Welt.

Beschreibe dich selbst in drei Worten.

Ausdauernd, optimistisch, zukunftsgewandt

An wie vielen Regatten hast du teilgenommen? Welche Regatta ist dir am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

Ich schätze an etwas über 1000. Weltmeister zu werden, war sehr besonders. Das ist ein Titel, den man sein ganzes Leben lang trägt, wie einen Doktortitel. Einmal jeden anderen Segler auf dem Planeten zu besiegen ist ein sehr befriedigendes Gefühl.

Wie bereitest du dich mental und körperlich auf eine Regatta vor?

Während Olympiaden arbeitete ich kontinuierlich mit einem Sportpsychologen zusammen. Um seine maximale Konzentrationsfähigkeit zu erreichen, muss man sich intellektuell komplett in die Gegenwart befördern können. Das wird schwerer, je stärker der Druck ist. Da zeigt sich, wer wirklich ein Top-Athlet ist.

Beim Offshore-Segeln geht es um lange Non-Stop-Strecken über Tage und Wochen. Der mentale Fokus ist etwas anders. Hier muss man darauf vorbereitet sein, Zeit, Belastungen und Unangenehmlichkeiten auszuhalten.

Und natürlich ist körperliches Training die absolute Basis für beide Disziplinen.

Bitte beschreibe deinen typischen Tagesablauf auf Deck während einer Regatta.

Ein Tag auf See während eines Rennens ist ganz simpel. Es geht nur darum, das Schiff die ganze Zeit auf maximaler Geschwindigkeit zu halten. Das ist üblicherweise sehr ermüdend und eine Aufgabe, die man nicht zu lange unterbrechen sollte, denn ansonsten verliert man Distanz. Im Ganzen schläft man sehr, sehr wenig und immer in kurzen Phasen – manchmal 15 Minuten, manchmal zwei Stunden. Nahrung ist sehr wichtig, um nicht auszubrennen.

Wie ist ein Rennen auf dem Ozean, wo man nichts als Wasser um sich herum sieht? Es gibt sicher Zeiten, in denen du nicht genug Schlaf bekommst, die ganze Zeit nass bist und viel Unangenehmes aushalten musst. Wie gehst du mit Druck oder Stress um?

Das hat viel mit Erfahrung zu tun. Meistens weiß man vorher, wo der Wettbewerb alles von einem verlangt und wo es wirklich schwer wird. Wir sprechen darüber und planen die Energieeinteilung.

Wenn man sich wirklich mal verausgabt, dann muss jemand aus dem Team helfen oder als Ersatz einspringen.

4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher
4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher

Warst du schonmal in Gefahr? Erzähle bitte von deinem wildesten Moment.

Wind und Wasser können ziemlich brutal sein. Draußen auf dem Ozean merkt man auf jeden Fall, wie klein man ist. Stürme mit hohen Wellen gepaart mit den Geschwindigkeiten moderner Boote sind sehr besonders. Das alles passiert nachts in kompletter Dunkelheit. Davor darf man nie den Respekt verlieren!

Ich denke, für jemanden, der nicht auf der Hochsee segelt, sieht das manchmal sehr, sehr riskant und suizidal aus. Ich erzähle zuhause nie sehr viel davon.

In letzter Zeit hast du dich auf weltbekannte Offshore-Rennen konzentriert, indem du ein deutsches Offshore-Team mit einem 60 Fuß langen Rennboot intiiert hast. Ist es schwer, Sponsoren zu finden?

Es ist fast 20 Jahre her, seitdem sich ein deutsches Team auf Transatlantic und Round The World-Rennen konzentriert hat. Eine globale Kampagne dieser Größe benötigt ein Budget von mehreren Millionen Euro. Es gibt deutsche Firmen, die erfolgreich und fortlaufend solche Projekte fördern, aber meist im Ausland. Ich bin optimistisch, weil wir ein sehr innovatives Produkt bieten: global, sauber, mit erneuerbaren Energien, High-Tech, intelligent, mit Team-Arbeit und Abenteuer… es ist ein faszinierender Sport mit großartigen Geschichten.

Du bist immer unterwegs und du hast ein neugeborenes Baby, Albrecht. Wie oft bist du im Jahr von Zuhause fort und wie schaffst du die Balance zwischen Arbeit und Leben?

Ich bin so ziemlich das halbe Jahr auf Reisen. Das ist viel schwerer geworden, seitdem ich Vater bin. Aber wenn man diszipliniert genug ist, um zuhause wertvolle Zeit zu bringen, dann ist man auch mit 50% der Tage ein guter Vater und Ehemann.

Sportsonnenbrillen – welche Marken trägst du, was magst du an ihnen, und welche Verbesserungen wünscht du dir? Hast du Interesse an Smart Glasses oder Augmented Reality? Wenn ja, was für KI-Brillen hättest du gerne und wie könnten sie dich unterstützen?

Meine Sonnenbrillen sind polarisiert. Das gibt mir mehr Kontraste im Himmel und auf Wasseroberflächen. Den Wind auf dem Wasser lesen zu können ist eine Kunst, die über Jahrzehnte erlernt wird. Es ist wie das Grün lesen beim Golfen. Dabei kann man nicht viel helfen. Und ich halte die Dinge gerne einfach.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Mein nächstes Ziel ist ein Rennen um die Welt, der längste und größte Offshore-Wettbewerb. Vielleicht mache ich davon zwei oder drei. Für dieses Kapitel brauche ich etwa acht bis zehn Jahre. Danach werde ich einen Gang runterschalten und mehr Zeit zuhause verbringen.