Brooklyns Retter des Souls

In Brooklyn geboren und mit Wurzeln in Haiti und Puerto Rico, begann der Autodidakt Maxwell mit 17 Jahren, Musik zu komponieren. Ein Jahr später folgten erste Auftritte in der Clubszene von New York City. Kurz darauf entwickelte sich seine Karriere mit Lichtgeschwindigkeit, mit einem Vertrag bei Columbia Records 1994 und dem Erscheinen seines legendären Debütalbums Maxwell’s Urban Hang Suite zwei Jahre später. Das Album verschaffte Maxwell den Durchbruch und erntete für seinen vom 70er Jahre-R&B inspirierten „Neo Soul”-Sound nicht nur reichlich Lob von der Kritik, sondern läutete auch eine neue Ära für das gesamte Genre ein. Der als „Retter des Souls” bekannte Sänger, Songwriter, Plattenproduzent und Schauspieler begeistert Musikliebhaber seit über zwei Jahrzehnten. Er veröffentlichte noch vier weitere Studioalben und ist Preisträger von drei Grammys, zwei NAACP Image Awards und sechs Soul Train Music Awards.
Werfen Sie mit 4SEE einen Blick hinter die Kulissen des Fotoshoots mit Maxwell und Marc Baptiste.

Fotografie MARC BAPTISTE
Interview Christine Tomas

Erinnern wir uns an die Anfänge deiner Karriere, an den Erfolg von Urban Hang Suite, von blackSUMMERs’ night … wo befindest du dich jetzt? Was hat sich verändert? Was ist geblieben? Was kommt als Nächstes?
Ich komme nach Hause. Meine Reise hat mich von den Wurzeln meiner ersten Auftritte nun in die sich ständig verändernde Landschaft der Musikindustrie geführt. Es ist an der Zeit, zu reflektieren und aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heraus zu kreieren.
Du bist dafür bekannt, dir gerne Zeit für deine Arbeit zu nehmen. Du hast mal Rolling Stone gegenüber erklärt: „Die Leute machen zu viel. Berühmtheit ist ein sehr instabiler Zustand. Ich erlebe lieber wirklich etwas und schreibe wirklich etwas.” Das ist eine großartige Philosophie, die sich erfrischend gegen die aktuelle Kultur der Ungeduld und sofortigen Belohnung stellt.

Wie bist du zu dieser Haltung gekommen?
Ich denke an Künstlerinnen wie Sade und erkenne, wie wertvoll ihre Weisheit ist. Außerdem leide ich – um brutal ehrlich zu sein – unter großer schöpferischer Beklemmung. Bei so viel Arbeiten da draußen ist es schwer, das Gefühl zu haben, wirklich einen Eindruck zu hinterlassen, aber so habe ich mich schon immer gefühlt und werde es wohl auch immer. Ich werde nicht aufhören, kreativ zu sein, aber meine Wahrnehmung der Welt liegt in Gottes Händen.

Lass uns über Lieblingsdinge reden. Was gefällt dir an New York am besten?
NYC ist schnell. Man darf weder die richtige Zeit noch Gelegenheiten verschlafen. Es ist der Ort, an dem die ganze Welt zum ersten Mal Amerika betreten hat.

Lieblingskleidung?
Ich liebe das Gefühl von Jeans, T-Shirt und Jacke. Das ist meine Uniform. Aber ein schöner Anzug ist nie verkehrt!

Lieblingsperson(en) im Moment?
Meine Lieblingsmenschen sind meine Freunde und Familie, die, die mich kennen und immer da sind, um mich daran zu erinnern, wer ich sein will.

Was ist ein unvergesslicher Moment von einem deiner Konzerte?
Meine Hose ist während eines Konzerts gerissen und ich musste rückwärts von der Bühne runtergehen, bevor ich mich umziehen konnte – mit Blickkontakt zum Publikum. Ein anderes Mal habe ich in Zürich Tee über mich verschüttet, genau bevor der Vorhang aufging und ich den ersten Song spielen musste. Sehr komisch, aber hey! Ich kann damit umgehen.

Erzähl mir von etwas, das dir am Herzen liegt.
Bildung und medizinische Versorgung für alle, vor allem für Frauen auf der ganzen Welt, aber insbesondere auf Haiti und Puerto Rico.

Warum sollten andere in Betracht ziehen, dieses Anliegen zu unterstützen, und wie können sie helfen?
Wenn man Wissen besitzt – und damit meine ich nicht Tratsch oder Google – ich meine Wissen aus Büchern, das Fantasie schafft, dann hält man die Schlüssel zur Zukunft seiner eigenen Kreativität schon in der Hand.

Was hörst du gerade?
Ich höre „NIGHT”, den letzten Teil der Trilogie. Und witzigerweise die Demos, mit denen ich mit 19 meinen ersten Vertrag bekommen habe!

Letzte Frage: Verrate mir etwas über Marc Baptiste, das nur du weißt.
Wenn man Marc kennt, dann weiß man, dass er liebenswürdig ist. Alle Menschen, die er fotografiert hat, lieben ihn. Er ist loyal und er hilft dir während des Shootings alles wieder hinzubiegen, was du vielleicht vermasselt hast.

Über Marc Baptiste
Der haitianisch-amerikanische Marc Baptiste verleiht all seinen Fotografien ein einzigartiges Flair, Sinnlichkeit und cineastische Schönheit. Derzeit ist er einer der gefragtesten Fotografen in Hollywood, der Modewelt und der Musikindustrie. Die Liste seiner Kunden ist lang und liest sich wie ein Who’s Who der Stars, Künstler und Legenden wie Barack Obama, Pharell Williams, Beyoncé, Yoko Ono und Maxwell – der schon öfter vor Marcs Kamera stand. Er hat bisher drei Bücher veröffentlicht, die die Schönheit des weiblichen Körpers zelebrieren: Beautiful – Nudes by Marc Baptiste; Intimate und Innocent. Seine Liebe zu Haiti durchdringt seine Arbeiten und zeigt sich in seiner Unterstützung zahlreicher haitianischer Wohltätigkeitsorganisationen, darunter Cine’ Institute und NOAH NY. Seit 2012 reist Marc mit NOAH NY regelmäßig nach Haiti, um die Organisation bei ihrer Mission, Tausende Menschen in Fort-Liberté medizinisch zu versorgen, zu unterstützen. Nach dem verheerenden Erdbeben 2010 arbeitete Marc gemeinsam mit Donna Karans „Urban Zen” für die „Hope, Help & Relief Haiti”-Initiative zusammen.