Fotos CHRISTOPH NEUMANN
Interview JUSTIN ROSS

TOKiMONSTA aka Jennifer Lee mag zwar wie ein Monster klingen, aber in Wirklichkeit ist sie ein Star, und ein hinreißender dazu.Die aus Los Angeles stammende Künstlerin hat eine Fangemeinde, die den gesamten Globus umspannt, um sich gesammelt, während sie weiter mit ihrem einzigartigen Musikstil Grenzen überschreitet. Ihre Kollaborationen ziehen Zuhörer an, und das zu Recht, denn sie mischt mühelos und harmonisch eine Vielzahl an Stilen und bildet damit eine Klasse für sich.

Das pausenlose Tempo des Lebens eines Weltenbummlers mit aneinander gereihten Auftritten, jeden Abend in einer anderen Stadt, kann seinen Tribut fordern, dennoch überstrahlen die belebenden Eigenschaften ihrer Musik diese Tatsache, da ihre eigene übersprudelnde Persönlichkeit durch sie hindurchscheint.

TOKiMONSTA hat uns während ihrer Europa-Tour in Berlin getroffen. Bevor sie an diesem Abend im Gretchen auftritt, ist sie für uns noch einmal schnell vor die Tür getreten, um die neuesten Stücke von Etnia Barcelona zu präsentieren. Die Fotos haben sie mit ihren neuen Lieblingsaccessoires in all ihrer goldenen Pracht eingefangen. Und als sie sich mit uns hinsetzte, kam ihr wahrer Charakter zum Vorschein. Als DJ und Produzentin mag sie die Massen ins Haus bringen, aber was man wirklich nicht vergisst, ist ihr lebendiges Stilempfinden.

Wie hast du angefangen, als DJ und Produzentin eigene Musik zu machen?
Ich denke, es war ein natürlicher Prozess, Musikfan zu sein und mit Klavierstunden aufzuwachsen. Dann, als ich aufs College kam, schlug mir ein Freund vor, Musik selbst zu produzieren. Ich war total davon begeistert, und ab da ging es einfach weiter.

Nachdem ich mir einen Ruf als Produzentin und Musikerin aufgebaut hatte, fing ich als DJ an, denn so können die Menschen einem beim Arbeiten zusehen. Deswegen habe ich angefangen, live aufzutreten.

Produzieren ist nerdiger als als DJ aufzutreten, bist du ein Nerd?
Schon ein bisschen, ehrlich gesagt. Ich bin manchmal ein ziemlicher Nerd. Sobald ich produziere, bin ich komplett drin, so bleibe ich bis zu acht Stunden am Stück im Studio und esse und trinke nichts oder gehe nicht mal auf die Toilette, bis ich fertig bin.

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Woher kommt der Name TOKiMONSTA?
‚Toki‘ heißt Hase auf Koreanisch und ‚Monsta‘ ist einfach eine Abwandlung von ‚Monster‘, denn ich fand das supercool! Das war vor langer Zeit schon mein Online-Nickname, darin zeigt sich wohl meine nerdige Seite … einen Chatnamen auch als Künstlernamen zu benutzen. Am Anfang war es ein bisschen willkürlich, aber der Name hat für mich definitiv an Bedeutung gewonnen und jetzt verkörpere ich ihn richtig und er kennzeichnet die Musik, die ich mache.

Du machst neue Sounds aus recht klassischen Einflüssen, woher kommt das?
Wenn es um musikalische Einflüsse geht, gibt es für mich so viele, aber die Musik Richtungen, die den größten Einfluss auf meine Produktionen hatten, sind wirklich Hip Hop und Rap. Ich denke, um ein paar große Einflüsse zu nennen, DJ Shadow wäre jemand, J Dilla, der Produzent.

Ich mag Aphex Twin sehr gerne, und einfach zusammengewürfelte Rave-Sachen, die ich mir angehört habe, sowas wie Drum ’n‘ Bass, als ich 14 war und mich nachts aus dem Haus geschlichen habe.

Was hat dich dieses Mal nach Berlin geführt?
Heute Nacht spiele ich im Gretchen. Das wird mein dritter Auftritt dort sein, glaube ich. Es ist ein toller Club. Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte, um zu spielen oder einfach nur um dort zu sein.

Ist es anders, für das Berliner Publikum zu spielen?
Es ist anders als an anderen Orten in Europa, weil viele Leute, die zu deinem Auftritt kommen, junge Auswanderer sind und Menschen, die aus anderen Teilen Europas kommen. Ich habe immer das Gefühl, dass Leute, die mutig genug sind, um in ein anderes Land zu ziehen und dort zu leben, etwas in ihrem Kopf haben, das sie abenteuerlustiger macht. Sie sind wirklich weltoffen. Das ist eine tolle Sache an dieser Stadt.

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Welche Elemente führen zu einer großartigen Clubnacht?
Weil ich viel auflege, macht ein gutes Soundsystem einen großen Unterschied für mich. Ich mag Clubs, in denen es etwas schmutzig und dunkel ist, aber es guten Sound gibt, das mag ich wirklich. Die Menschen machen auch einen großen Unterschied, aber ich mag Orte, an denen man alleine einen guten Musiker oder DJ hören und trotzdem eine schöne Zeit verbringen kann.

Und als DJ, wie weißt du dann, dass es gut läuft?
Meine Arbeitsweise als DJ ist nicht wie bei einem typischen DJ. Menschen kommen, um mich zu sehen, weil sie wissen, dass ich etwas tue, das sehr meiner Person entspricht … Ich werde nicht einfach all ihre Lieblingslieder spielen. Das Publikum ist großartig, wenn es versteht, was ich zu tun versuche, selbst wenn es etwas esoterisch sein mag.

Du hast auch einen ganz eigenen Look und Stil. Was sind deine Lieblingsstücke?
Für mich, gerade im Moment, sehr viel Handschmuck und Statement-Ketten, und immer Sonnenbrillen. Das sind die Hauptsachen. Ich mag die Idee, Accessoires zu verwenden, vor allem bei Outfits. Es macht so einen großen Unterschied. Ich könnte das Gleiche tragen wie jemand anderes, aber die Accessoires sind das, was dich abhebt.

Trägst du Sonnenbrillen bei Nacht?
Ab und zu, falls ich eine Sonnenbrille habe, die ich liebe, wie diese mit den grünen Linsen, die ich habe, die kann ich guten Gewissens nachts tragen.

Wie viele Sonnenbrillen besitzt du?
Das weiß ich nicht … es sind zu viele, um sie zu zählen!

Dein Jet-Lag-Hilfsmittel?
Ich wünschte, ich hätte eines! Falls jemand etwas kennt, sagt mir Bescheid!

Hast du jemals frei?
Ich hatte in Paris vier Tage frei. Meistens schlafe ich, esse viel, trinke eine Menge Wein und gehe shoppen.

Vier Dinge, ohne die du nicht leben kannst:
Musik, gutes Essen, gute Freunde und mein Handy!