SPIKE LEE – ohne Furcht und ohne Filter

Text NADJA SAYEJ
Fotograf MARC BAPTISTE

Die meisten von uns kennen Spike Lee als den Regisseur aus Brooklyn mit den markanten Brillen, aber es gibt so viel mehr über seine herausragende Karriere als Filmemacher und Verfechter sozialen Wandels zu entdecken.

Nach drei Jahrzehnten Arbeit als auteur provocateur scheut der afro-amerikanische Regisseur nicht vor Kontroversen zurück. Er ist als der schwarze Filmemacher bekannt, der mehr als 20 Spielfime gedreht hat, darunter Inside Man, ein Action-Film über einen Banküberfall, und Malcom X, der das Leben des ikonischen schwarzen Aktivisten erzählt. Sein neuester Film BlacKkKlansmanwar unglaublich erfolgreich und gewann letztes Jahr den Cannes Grand Prix. Ein Grund für diesen Erfolg ist die kulturelle Relevanz. Immerhin ist der Film nur ein Jahr nach der Kundgebung von Rechtsextremen in Charlottesville erschienen und basiert auf den Memoiren von Ron Stallworth, dem ersten schwarzen Polizisten, der den Ku-Klux-Klan infiltriert hat.

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

Spike Lee wurde in Atlanta geboren, aber seit seiner Kindheit lebt der heute 61 Jahre alte weltberühmte Regisseur in Cobble Hill, Brooklyn. Er studierte Film an der New York University, wo er nun im Master-Studiengang selbst lehrt. Während er weiterhin Filme macht, leitet er außerdem seine eigene Produktionsfirma 40 Acres and A Mule Filmworks. Seine Zusammenarbeit mit den besten afro-amerikanischen Schauspielern wie Samuel L. Jackson und Denzel Washington und seine Fähigkeit, Menschen direkt zu erreichen, führten dazu, dass Lee von der New York Times schon als schwarzes Genie betitelt wurde. „Es ist sehr wichtig, dass Filme den Leuten vorführen, was sie vergessen haben”, lautet ein berühmtes Zitat von ihm.

Seine kürzlich erschienene Netflix-Serie She’s Gotta Have It, basierend auf seinem gleichnamigen Film aus den 1980ern, folgt einer nicht-monogam lebenden Feministin auf der Suche nach Liebe – ohne ihre Unabhängigkeit verlieren zu wollen. Unkonventionelle Themen ziehen sich auch durch sein Musical School Daze, einem Film über Diskriminierung, und der von der Kritik gelobten Tragikomödie Do the Right Thing, die rassistische Spannungen gegen Afro-Amerikaner in New York City untersucht.

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

Natürlich dürfen wir seinen ikonischen Stil nicht außen vor lassen. Lee ist dafür bekannt, Baseball-Caps – vor allem von seinen geliebten New York Yankees -, Sportswear und Gucci-Blazer zu tragen. Und wer könnte seine starken Brillen vergessen? Lees Brillen sind immer laut und massiv, dabei erstreckt sich die Bandbreite seines Stils von in Orange eingefassten Gläsern des französischen Designers Jacques Durand bis zu Schildpatt-Gestellen von Cazal aus Deutschland.

In unserer Bildschirm-Kultur bringt er Geschichten über Menschenrechts- und Bürgerrechts-Aktivisten an ein Publikum, das sie sonst nicht in so einem glanzvollen Licht repräsentiert sieht. Lee ist ein Wegbereiter, der die Dinge auf seine Weise angeht. Dafür wird er respektiert; er ist experimentell, inspirierend und kreativ und bleibt so seinen Wurzeln treu. Wie die lebende Legende einst selbst sagte: „Als Autor ist es mir wichtig, dass jeder die Chance bekommt, seine Meinung zu äußern. Wenn jeder Charakter denkt, dass er die Wahrheit sagt, dann stimmt das. Am Ende des Films überlasse ich dem Publikum die Entscheidung darüber, wer das Richtige getan hat.”

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE