Fotos BERT SPANGEMACHER
Text DAGMAR SCHRAMM

Statt Massenware suchen immer mehr Menschen nach handgefertigten Produkten. 4SEE hat zwei Brillenhersteller besucht, die für Handarbeit, hohe Qualität, Individualität und modernes Design stehen. Das dänische Label Ørgreen stellt nicht nur die hochwertigen Titanrahmen selbst her, sondern fertigt auch die Farben für die Kollektionen in Eigenregie an.

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Sahra Lysell hat einen einzigartigen Job. Die 37-Jährige ist Colour Advisor beim dänischen Brillenlabel Ørgreen. Seit 14 Jahren entwickelt sie Farben für die exklusiven Modelle des Unternehmens. „Farbe ist bei Ørgreen genauso wichtig wie Form“, erklärt sie. „Dadurch entsteht eine dritte Dimension – mit der Farbe kommen Emotionen und Stimmungen auf den Rahmen.“ Ørgreen bietet deshalb in jeder Saison 40 bis 50 neue Farben an, deutlich mehr als andere Hersteller. Jedes Design erreicht durch seine Farbvarianten so eine Vielzahl von Kunden. Ihre Inspiration gewinnt Sahra Lysell vor allem, wenn sie unterwegs ist. „Ich beobachte Menschen ganz genau“, sagt sie. „Welches die richtigen Farben zur richtigen Zeit sind, sagt mir mein Bauch. Mein Ziel ist es, Farben zu entwerfen, von denen die Leute noch nicht wissen, dass sie sie unbedingt wollen.“

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Der Produktionsprozess bei Ørgreen ist aufwendig: Sahra Lysell schickt ihre Samples zur Herstellung nach Japan, wo die Rahmen in Handarbeit gefertigt und koloriert werden. Ein Sample kann eine Seite aus einem alten Schulbuch sein oder ein Stück Papier – die Schwierigkeit besteht darin, die Farbe für die Titanrahmen von Ørgreen zu übersetzen. „Eine Farbe enthält bis zu 100 verschiedene Stoffe“, erklärt Sahra Lysell. „Und alle müssen hautverträglich sein, das ist eine große Herausforderung.“ Die Teams in beiden Ländern arbeiten trotz der großen Entfernung eng zusammen. Die Muster gehen so lange zwischen Japan und Kopenhagen hin und her, bis alle mit der frisch kreierten Farbe zufrieden sind. Die Farben müssen im Gesicht gut aussehen, deshalb testet Ørgreen sie an Menschen mit unterschiedlichen Hauttönen und Nationalitäten.

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„Eine Brille trägt man jeden Tag, damit drückt man sich aus. Das erklärt, warum der richtige Farbton so entscheidend ist“, sagt die Expertin. „Wir wollen, dass unsere Brillen zum absoluten Lieblingsstück werden. Deshalb investieren wir so viel Arbeit und Herzblut in die Kreationen.“ Sahra Lysell beschreibt Ørgreen als emotionales Unternehmen: „Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch. Zeit und Handarbeit ist uns bei der Herstellung unserer Brillen wichtig.“ Kein Wunder, dass Ørgreen Design und Farbgebung nicht den Trendscouts überlässt, sondern alles selbst in die Hand nimmt.

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Im Sommer setzt Ørgreen auf Farben für Gentlemen und Gentlewomen: Navy, Mahagoni, Elfenbein und Cognac mit mattem Industriefinish. Dazu werden Töne aus den 80ern und 90ern kombiniert, zum Beispiel Grün und Violett. Die Farbkontraste schaffen Vielschichtigkeit. „Erst durch den Mix zweier Welten kann etwas neues, kreatives entstehen“, sagt Sahra Lysell. Der Erfolg von Ørgreen ist eine gute Bestätigung für die Arbeit der Farbexpertin. Das Label wird in 40 Ländern verkauft und hat Fans auf der ganzen Welt.