Fotos BERT SPANGEMACHER
Text DAGMAR SCHRAMM

Die Marke ic! berlin mit ihrem Sublabel onono setzen auf beste Materialien und ein unverwechselbares Design. Die 4SEE-Redaktion hat die Produktionen besucht und mit Ralph Anderl von ic! berlin gesprochen.

180 Mitarbeiter, stetiges Wachstum in Europa, aber vor allem auch in den USA und Asien – seit dem Start im Jahr 1996 geht es mit ic! berlin bergauf. „Unsere Krabbelphase war allerdings lang“, sagt CEO Ralph Anderl. „Deshalb ist Berlin der perfekte Standort für uns. Die Stadt erfordert keinen Reichtum, wir mussten nicht gleich einen Superstart hinlegen.“ Die Gründung war eher eine glückliche Fügung als ein ausgeklügelter Prozess: Zwei Studienfreunde des Kulturpädagogen Ralph Anderl hatten Brillengestelle ohne Scharniere und Schrauben entwickelt.

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Sie fotografierten die ziemlich unstabilen Prototypen auf dem Charakterkopf ihres Kumpels, um dann bei einem etablierten Hersteller durchzustarten. Der Hersteller sagte nein und Ralph Anderl schrie ja: Die drei begannen, selbst Brillen zu produzieren. „Wir haben uns da ziemlich naiv rangetastet und Glück gehabt“, erklärt Anderl. „Unser Wagemut war die wichtigste Komponente, Ahnung vom Markt hatten wir nicht.“

Das einzigartige Konzept hat die Käufer schließlich überzeugt: Bei ic! berlin verschmelzen Design und Produktion zu einem Prozess. Während andere Hersteller ihre Entwürfe von Partnerfirmen produzieren lassen, kommt bei ic! berlin alles aus einer Hand. Das notwendige technische Know-How ist vorhanden und das einzigartige, schraubenlose Gelenk ein wichtiger Teil des Designs. „Das Gelenk funktioniert wie Origami“, sagt Anderl. „Deshalb ist die enge Verbindung zwischen Design und Funktion die logische Konsequenz.“

Verwendet wird Acetat aus Italien. Edelstahl sowie die Farben für die Rahmen stammen aus Deutschland. Weil den ambitionierten Gründern die Qualität bei Fremdproduzenten nicht gut genug war, machten sie alles selbst. Die Manufaktur ist gleichzeitig die wirksamste Werbung für ic! berlin: Führungen überzeugen interessierte Berliner und Touristen, die aller Welt von ihrer Brillenentdeckung erzählen. „Für so ein Erlebnis muss man eigentlich nach China fahren“, so Anderl.

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Der typische ic! berlin-Käufer ist technikaffin – was nicht verwundert. Ingenieure, Ärzte, Rechtsanwälte ab 30 setzen auf den außergewöhnlichen, aber gleichzeitig diskreten Style der Brillen. „Unsere Modelle sind leicht und anpassungsfähig. Durch das schraubenlose Gelenk sind sie außerdem extrem stabil“, sagt Ralph Anderl. „Deshalb sind sie auch für Kinder gut geeignet. Auf diesem Gebiet legen wir gerade nach.“

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Shareholder mit schneller Expansion glücklich zu machen, liegt Anderl fern. „Erfolg heißt für mich, dass unsere Kunden so überzeugt von der Qualität und dem Tragekomfort unserer Brillen sind, dass sie sich mehrere Modelle gönnen. Dafür muss die erste nicht kaputt gehen. Bei uns steht Langlebigkeit im Vordergrund, stärker als der Lifestyle-Aspekt.“

Wer eine noch außergewöhnlichere Brille sucht, wird beim Sublabel onono fündig. Die Rahmen werden in Handarbeit aus edlen Materialien wie Büffelhorn und Titan hergestellt. Die Auflage ist klein und wird in Eigenproduktion sowie in Kooperation mit externen Partnern produziert. Geplant sind 49 Kollektionen für 49 Jahre und jede Brille wird es nur 49 Mal geben.

Ralph Anderls Ziel für die Zukunft: „Wir wollen unabhängig bleiben und in Berlin produzieren. In unseren Brillen vereint sich die Bipolarität von Leichtigkeit und Ernst – das wollen wir beibehalten.“

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