FAIR PLAY
Sie stehen an den Turntables und stellen die einst männlich dominierte DJ-Szene einfach auf den Kopf: 4SEE stellt Ihnen die Spitzenklasse der neuen Welle talentierter weiblicher DJs vor.

Fotograf BERT SPANGEMACHER
Interview JUSTIN ROSS

Elekronische Musik erlebt gerade ein kleines Revival – und dieses Mal sind Frauen ganz vorne mit dabei. Immer im Fokus haben sie ihre Musik und Kreativität als DJ und Producer.

Heutzutage gelten sie nicht mehr als Randerscheinung in der Industrie. Die Wahrnehmung hat sich verändert und weibliche DJs werden für ihre Beiträge zur Kunst des Auflegens und Produzierens respektiert. Obwohl sie ihren Platz in der Industrie meist hart erkämpfen mussten, spielt ihr Geschlecht für viele dieser Frauen keine allzu große Rolle. Sie sind in erster Linie Künstlerinnen, DJs und Produzentinnen und ihr mühsam erarbeiteter Respekt gilt allein der Qualität ihrer Musik.

Wir präsentieren voller Stolz vier weibliche DJs, die in einer Ära des Fairplay die neue Welle der elektronischen Musik verkörpern.

This interview article was for the MUSIC issue // published in April 2017.

DJ Anna from Brazil, photographed by Bert Spangemacher in Barcelona
DJ ANNA in VALENTINO VA4008

legt auf alsANNA
Labels Diynamic, Rukus, Turbo Recordings
Nationalität Brazilian
lebt in Barcelona
legt am liebsten auf bei Warung Beach Club in Brazil
Lieblingsbrille Vera Wang (CONCEPT 92), Tom Ford, Ray-Ban Aviators

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Abgefahren, stark und groovy.

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Als ich 14 war, hatte mein Vater einen Nachtclub und war selber DJ. Es gab eine Nacht in dem Club an dem ich mich über den DJ beschwerte, weil er immer das Gleiche spielte. Da sagte mein Vater, ich solle an die Turntables gehen und es selber besser machen – die Herausforderung habe ich angenommen.

Wo legst du am liebsten auf?
Auf Ibiza, im Sommer, in Clubs wie Pacha, Amnesia, CD10. Ibiza ist der Ort, an dem alle sind und wo alles passiert. Die größten DJs haben ihre Residence dort während der Saison, die Stimmung ist einfach toll. Ich liebe es auch, in Brasilien in einem Club namens Warung aufzulegen, die Energie dort ist unerreicht. Ein weiterer meiner Lieblingsclubs ist The Garten in Beirut (Libanon). Er hat nur im Sommer geöffnet und ist ein Open-Air-Club. Es ist ein wirklich magischer Ort.

Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Mir geht es nicht darum, vor wie vielen Menschen ich spiele, sondern darum, wie die Energie im Raum ist. Ich brauche einfach das Feedback, um eine gute Performance abzuliefern, je mehr das Publikum abgeht, desto mehr lege ich mich ins Zeug. Mich berührt das, wenn alle glücklich sind, lächeln und Spaß haben. Bei machen Auftritten spüre ich noch Tage später die Freude und die Energie, die während der Show präsent war.

Willst du etwas über deine Erlebnisse als Frau in der DJ-Szene erzählen? Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern? Ist dir dieser Aspekt wichtig?
Was ich jetzt nach all den Jahren in der Musikindustrie weiß, ist, dass wir viel härter arbeiten müssen, gehört zu werden. Heute verändern sich die Dinge langsam. Aber es ist immer noch so, dass, wenn eine Frau auflegt, die Leute meinen, es hätte andere Gründe als vorhandenes Talent, dass sie den Auftritt bekommen hat. Wir müssen uns die ganze Zeit aufs Neue beweisen. Und das mache ich, seitdem ich 14 Jahre alt bin. Ich gebe immer mein Bestes, um mir einen Platz in der Industrie zu erkämpfen und um respektiert zu werden.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Sie sind sehr erschöpfend, aber es lohnt sich. Ich habe die Möglichkeit, durch meine Musik viele verschiedene Orte und Personen kennenzulernen. Ich versuche, meine Routine auf Tour zu behalten, ernähre mich gesund und mache Sport. Ich trinke auch nicht viel, das hilft auf jeden Fall dabei, für die Gigs am nächsten Tag fit zu sein.

Was sind deine Lieblingsbrillen?
Meine absolute Lieblingsbrille ist eine von Vera Wang, die Concept 92. Ich liebe auch meine Brille von Tom Ford, aber mir fällt ihr Name gerade nicht ein. Und natürlich die klassische Pilotenbrille von Ray-Ban.

DJ Courtesy photographed by Bert Spangemacher
DJ Courtesy in ROBERT LA ROCHE Eldric

legt auf als Courtesy
Nationalität Danish
lebt in/strong> Berlin / Copenhagen
legt am liebsten auf bei De School (Amsterdam)
Lieblingsbrille Mykita

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Ich habe quasi schon als Kind angefangen. Im Klassenzimmer habe ich immer den CD-Player besetzt. In der fünften Klasse durfte niemand außer mir ihn auch nur anfassen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich spiele eine bunte Mischung. Ich lege viel Musik auf, die von den Raves aus den 90ern inspiriert wurde. Sie kann sehr starke Break-Einflüsse haben. Aber es kommt auch viel Musik vor, die wie Techno klingt, aber ein bisschen experimenteller ist, quasi wie Big Room Techno, aber es ist nicht ganz Big Room. Ich spiele auch House und Musik, die von Disco inspiriert wurde, und manchmal auch Italo.
Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Wenn ich vor vielen Leuten auflege, fühle ich mich, als würde ich ein Raumschiff oder irgendein Fahrzeug steuern. Man muss diesen Raum voller Menschen bewegen und zum Tanzen bringen. Mir selbst zuliebe, versuche ich immer, so abgefahrene Sachen wie möglich zu spielen, ohne mein Publikum zu verlieren. Ich will es möglichst spannend machen. Ich teste gerne aus, wie weit ich gehen kann, wenn ich für Leute spiele, wie sonst nicht diese Art von Musik hören.

Was magst du an Berlin?
Ich bin gerne in Berlin, weil ich hier viele Freunde und Kollegen habe. Deswegen ist es schön, an einem Ort zu sein, an dem die ganze Zeit Leute kommen und gehen. In Kopenhagen geht es mir viel mehr um die lokale Szene und darum Zeit mit meinen dänischen Freunden zu verbringen. In Berlin dagegen treffe ich meine Freunde als aller Welt viel öfter und das mag ich wirklich sehr.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich versuche, so gesund wie möglich zu leben … ich trinke viel Wasser und nutze jede freie Sekunde, um zu schlafen. Und zuhause gönne ich mir auch viel Schlaf. Ich fühle mich nicht schuldig, wenn ich während der Woche mal einen Mittagsschlaf machen muss und montags einen Tag frei habe, während alle anderen zur Arbeit gehen. Gesundes Essen und Schlaf sind das Wichtigste zum Überleben.

Was denkst du über weibliche DJs?
Ich hab irgendwie aufgehört, darüber zu reden. Als ich in einer rein weiblichen Gruppe war, wurden wir die ganze Zeit nur gefragt, wie es sei, eine Frau in der DJ-Industrie zu sein, und irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr darüber sprechen wollte. Ich habe einige Artikel geschrieben und es ist gut, neue Perspektiven einzubringen. Ich habe Nichts zu sagen, das nicht schon in den großen Musikmagazinen gestanden hätte.

Ich will keine genannt werden. Aus Sicht der alternativen Musikszene ist es herablassend, genannt zu werden. Wenn du nach „” googelst, wirst du sehen, was ich meine. Auf den Bildern sieht das dann mehr wie ein Pornostar mit Kopfhörern aus. Das ist es, wofür steht, und das hat mit meiner Arbeit nichts zu tun.

DJ Mor Elian, Photography by Bert Spangemacher
DJ Mor Elian in KBL Steve

legt auf als Mor Elian
Labels Prime Numbers, Hypercolour, Finale Sessions
Nationalität israelisch / amerikanisch
lebt in Berlin / LA
legt am liebsten auf bei den von ihr organisierten Into The Woods-Parties in L.A.
Lieblingsbrillen Tom Ford, Oliver Peoples, Ray-Ban

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich spiele vorallem House und Techno mit einigen Einflüssen aus Elektro, Italo-Disco und anderem.

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Ich habe 2009 angefangen, weil ich einfach das Bedürfnis hatte, Musik mit anderen Menschen gemeinsam zu erleben.

Wo legst du am liebsten auf?
Ich liebe es, in den Clubs meiner Heimat Tel Aviv aufzulegen. Die Szene gibt es dort schon lange, aber sie ist immer noch sehr lebhaft. Außerdem spiele ich gerne im L.A.-Underground, da ist die Szene noch jünger und irgendwie magisch.

Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Mich motiviert es, wenn die Leute ausgelassen tanzen. Ansonsten halte ich nach dem wildesten Tänzer Ausschau – den gibt es immer – und dann spiele ich nur für ihn.

Willst du etwas über deine Erlebnisse als Frau in der DJ-Szene erzählen? Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern? Ist dir dieser Aspekt wichtig?
Ich habe mich nie wirklich darüber definiert. Ich liebe einfach Musik und liebe es, sie aufzulegen. Wenn das andere Frauen inspiriert, dann ist das doch wunderbar.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich passe auf mich auf, ob ich nun unterwegs bin oder nicht. Das heißt auch, dass ich bei den meisten meiner Auftritte nichts trinke. Nach so vielen Jahren im Geschäft passt Alkohol nicht mehr zu meinemLebensstil.

Was sind deine Lieblingsbrillen?
Ich liebe meine Brillen von Oliver People, meine Ray-Bans und meine neue Tom Ford Brille in Cat-Eye-Optik. Ich brauche einfach Abwechslung!

DJ Jeniluv shot by Bert Spangemacher in LA
DJ Jeniluv in OAKLEY Trillbe

DJs as Jeniluv
legt auf als Roam Recordings, Making Shapes LA
Nationalität American
lebt in Los Angeles
legt am liebsten auf bei Rex Club
Lieblingsbrille Oakley

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Vielschichtiger, basslastiger Disco-Techno.

Wann hast du das erste Mal aufgelegt?
Das war 1992. Ich ging auf Raves und fing meine Plattensammlung an.

Wo legst du am liebsten auf?
Rex Club, Frankreich – wahnsinnig gastfreundlich!
Renate, Berlin – lange Sets, voller Dancefloor, wilde Nächte!
Making Shapes Events in L.A. – großartiges Line-Up, wunderbare After-Hour!

Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Meine Gefühle in dem Moment, sich mit so vielen Menschen zu verbinden, neue Musik mit ihnen zu teilen –das fühlt sich einfach nur großartig an.

Willst du etwas über deine Erlebnisse als erzählen? Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern? Ist dir dieser Aspekt wichtig?
Es ist einfach anders, wenn man weiblicher DJ ist. Ich bin außerdem eine lesbische Frau, das hat immer für ganz verschiedene Reaktionen gesorgt, vor allem in der frühen Zeit, als ich 1992 gerade erst als anfing und auf Raves ging und Platten sammelte. Ich bin mir selbst aber treu geblieben, dadurch habe ich jetzt einen Punkt erreicht, an dem ich zufrieden mit meiner Musik und meinem Platz innerhalb der Industrie bin. Ich habe immer auf Fortschritt gepocht und mein eigenes Ding gemacht.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich liebe Reisen. Es kann auf Tour sehr anstrengend sein, aber ich bin im Großen und Ganzen dankbar.

Was sind deine Lieblingsbrillen?
Die meisten meiner Sonnenbrillen kaufe ich in Venice Beach für 5 Dollar pro Paar. Alles Mögliche, von einfachen schwarzen Brillen mit runden Gläsern bis zu 70er-Brillen, wie Giorgio Moroder sie trägt.