Masatsugu Okutani shinto raw studios Bert Spangemacher

Direkt von der Quelle: Shinto entdecken mit Masatsugu Okutani

Interview JUSTIN ROSS
Fotograf BERT SPANGEMACHER

Masatsugu Okutani, der einzige Shinto-Priester außerhalb Japans, erklärt die alten Bräuche des Shinto, ihre Ursprünge und ihre moderne Inkarnation. In einer Welt voller Ablenkungen verbreitet Shinto die Lehre, zurück zu unseren Wurzeln zu kehren und zu entdecken, was das Wesentliche für uns ist. Shinto-Philosophien sind nicht auf die Kultur beschränkt, aus der sie stammen, und bilden die Basis einer ganzen Reihe von Bräuchen, die zur Zeit weltweit Fuß fassen. Von minimalistischen Designansätzen, verändertem Konsumverhalten, und sogar bis zu Marie Kondos neuer Erfolgsshow auf Netflix, die Ordnung und Sauberkeit anpreist, bietet Shinto eine Gelegenheit, nicht nur Überflüssiges aus unserem Leben zu entfernen, sondern die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen. Masatsugu Okutani spielt eine zentrale Rolle dabei, diese Denkart in die westliche Welt zu bringen. Er berät bekannte Unternehmen wie LVMH genauso wie Regierungsorganisationen und Kreativagenturen dabei, wie Shinto-Praktiken ihre Firmen bedeutungsvoller und erfolgreicher machen können. Im Interview mit 4SEE teilt Masatsugu Okutani seine Erfahrungen aus seiner jahrzentelangen Arbeit als Priester, Berater und Lehrer für Shinto auf der ganzen Welt.

Masatsugu Okutani shinto raw studios Bert Spangemacher
Masatsugu Okutani

Ein uralter Brauch, eine über Jahrhunderte und Generationen weitergegebene Tradition, ein spiritueller Inkubator, der eine so einzigartige Denkweise hervorgebracht hat, dass sie schwer in Worte zu fassen ist – Shinto befindet sich irgendwo zwischen Philosophie und Religion. Es ist eine Sammlung von Weltanschauungen, die die Menschheit mit der Natur verbinden. Kurzgesagt handelt es sich um eine ganze Lebensweise. Und für das japanische Volk ist es so untrennbar mit seiner Sprache und seiner Kultur verknüpft, dass es seinem Denken zugrunde liegt, für alles von Design bis Essen, von Architektur bis Alltag.

Tatsächlich hat diese japanische Praxis eine ununterbrochene Geschichte, die schriftlichen Überlieferungen weit vorausgeht: Eine ungebrochene Kette aus Riten und Ritualen wurde von Generation zu Generation überliefert, von Familien, die sich dem Erhalt der Shinto-Praktiken gewidmet haben. Und jetzt bringt zum ersten Mal ein Shinto-Priester, Masatsugu Okutani aus der bergigen Nagano-Präfektur, diese Bräuche in den Westen – zuerst nach Paris, nun auch nach Deutschland.

Um mehr über das tradtionsreiche und oft geheimnisvolle Shinto zu lernen, ist Masatsugu Okutani der beste Ansprechpartner. Als einziger außerhalb Japans lebender und praktizierender Shinto-Priester ist er in einer einzigartigen Position, um einen Einblick in die Anziehungskraft von Shinto und die Anwendung seiner essenziellen Charakteristiken in westlichen Kontexten und unserer technologischen Welt zu bieten.

Masatsugu Okutani führt eine weit zurückreichende Reihe von Shinto-Priestern fort. Er ist der 25. Oberpriester (oder Leiter) des Yabuhara-Schreins, dessen Geschichte sich bis in das Jahr 680 zurückverfolgen lässt. Nach seinem Studium der klassischen japanischen Literatur, Geschichte und Shinto-Zeremonien an der Kokugakuin-Universität im Tokioer Stadtteil Shibuya trat Masatsugu Okutani, auch Masa-san genannt, dem Verband der japanischen Schreine bei, bevor er einen ungewöhnlichen Bildungsweg für einen Shinto-Priester einschlug und in Großbritannien einen MBA abschloss. Aber wahrscheinlich war es gerade diese Erfahrung, die seine Fähigkeiten so einzigartig und für die Organisation unbezahlbar gemacht hat.

Nach seiner Rückkehr nach Tokio trat er dort einem der größten und bekanntesten Schreine Japans bei, dem Meiji Jingu-Schrein. Aufgrund dessen Lage und Berühmtheit kam er mit einem ständigen Strom an Touristen in Kontakt, die sich für den Ort interessierten, und nutzte diese Gelegenheit, um ihnen Shinto näherzubringen. Schnell merkte er, dass dies keine leichte Aufgabe war, und so entschied er sich, seine Methoden am Meiji Jingu-Forschungsinstitut zu verfeinern. Dort untersuchte er, wie Ausländer, vor allem Europäer, die Kernprinzipien der japanischen Kultur sahen und welche Beziehung sie dazu hatten.

Schließlich merkte Masa-san, dass es ein wichtiger Schritt sein würde, seine Forschung in die Praxis zu übersetzen. Um Shinto-Prinzipien an ein ganz neues Publikum in einem komplett anderen Kontext zu vermitteln, zog er 2011 nach Paris. Nun lebt er mit seiner Frau und seinem neugeborenen Sohn in Hamburg. Unser Gespräch mit Masa-san versucht, die Grundlagen des zutiefst komplexen Glaubenssystems des Shinto zu erfassen, und zu verstehen, was es außerhalb von Japan und in unserer modernen Welt relevant macht.

Masatsugu Okutani shinto raw studios Bert Spangemacher
Masatsugu Okutani

Wolltest du schon immer Shinto-Priester werden?

Es ist eine Familientradition, Shinto-Priester zu sein. Den Beruf geben wir seit mehr als 800 Jahren weiter, er hat eine lange Geschichte. Wir haben einen Familienbaum und Portraits der Vorfahren und Nachfahren. Mit jeder Generation geben wir all die Geschichten und Geschichte weiter.

Mein Vater sagte mir, dass ich mit meinem Leben machen könne, was ich wollte, aber mein Elternhaus lag direkt neben einem Schrein (jinja auf Japanisch), also sah ich mein ganzes Leben lang, was mein Vater tat. In dem kleinen Dorf, in dem ich aufwuchs, sahen mich die Leute als den nächsten Shinto-Priester. Also fühlte es sich für mich ganz natürlich an, Shinto-Priester zu werden, schon seit meiner Kindheit.

Wie verbreitet ist Shinto außerhalb Japans?

Es gibt nur einen Priester außerhalb Japans: Ich bin der einzige.

Es gibt einige fundamentale Charakteristiken im Shinto – es gibt keinen Gründer, es gibt keine heilige Schrift wie die Bibel oder andere Texte, keine Glaubenslehre, keine Theologie und Philosophie, kein Konzept von Glaube oder Nicht-Glaube, deshalb auch keine Gläubigen und Ungläubigen und keine Verordnung über Gut und Böse. Wir haben keinen missionarischen Ansatz, um andere zu konvertieren.

Was bringt dich dazu, mehr Bewusstsein für Shinto in Europa schaffen zu wollen?

Wenn wir die Grundwerte von Shinto vermitteln können, dann spielen kultureller Kontext oder Traditionen keine Rolle. Wenn man Menschen an den jinja oder den Schreinen sieht, denken die Leute natürlich an Japan. Die Menschen sehen nur die Oberfläche, aber im Kern geht es nicht darum, wie es aussieht.

Shinto kennt ein Konzept namens musuhi. Musuhi ist die Lebenskraft, die die Bedeutung von Geburt, Fortpflanzung und gegenseitige Verbindung, das Bilden einer Organisation und von Netzwerken beinhaltet. Es ist die Kraft, die konstruktive und nachhaltige Evolution und Entwicklung leitet und letztendlich Harmonie schafft. Das ist die Bedeutung von musuhi – ein zentraler Wert von Shinto; die zentrale Kraft des Menschen als Teil der Natur.

Shinto jinjas sind Orte, an denen diese Lebenskraft maximiert wird. Es ist, wie wenn man ein iPhone oder ein anderes Gadget benutzt, man muss den Akku aufladen, sonst läuft es nicht. Genauso ist es. Die Rolle der jinja ist es, Lebenskraft aufzuladen.

Im Shinto führen wir viele Harae durch, auf Deutsch bedeutet das Reinigungszeremonien, um Menschen oder Orte zu reinigen. Denn es gibt Dinge, die die Lebenskraft schwächen, die Kegare. Ke heißt auf Japanisch „Geist” und kare/gare ist, wie wenn man einer Blume kein Wasser gibt und sie immer schwächer und schwächer wird, bis sie verwelkt. Das ist kegare. Wir bemühen uns, diese kegare so viel wie möglich zu entfernen. Das stärkste kegare ist der Tod – das Gegenteil von musuhi. Kegare ist Sterben, gehemmtes Wachsen und Entwickeln, und Krankheit oder Anomalien in der Lebenskraft – alles, was Schönheit entstellt: Objekte, die weder schön noch nützlich sind.

Masatsugu Okutani shinto raw studios Bert Spangemacher
Masatsugu Okutani

Lass uns über Paris sprechenn: Wie kam es dazu, dass du mit großen Firmen gearbeitet hast, die Shinto-Elemente in ihre Marken einbringen wollten?

In Frankreich habe ich zum Beispiel Zeremonien für Boutiquen durchgeführt, und die Anwesenden brachten ihre Hunde oder kleinen Kinder mit. In Japan gehören Tiere nicht an gesegnete Orte, aber ich konnte es ihnen nicht abschlagen. Aber es passierten interessante Dinge, als ich die Zeremonie begann. Ein Baby hatte geweint, oder ein Hund gebellt, aber sobald ich mit der Zeremonie angefangen hatte, wurden sie ganz still und ruhig. Weil Babys und Hunde keine Rationalität kennen, nur Empfindungen, konnten sie die plötzlichen Veränderungen durch die Zeremonie im Raum und an dem Ort spüren.

Aus meiner Arbeit mit französischen Firmen, großen Marken und Modelabels habe ich gelernt, dass sie ihre Boutiquen haben, aber fürchten, dass sich diese in Zukunft nicht halten können, wenn die Kunden einfach nur Geld gegen Produkte tauschen. Also wollen diese Firmen Orte schaffen, die experimenteller und eine Erfahrung für sich sind, ähnlich wie jinja. Ich kann dabei helfen, einen solchen Ort für Kunden zu schaffen, wo mehr als nur Geld ausgetauscht wird. Es wird spannender, wenn ich etwas schaffen kann, bei dem Menschen das Gefühl haben, dass sie etwas Ursprüngliches fühlen oder ihre Empfindsamkeit in diesem Raum aktivieren können.

Was würdest du ihnen über Shinto beibringen, das wir alle lernen sollten?

Kurzgesagt geht es darum, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Es gibt ein Konzept namens honmono, was im Deutschen als ‘authentisch’ übersetzt wird, aber meines Wissens nach nicht ganz das Gleiche ist. Hon kommt von ki, also Baum. Honmono besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen und Ideogrammen, hon und mono. Die Ableitung des Wortes hon ist die Stelle, an der die Wurzeln eines Baum am dicksten sind, deshalb bedeutet hon Ursprung oder Quelle. Mono steht für die gesamte Energie aller Materie, sichtbar und unsichtbar. Es gibt viele Übersetzungen dafür, aber auf Japanisch steht shina für ‘Dinge’. Man könnte eine ganze Reihe von Büchern über die Bedeutung von mono schreiben, so viele unterschiedliche Bedeutungen gibt es. Aus diesen Bedeutungen der beiden Wörter leitet sich die Definition von honmono ab, was eine Entität ist, die diese Quelle beinhaltet oder zeigt. Das Gegenteil von honmono ist nisemono, also ‘künstlich’. Es besteht aus den beiden chinesischen Schriftzeichen für Mensch und nasu, was für ‘etwas bewusst tun’ steht. Das bedeutet, seine rationale Vernunft zu verwenden.

Wenn Menschen von nisemono sprechen, geht es um etwas, das jemand absichtlich getan hat. Das Gegenteil von Rationalität ist Empfindsamkeit. Die ursprüngliche Bedeutung von honmono war natürliche Vorsehung. Die Natur ist honmono weil sie ohne ein einziges künstliches Element erschaffen wurde. Das bedeutet auch, dass es in der Natur keine Vorwände gibt. In anderen Worten, es gibt nichts Künstliches in der Natur. Künstliche Elemente sind eine Funktion oder Aktion der Vernunft.

Menschen haben Verstand und Empfindsamkeit, aber die Natur kennt keine Vernunft. Und Empfindsamkeit ist direkt mit der Lebenskraft verbunden. Ich habe zwar als Shinto-Priester von Japan aus gearbeitet, aber diese Dinge – Empfindsamkeit und Vernunft – gehören nicht zu einer Kultur oder einem Umfeld, also kann ich sie überall vermitteln.

Masatsugu Okutani shinto raw studios Bert Spangemacher
Masatsugu Okutani

Wie kommt es, dass Japan und die japanische Kultur weiterhin unglaublich einflussreich und gleichzeitig immer noch mysteriös sind?

Ein Grund, weshalb die japanische Kultur Menschen aus dem Westen anzieht, ist, dass Japan geografisch das Ende der Seidenstraße darstellt. Viele Dinge kamen in Japan an und wir haben sie ‘japanisiert’. Vor allem während der Edo-Zeit haben wir das Land abgeschottet. Diese Zeit war quasi eine Zeit der Fermentation für Japan – etwas Neues akzeptieren, es auf das japanische Volk anpassen und es dann verwandelt wieder zum Leben erwecken.

Hat das etwas damit zu tun, weshalb Japan als der absolut beste Ort weltweit für die Herstellung von Brillen gilt?

Japan ist eine kleine Insel und zwischen Japan und Kontinentalchina liegt ein Meer, das sehr aggressiv ist. In gewisser Weise ist Japan ein bisschen wie Galapagos. Deshalb ist Subjektivität wichtiger als Objektivität.

Nehmen wir japanische Schwerter als Beispiel, die im Geschäft mit Antiquitäten die einzigen sind, die man zum Schneiden verwenden kann. Andere Schwerter aus westlichen Ländern oder China sind wegen ihrer saya, der Schwertscheide, wertvoll, weil sie mit Juwelen verziert ist. In Japan herrscht eine andere Logik. Die Japaner denken eher induktiv und die Europäer deduktiv.

Menschen mit einer deduktiven Denkweise sind sehr gut, was Strategien angeht, und sie sind an Theorie interessiert. Aber Menschen mit einer induktiven Denkweise sind sehr schlecht im Strategischen, dafür sehr gut bei Techniken, da sie sich viel mit Details auseinandersetzen.

Ist das einer der Gründe, weshalb du im Ausland lebst und dein Wissen über die japanische Kultur in einen fremden Kontext bringst?

Wenn Menschen über Diversität reden, zum Beispiel in Firmen, und dabei Länder oder Herkunft meinen, interessiert mich das nicht. Was mir wichtig ist, ist, Dynamiken zu schaffen, Zusammenarbeit zwischen induktiven und deduktiven Denkweisen. Sie haben gegenteilige Ansätze, aber wenn man zusammenarbeitet, entsteht eine dynamische Kraft.

Friedrich Liechtenstein IC! BERLIN singer actor artist BERT SPANGEMACHER

Original Thinking

Interview JUSTIN ROSS
Fotograf BERT SPANGEMACHER

In unserem Informationszeitalter ist Inspiration nur einen Fingerwisch entfernt. Aber woher kommt echte Originalität? Wir haben einige der progressivsten, kreativsten und authentischsten Innovatoren in Kunst, Design, Mode und Kultur nach ihrer Perspektive auf die wichtigsten Aspekte von Originalität befragt. Unkonventinell, grundsätzlich, aufregend oder exzentrisch, diese Menschen kennen ihre Wurzeln und gehen ihren eigenen Weg in einer Welt voll Wettbewerb.

FRIEDRICH LIECHTENSTEIN, Unterhaltungskünstler
Exzentrisch Sensationell Starpower | Ein Schauspiel-Original geht viral

„Steh auf und tanz.”

Friedrich Liechtenstein IC! BERLIN singer actor artist BERT SPANGEMACHER
Eyewear by IC! BERLIN

Beschreibe dich selbst mit drei Worten.
Und jetzt ich!

Was macht Friedrich Liechtenstein aus?
Ich bin von Mythen besessen. Ich liebe Geschichten. Geschichten sind wie Gesetze, sie formen unser Leben. Man muss sie lang und ernsthaft erzählen. Mal sind es die Gesetze, die uns regieren, und manchmal werden ausgedachte Geschichten wahr. Ich erzähle in meinen Liedern und kleinen Filmen Geschichten, erst kürzlich in einer 10-teiligen Fernsehserie über Tankstellen für arte (Tankstellen des Glücks). Ich habe auch einen Spielfilm namens „Boccia Boccia” Slow TV für TELE 5 gemacht.

Was bedeutet es, originell zu sein?
Die wichtigsten Dinge müssen geheim bleiben.

Was hast du aus dem, was du machst, gelernt?
Mehr machen. Weniger besitzen.

Friedrich Liechtenstein IC! BERLIN singer actor artist BERT SPANGEMACHER
Eyewear by IC! BERLIN

Was ist eine deiner größten Herausforderungen gewesen?
Die Geschichten in meinen Liedern Delphinmann und Elevator-Man am Leben zu erhalten.

Woran arbeitest du zur Zeit?
Neuer Musik, einem Graphic Novel und einem Film. Gerade bin ich in Los Angeles, um den Dreh des Films The Majestic Sombrero Galaxy – Elevator Man abzuschließen.

Wo findest du Inspiration?
In meinen Ideen aus der Vergangenheit.

Denkst du bei Originalität eher an Grundsätze oder an Innovation?
Das ist nicht mein Problem. Ich bin Künstler.

Friedrich Liechtenstein IC! BERLIN singer actor artist BERT SPANGEMACHER
Eyewear by IC! BERLIN

Was rätst du Menschen, die aus der Masse herausstechen wollen?
Steh auf und tanz.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Da will ich mit Lana Del Rey tanzen.

Was ist deine liebste Brille und warum?
Ich mag die frühen Modelle von ic! Berlin. Diese Brillen haben mein Leben als Popstar gerettet. Ohne die wäre ich nicht so hübsch. ic! Berlin war einzigartig, you see! You see?

Friedrich Liechtenstein IC! BERLIN singer actor artist BERT SPANGEMACHER
Eyewear by IC! BERLIN

Brille ic! berlin
Info @friedrich.liechtenstein.official

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

SPIKE LEE – ohne Furcht und ohne Filter

Text NADJA SAYEJ
Fotograf MARC BAPTISTE

Die meisten von uns kennen Spike Lee als den Regisseur aus Brooklyn mit den markanten Brillen, aber es gibt so viel mehr über seine herausragende Karriere als Filmemacher und Verfechter sozialen Wandels zu entdecken.

Nach drei Jahrzehnten Arbeit als auteur provocateur scheut der afro-amerikanische Regisseur nicht vor Kontroversen zurück. Er ist als der schwarze Filmemacher bekannt, der mehr als 20 Spielfime gedreht hat, darunter Inside Man, ein Action-Film über einen Banküberfall, und Malcom X, der das Leben des ikonischen schwarzen Aktivisten erzählt. Sein neuester Film BlacKkKlansmanwar unglaublich erfolgreich und gewann letztes Jahr den Cannes Grand Prix. Ein Grund für diesen Erfolg ist die kulturelle Relevanz. Immerhin ist der Film nur ein Jahr nach der Kundgebung von Rechtsextremen in Charlottesville erschienen und basiert auf den Memoiren von Ron Stallworth, dem ersten schwarzen Polizisten, der den Ku-Klux-Klan infiltriert hat.

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

Spike Lee wurde in Atlanta geboren, aber seit seiner Kindheit lebt der heute 61 Jahre alte weltberühmte Regisseur in Cobble Hill, Brooklyn. Er studierte Film an der New York University, wo er nun im Master-Studiengang selbst lehrt. Während er weiterhin Filme macht, leitet er außerdem seine eigene Produktionsfirma 40 Acres and A Mule Filmworks. Seine Zusammenarbeit mit den besten afro-amerikanischen Schauspielern wie Samuel L. Jackson und Denzel Washington und seine Fähigkeit, Menschen direkt zu erreichen, führten dazu, dass Lee von der New York Times schon als schwarzes Genie betitelt wurde. „Es ist sehr wichtig, dass Filme den Leuten vorführen, was sie vergessen haben”, lautet ein berühmtes Zitat von ihm.

Seine kürzlich erschienene Netflix-Serie She’s Gotta Have It, basierend auf seinem gleichnamigen Film aus den 1980ern, folgt einer nicht-monogam lebenden Feministin auf der Suche nach Liebe – ohne ihre Unabhängigkeit verlieren zu wollen. Unkonventionelle Themen ziehen sich auch durch sein Musical School Daze, einem Film über Diskriminierung, und der von der Kritik gelobten Tragikomödie Do the Right Thing, die rassistische Spannungen gegen Afro-Amerikaner in New York City untersucht.

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

Natürlich dürfen wir seinen ikonischen Stil nicht außen vor lassen. Lee ist dafür bekannt, Baseball-Caps – vor allem von seinen geliebten New York Yankees -, Sportswear und Gucci-Blazer zu tragen. Und wer könnte seine starken Brillen vergessen? Lees Brillen sind immer laut und massiv, dabei erstreckt sich die Bandbreite seines Stils von in Orange eingefassten Gläsern des französischen Designers Jacques Durand bis zu Schildpatt-Gestellen von Cazal aus Deutschland.

In unserer Bildschirm-Kultur bringt er Geschichten über Menschenrechts- und Bürgerrechts-Aktivisten an ein Publikum, das sie sonst nicht in so einem glanzvollen Licht repräsentiert sieht. Lee ist ein Wegbereiter, der die Dinge auf seine Weise angeht. Dafür wird er respektiert; er ist experimentell, inspirierend und kreativ und bleibt so seinen Wurzeln treu. Wie die lebende Legende einst selbst sagte: „Als Autor ist es mir wichtig, dass jeder die Chance bekommt, seine Meinung zu äußern. Wenn jeder Charakter denkt, dass er die Wahrheit sagt, dann stimmt das. Am Ende des Films überlasse ich dem Publikum die Entscheidung darüber, wer das Richtige getan hat.”

Director Spike Lee 4SEE Magazine Interview MARC BAPTISTE

Bereit zum Durchstarten

Passend zu unserem Thema Geschwindigkeit werfen wir einen Blick auf die progressiven Disrupter und Innovatoren aus den Startup-Hauptstädten der Welt. Hier sind die Menschen hinter den großen Ideen, die die Zukunft verändern werden, die neue Lösungen für alte Probleme finden und uns dabei mit ihrem Unternehmergeist und ihrem Veränderungswillen inspirieren.

Interview JUSTIN ROSS
Fotografin CHARLOTTE KRAUSS

G BEAUDIN, ALEXANDER RENNIE & RICA(RDO) AMARAL, Craft Initiative Agency / bei CRAFT
Inklusion Gemeinschaft Empowerment | Menschen mit Marken vernetzen und Gemeinschaften kreieren

Firma: Craft Initiative Agency / bei CRAFT bar and space
Positionen: Gründer, CEO, COO, und CBO (Chief Brand Officer)
Alter: 32–49
Ort: Berlin
Gründungsjahr: 2017
Website: www.craftinitiative.agency / www.beicraft.berlin

„Fokus, Fokus, Fokus nur auf dein Kernkonzept und lasse dich nicht ablenken oder zu viel auf einmal machen; und lerne, mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen zu leben.” – G

Was sind Craft Initiative Agency und bei Craft?
Craft Initiative Agency ist eine spezialisierte Agentur für Sponsoring, die Marken und Menschen verbindet, die perfekt zueinander passen. bei Craft ist ein Ort, an dem wir unsere tollen Beziehungen zu diesen Marken zeigen und zu den passenden Communities vor Ort bringen können.

Was ist eure Mission?
G: Faire Vorrausetzungen zu schaffen für lokale oder große Marken, indem wir einen Marktplatz schaffen, auf dem Firmen Zugang zu kleinen Communities finden und diese wiederum Unterstützung von diesen Unternehmen erhalten können.
Rica: Die Bar ist entstanden, weil wir einen Ort brauchten, an dem unsere Arbeit in der Agentur in die echte Welt übertragen wird, an dem wir Gemeinschaften verbinden können und eine Plattform anbieten, bei der persönliche Grenzen respektiert werden.

Was ist an euren Firmen anders? 

G: Die meisten Agenturen, die mit Unternehmen zusammen arbeiten, konzentrieren sich auf eine oder zwei davon in einem spezifischen Sektor. Wir arbeiten mit vielen Marken und Bereichen ohne Exklusivabsprachen zusammen, damit wir mehr Einfluss nehmen können.

Was habt ihr von der Gründung eurer Firmen gelernt?
G: Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine Firma gründe, aber dieses Mal habe ich gelernt, dass alles anders läuft, wenn man eine einzigartige und neue Idee hat. Es ist zwanzig mal so intensiv und man muss immer auf Hochtouren laufen.
Alexander: Konzentriere dich auf deine Stärken, ohne dich in anderen Projekten zu verlieren.
Rica: Suche dir die Menschen, mit denen du ein Projekt machst, sorgfältig aus. Und sei dir selbst und deinen Werten immer treu.

Was war die bisher größte Herausforderung? 

G: Als Expat, der in Deutschland eine Firma gründet, macht man jeden Tag Fehler und muss schnell dazu lernen und sich anpassen und verstehen, dass man es nie ganz richtig machen wird.
Rica: Die größte Herausforderung ist es, den Status Quo zu verlassen, es ist wirklich schwer, die Mentalität der Leute zu verändern.

Wo findet ihr als Unternehmer Inspiration?

G: Für mich, bei meiner Mutter. Nach nur 6 Jahren Schule hat sie sich eine Kette aus Möbelläden, Restaurants und Geschäften aufgebaut. Mich inspirieren Erfolgsgeschichten.

Was bedeutet es, ein Start-Up zu sein?
Rica: Eine Idee zu testen, eine neue Vision, eine neue Art, etwas zu tun. Man ist ein Start-Up, weil man etwas lostritt, den Anfang von etwas Neuem.

Ist es wichtiger, zuerst da zu sein oder am schnellsten zu sein?


G: Beides! Es ist wie mit den Affen und dem Stein. Wenn auf einer Insel ein Affe ein Werkzeug aus einem Stein macht, dann hat auf einer anderen Insel ein anderer Affe garantiert zu selben Zeit die gleiche Idee. Wer dann der erfolgreiche Affe wird, hängt davon ab, wer schneller am Markt ist.
Alexander: Der Erste zu sein, ist gut, aber wenn man die Idee nicht schnell umsetzen kann, dann wächst mit jedem Tag das Potenzial für einen größeren Rivalen auf dem Markt.
Rica: Für mich ist es wichtiger, Bedeutung zu haben – nicht nur für die Zielgruppe, sondern die Gemeinschaften und für die Welt um uns.

Brillen
G SALT. MAX
Alexander COBLENS DREHZAHLMESSER
Rica RAY-BAN 3547N

Christian Hartung Eyewear by PRADA SPS55T seated

Bereit zum Durchstarten
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Interview JUSTIN ROSS
Fotografin CHARLOTTE KRAUSS

CHRISTIAN HARTUNG, VOJD
Mode Technologie Innovation | Luxusgüter aus dem 3D-Drucker, designt und produziert in Berlin

Firma: VOJD
Position: Co-Gründer und Geschäftsführer
Alter: 30
Ort: Berlin
Gründungsjahr: 2013
Website: Vojd

Christian Hartung, Eyewear by PRADA SPS55T
Christian Hartung, Eyewear by PRADA SPS55T

„Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.”

Christian Hartung
Christian Hartung

Was ist VOJD Studios?
VOJD Studios ist ein Berliner Designstudio, das 3D-Druck-Services für High-End-Kunden im Luxus- und Modebereich anbietet. Wir begleiten anspruchsvolle Kunden wie Alexander McQueen und Carolina Herrera den ganzen Prozess über, indem wir konzeptualisieren, designen und 3D-Drucke mit neuester Hardware und den Materialen der Zukunft herstellen.

Was ist deine Mission?
Die Technologie des 3D-Drucks mit einer Vision zu verbinden, in der ein Zusammenspiel zwischen Luxus und Fortschritt entsteht. VOJD kombiniert die neuesten technologischen Innovationen mit traditioneller Handwerkskunst, um unser Denken über Design neu zu definieren und eine neue Ästhetik in der Welt der Luxusmode zu etablieren.

Was ist an deiner Firma anders?
Im Moment sind wir das einzige High-End-3D-Druck-Unternehmen für Luxusmode weltweit.

Was hast du von der Gründung deiner Firma gelernt?
Eines der wichtigsten Dinge, die wir mit der Gründung einer Firma im Bereich der fortgeschrittenen Fertigungstechnologien gelernt haben, ist, dass physische Produkte deutlicher stärker reguliert werden als digitale. Deshalb dauert es, im Unterschied zum digitalen Bereich, viel länger, bis Herstellungstechnologien aufgegriffen werden.

Was war die bisher größte Herausforderung?
Eine unserer Herausforderungen liegt in den verschiedenen Qualitätsansprüchen der aktuellen Nutzer von 3D-Druck-Technologien. Die Lebensdauer eines Objekts hängt von verschiedenen Parametern wie Material, Geometrie, der Ausrichtung während der Verarbeitung, der Verarbeitung selbst und Nachbearbeitung ab. Für unsere Kunden ist Beständigkeit von kritischer Wichtigkeit, weshalb sie die Essenz in VOJDs Herstellungsprozessen ist. Unser Ziel ist es, dass unsere Produkte die Qualität und Stabilität von nicht 3D-gedruckten Waren erreichen oder übertreffen.

Wo findest du als Unternehmer Inspiration?
Einige Menschen, die wir während der Gründungsphase kennengelernt haben und deren Geschichten uns inspiriert haben, sind Natalie Massenet (Net-a-Porter), José Neves (Farfetch), David Fischer (Highsnobiety), Albert Kriemler (AKRIS) und Virgil Abloh (Off-White).

Was bedeutet es, ein Start-Up zu sein?
Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.

Ist es wichtiger, zuerst da zu sein oder am schnellsten zu sein?
Am besten beides.

Welchen Rat kannst du Menschen geben, die aus ihrer guten Ideen ein eigenes Business machen möchten?
Auch wenn alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird, hilft es, einen Businessplan zu erstellen und in dem Zuge mit Experten zu sprechen, die die eigene Idee bestärken können.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Wir forschen weiterhin und entwickeln sowohl neue Materialien und Entwürfe als auch Konfigurationen für ihre Verarbeitung und Nachbearbeitung. All unsere Aktivitäten konzentrieren sich auf höchste Qualitätsstandards und die Symbiose zwischen moderner Technologie und traditionellem Handwerk – eine Herangehensweise, von der wir glauben, dass sie die Anwendung von 3D-Drucken in Zukunft verändern wird.

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