4SEE Interview with Tom Wlaschiha, Photography by Bert Spangemacher, Eyewear by Blackfin

Tom Wlaschiha: Auf der Spitze des Erfolgs

Tom Wlaschiha hat in seiner fesselnden Schauspielkarriere für Bühne und Fernsehen zahlreiche Wahrheiten enthüllt, aber sein plötzlicher Aufstieg zum internationalen Star nach seiner Rolle in Game of Thrones hat seine pragmatische Lebenseinstellung nicht verändert. Als Minimalist findet er Freude in Schlichtheit und dem entspannten Lebenstempo in Berlin, seiner Wahlheimat seit fast zwanzig Jahren. Und obwohl er stetig mehr Fans um sich schart, ist er sich immer noch seines Glückes und seiner Chancen bewusst, die sich ihm auf seinem Weg eröffnet haben.

4SEE Interview with Tom Wlaschiha, Photography by Bert Spangemacher, Eyewear by Eyevan
Tom Wlaschiha by Bert Spangemacher
Glasses by EYEVAN 7285 215 9010
Jacket by George Patrick, Pullover by Forét

Der abenteuerlustige, dabei aber bescheidene Wlaschiha wuchs in der Nähe von Dresden auf, bis ihm der Mauerfall über Nacht neue persönliche Möglichkeiten eröffnete. Als er im kommunistischen Ostdeutschland aufwuchs, hatte er jedoch nicht unbedingt weltweiten Ruhm und Promistatus im Kopf. Aber Dank seiner Austauschaufenthalte als Teenager beherrscht er akzentfreies Englisch, das ihm eine Reihe von profilreichen Rollen in deutschen und internationalen Produktionen verschaffte.

In Erinnerung an eine gar nicht so lang vergangene Zeit sagt er: „Es war komplett anders als heutzutage. Wir hatten nur einen Fernsehsender, deswegen habe ich als Kind nie viel ferngesehen. Aus irgendeinem Grund dachte ich nur an die Bühne, als ich beschloss, Schauspieler zu werden, ich habe nicht an Fersehen oder Film gedacht.”

Das internationale Publikum lernte Tom in seiner mysteriösen Rolle des Jaqen H’ghar in Game of Thrones kennen und lieben. Dank seiner Rolle in dem globalen Megahit hat er eine Reihe von aufregenden neuen Rollen ergattert, die ihn in Europa und außerhalb wieder auf die Leinwand und den Bildschirm zurückkehren lassen. „Zuerst habe ich für das deutsche Fernsehen gearbeitet und die Rollen wurden immer größer. Mein erster großer Durchbruch kam mit Game of Thrones. Zumindest hat sich so ziemlich Alles verändert, seitdem ich die Rolle bekommen habe.”

4SEE Interview with Tom Wlaschiha, Photography by Bert Spangemacher, Eyewear by Eyevan
Game of Thrones Tom Wlaschiha by Bert Spangemacher
Sunglasses by EYEVAN Franz
Jacket by George Patrick, Pullover and Shoes by Scotch and Soda, Pants by George Patrick

Trotz seiner Horden von Fans und seinem Status als einer der aktuell meistgefragten deutschen Schauspieler hat sich Wlaschiha seine bescheidene Einstellung zu seinem Erfolg bewahrt. „Ich weiß nicht, was ‚Promi sein’ heißen soll, außer, dass man manchmal auf der Straße erkannt wird und man ein paar Sachen umsonst bekommt (was nett ist!). Ich bin mit meinem Karriereweg zufrieden. Ich habe am Theater angefangen und wurde nicht sofort erfolgreich. Ich bin für alle Chancen, die mir gegeben wurden, dankbar, aber ich weiß auch, dass Glück eine große Rolle spielt.”

Wlaschiha hat gerade erst den Dreh für seine Rolle in der zweiten Staffel von Das Boot beendet, in der er den Gestapo-Kriminalrat Hagen Forster in La Rochelle spielt. Sein beunruhigender und zweifelnder Charakter hat die Aufgabe, den Widerstand in einer kleinen, aber strategisch wichtigen französischen Stadt niederzuschlagen. Über die 40-Grad-Hitzewelle, unter der er leiden musste, sagt er: „Letzte Woche hatte ich noch meine komplette Winter-Uniform an. Ich habe gerade den Dreh in Prag für die zweite Staffel von Das Boot beendet. Winterkleidung im Sommer ist aber immer noch besser als Sommerkleidung im Winter, also beschwere ich mich nicht.”

Wir haben seine Theorie auf die Probe gestellt und Tom für ein Herbst/Winter-Shooting in unsere Studios in Berlin eingeladen. Zum Glück bescherte uns Berlin an dem Tag nichts anderes als ein stimmungsvoll bewölktes Wetter, passend zu den entspannten und eleganten Outfits für unser Editorial.

Diese passen auch gut zu seiner eigenen Einstellung zu Kleidung und Design im Allgemeinen: „Ich bin ziemlich minimalistisch. Ich mag klare Farben, gerade Linien. Die Dinge, mit denen man sich umgibt, sollten die eigene Persönlichkeit herausbringen, statt sie zu verdecken.”, sagt er über seinen persönlichen Stil und seine reduzierte Einrichtungsphilosophie für seine Berliner Wohnung.

4SEE Interview with Tom Wlaschiha, Photography by Bert Spangemacher, Eyewear by SALT
Sunglasses by SALT. + NORTH SAILS VMGLeather Jacket and Pants by George Patrick, Shirt by Helmut Lang via Gate, Shoes by Scotch and Soda

Und wenn es um Brillen geht, überrascht es niemanden, dass Tom Wlaschihas guter Geschmack und sein Auge für die schönen Dinge im Leben auch hier zum Vorschein kommen. Noch braucht er keine Lesebrille, aber über seine Sonnenbrillen des Sommers sagt er: „Ich habe ein paar Brillen. Einige meiner liebsten sind von Prada. Andere von Barton Perreira, die sind wirklich großartig.”

Wenn sein vollgepackter Zeitplan ihn nicht auf Reisen hält, genießt Wlaschiha die entspannte Athmosphäre in seinem Berliner Kiez, einer Nachbachschaft, deren Veränderung er über die letzten zwanzig Jahre selbst beobachten konnte. „Ich mag den Bezirk, in dem ich lebe, Kreuzberg, wirklich gerne, hier gibt es viel Wasser, viele Kanäle, viele kleine Cafés und generell eine tolle Atmosphäre. Ich genieße Berlin bei gutem Wetter wirklich sehr. Weil ich für meinen Job viel reise, genieße ich die Zeit, die ich in Berlin verbringen kann. Es ist ein toller Ort zum Leben.” Dem können wir nur zustimmen.

Tom Wlaschiha spielt Hagen Forster in Sky TVs Das Boot, einer der zur Zeit erfolgreichsten deutschen Fernsehserien, deren zweite Staffel im Herbst anläuft. Er debütiert in seiner Rolle als Max Schenkel in der Hitserie Jack Ryan auf Amazon Prime, deren zweite Staffel ebenfalls bald erscheint.

4SEE Interview with Tom Wlaschiha, Photography by Bert Spangemacher, Eyewear by Lindberg
Game of Thrones Tom Wlaschiha by Bert Spangemacher
Sunglasses by LINDBERG Air Titanium Rim 8205
Jacket Knitwear Cardigan by C.P. Company, T-Shirt by Forét, Ring by Jane Kønig

Interview JUSTIN ROSS
Fotograf BERT SPANGEMACHER
Modedirektion DEVON KAYLOR
Haare & Make-Up CATRIN VON PABRUTZKI
Stylistin JANA HOEFT
Stylingassistenz JESSICA BIASTOCH

4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher

Take a Walk on the Wild Side

Wir sind fasziniert von Menschen, Orten, Ideen und Produkten, die um die Ecke denken und unsere Fantasie wild werden lassen. Komplett individuell, einzigartig und manchmal sogar exzentrisch, dies sind die Menschen, die wir bewundern – weil sie keine Scheu vor Experimenten haben, Dinge neu erfinden, und auf Abenteuern herausfinden, dass wirklich große Inspiration Mut braucht, um zu Erfolg zu führen.

Windwärts oder leewärts, immer vorwärts: Profi-Segler Robert Stanjek

ROBERT STANJEK (38)
professioneller Segler
Berlin, Germany
www.stanjek-sailing.de
Instagram

„Es wird schwerer, je stärker der Druck ist. Da zeigt sich, wer wirklich ein Top-Athlet ist.”

4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher
ROBERT STANJEK
Professional Sailor
Photography by Bert Spangemacher

Konzentration, Intuition und Abenteuergeist sind drei vielleicht essentielle Eigenschaften für diejenigen, die Segelsport betreiben. Bei sich ständig änderndern Bedingungen hängt Wettbewerbserfolg von einer grimmigen Entschlossenheit, einem Spiel von Geschwindigkeit und Taktik, Navigation in Naturgewalten und grenzüberschreitenden Leistungen von Mensch und Boot ab. Für den in Deutschland noch wachsenden Sport ist der Stanjek Sailing Cup von Segelmeister Robert Stanjek ein regionales Highlight, bei dem jedes Jahr mehr als 130 Kinder und Jugendliche an zwei Tagen zum Berliner Müggelsee reisen. Robert zeigt 4SEE einen Einblick in seine aufregende Welt.

Beschreibe dich selbst in drei Worten.

Ausdauernd, optimistisch, zukunftsgewandt

An wie vielen Regatten hast du teilgenommen? Welche Regatta ist dir am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

Ich schätze an etwas über 1000. Weltmeister zu werden, war sehr besonders. Das ist ein Titel, den man sein ganzes Leben lang trägt, wie einen Doktortitel. Einmal jeden anderen Segler auf dem Planeten zu besiegen ist ein sehr befriedigendes Gefühl.

Wie bereitest du dich mental und körperlich auf eine Regatta vor?

Während Olympiaden arbeitete ich kontinuierlich mit einem Sportpsychologen zusammen. Um seine maximale Konzentrationsfähigkeit zu erreichen, muss man sich intellektuell komplett in die Gegenwart befördern können. Das wird schwerer, je stärker der Druck ist. Da zeigt sich, wer wirklich ein Top-Athlet ist.

Beim Offshore-Segeln geht es um lange Non-Stop-Strecken über Tage und Wochen. Der mentale Fokus ist etwas anders. Hier muss man darauf vorbereitet sein, Zeit, Belastungen und Unangenehmlichkeiten auszuhalten.

Und natürlich ist körperliches Training die absolute Basis für beide Disziplinen.

Bitte beschreibe deinen typischen Tagesablauf auf Deck während einer Regatta.

Ein Tag auf See während eines Rennens ist ganz simpel. Es geht nur darum, das Schiff die ganze Zeit auf maximaler Geschwindigkeit zu halten. Das ist üblicherweise sehr ermüdend und eine Aufgabe, die man nicht zu lange unterbrechen sollte, denn ansonsten verliert man Distanz. Im Ganzen schläft man sehr, sehr wenig und immer in kurzen Phasen – manchmal 15 Minuten, manchmal zwei Stunden. Nahrung ist sehr wichtig, um nicht auszubrennen.

Wie ist ein Rennen auf dem Ozean, wo man nichts als Wasser um sich herum sieht? Es gibt sicher Zeiten, in denen du nicht genug Schlaf bekommst, die ganze Zeit nass bist und viel Unangenehmes aushalten musst. Wie gehst du mit Druck oder Stress um?

Das hat viel mit Erfahrung zu tun. Meistens weiß man vorher, wo der Wettbewerb alles von einem verlangt und wo es wirklich schwer wird. Wir sprechen darüber und planen die Energieeinteilung.

Wenn man sich wirklich mal verausgabt, dann muss jemand aus dem Team helfen oder als Ersatz einspringen.

4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher
4SEE Profile Robert Stanjek, Photography by Bert Spangemacher

Warst du schonmal in Gefahr? Erzähle bitte von deinem wildesten Moment.

Wind und Wasser können ziemlich brutal sein. Draußen auf dem Ozean merkt man auf jeden Fall, wie klein man ist. Stürme mit hohen Wellen gepaart mit den Geschwindigkeiten moderner Boote sind sehr besonders. Das alles passiert nachts in kompletter Dunkelheit. Davor darf man nie den Respekt verlieren!

Ich denke, für jemanden, der nicht auf der Hochsee segelt, sieht das manchmal sehr, sehr riskant und suizidal aus. Ich erzähle zuhause nie sehr viel davon.

In letzter Zeit hast du dich auf weltbekannte Offshore-Rennen konzentriert, indem du ein deutsches Offshore-Team mit einem 60 Fuß langen Rennboot intiiert hast. Ist es schwer, Sponsoren zu finden?

Es ist fast 20 Jahre her, seitdem sich ein deutsches Team auf Transatlantic und Round The World-Rennen konzentriert hat. Eine globale Kampagne dieser Größe benötigt ein Budget von mehreren Millionen Euro. Es gibt deutsche Firmen, die erfolgreich und fortlaufend solche Projekte fördern, aber meist im Ausland. Ich bin optimistisch, weil wir ein sehr innovatives Produkt bieten: global, sauber, mit erneuerbaren Energien, High-Tech, intelligent, mit Team-Arbeit und Abenteuer… es ist ein faszinierender Sport mit großartigen Geschichten.

Du bist immer unterwegs und du hast ein neugeborenes Baby, Albrecht. Wie oft bist du im Jahr von Zuhause fort und wie schaffst du die Balance zwischen Arbeit und Leben?

Ich bin so ziemlich das halbe Jahr auf Reisen. Das ist viel schwerer geworden, seitdem ich Vater bin. Aber wenn man diszipliniert genug ist, um zuhause wertvolle Zeit zu bringen, dann ist man auch mit 50% der Tage ein guter Vater und Ehemann.

Sportsonnenbrillen – welche Marken trägst du, was magst du an ihnen, und welche Verbesserungen wünscht du dir? Hast du Interesse an Smart Glasses oder Augmented Reality? Wenn ja, was für KI-Brillen hättest du gerne und wie könnten sie dich unterstützen?

Meine Sonnenbrillen sind polarisiert. Das gibt mir mehr Kontraste im Himmel und auf Wasseroberflächen. Den Wind auf dem Wasser lesen zu können ist eine Kunst, die über Jahrzehnte erlernt wird. Es ist wie das Grün lesen beim Golfen. Dabei kann man nicht viel helfen. Und ich halte die Dinge gerne einfach.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Mein nächstes Ziel ist ein Rennen um die Welt, der längste und größte Offshore-Wettbewerb. Vielleicht mache ich davon zwei oder drei. Für dieses Kapitel brauche ich etwa acht bis zehn Jahre. Danach werde ich einen Gang runterschalten und mehr Zeit zuhause verbringen.

Take a Walk on the Wild Side

Wir sind fasziniert von Menschen, Orten, Ideen und Produkten, die um die Ecke denken und unsere Fantasie wild werden lassen. Komplett individuell, einzigartig und manchmal sogar exzentrisch, dies sind die Menschen, die wir bewundern – weil sie keine Scheu vor Experimenten haben, Dinge neu erfinden, und auf Abenteuern herausfinden, dass wirklich große Inspiration Mut braucht, um zu Erfolg zu führen.

Wild Rider: Steffi Marth

STEFFI MARTH (33)
professionelle Mountain-Bikerin
Dresden, Deutschland
Instagram @steffimarth

„Ich fahre wirklich den Traum. Ich entdeckte meine Leidenschaft für Fahrradrennen und seitdem ist die BMX-Strecke mein Paradies.”

4SEE Profile Steffi Marth
STEFFI MARTH
Professional Mountain Biker

Es waren die Geschwindigkeit und das Freiheitsgefühl, die Steffi Marth am BMX-Fahren begeistert haben. Seit ihrem ersten BMX-Rennen mit zwölf Jahren ist die professionelle Mountain-Bikerin Steffi Marth fünffache nationale BMX-Meisterin und 4X-Champion und Gewinnerin der Bronze-Medaille der 4X-Weltmeisterschaft 2014 und 2015 geworden. Sie ist naturbegeistert und gerade bringt Marths Leben das Beste aus beiden Welten zusammen, da sie sich statt Rennen mehr dem Erkunden, neuen Abenteuern und Freeriding zuwendet. Wohlbekannt aus zahlreichen Mountain Bike-Publikationen, zeigt sich Maths ehrgeizige Natur auch in ihrem Master of Science in Architektur und einem Abschluss in Public Relations.

Beschreibe dich selbst mit drei Worten.

Aktiv, aufgeschlossen, lebenslustig.

Wann war dein erstes BMX-Rennen? Hattest du Vorbilder, als du mit BMX angefangen hast?

Ich habe mit zwölf Jahren angefangen und es von Anfang an geliebt. Ich hatte damals nicht wirklich viele Vorbilder, aber jetzt sind es auf jeden Fall all die Frauen, die es in beiden Bereichen, BMX und MTB, geschafft haben, zum Beispiel Caroline Buchanan, Anne-Caroline Chausson…

Was hat dich dazu bewegt, einen wilden Sport wie Mountain Biking oder BMX auszuprobieren?

Als ich mit BMX angefangen habe, habe ich Handball gespielt. Ich war total begeistert davon und mochte die Spiele, in denen ich vollkonzentriert sein und auf dem Feld alles für mich und mein Team geben musste. Ich gebe gerne alles und liebe den Wettbewerb. Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Plessa 50km nördlich von Dresden, in Süd-Brandenburg. Wir hatten nicht viele Unternehmungsmöglichkeiten in unserem Dorf. Eines Tages beschloss der Bürgermeister, das Schwimmbad zu schließen, weil die Sanierung zu teuer war, und so schaute man nach Alternativangeboten anderen Freizeitangeboten für die Jugend. Wir bekamen eine BMX-Strecke und dann fuhren alle Kinder BMX. Ich entdeckte meine Leidenschaft dafür und für Fahrradrennen und seitdem ist die BMX-Strecke mein Paradies.

Wie ist es, eine weibliche Sportlerin in einer Extremsportart zu sein? Hast du das Gefühl, dass es mehr Gleichstellung bei Kooperationen, Berichterstattung und Sponsoring gibt?

Das ist eine schwere Frage … ich glaube, weibliche Sportlerinnen haben den Vorteil, immer noch rar gesät zu sein und deshalb gibt es viele Möglichkeiten für eine kleinere Gruppe von Leuten. Es ist relativ einfach, einen Sponsor zu finden, während es sehr viele Männer gibt, die nach Unterstützung suchen. Aber auf der anderen Seite haben wir Nachteile, was die Körperform und das Mindset angeht. Eine weibliche Mountain-Bikerin sieht einfach auf dem Rad anders aus als ein Mann und ich denke, das wird sich nicht ändern. Frauen fahren die gleichen Strecken wie Männer und bekommen manchmal das gleiche Preisgeld (zum Beispiel bei der Crankworx World Tour), aber trotzdem … bei männlichen Sportlern fließt viel mehr Geld beim Sponsoring.

Was ist dein liebstes Training um in Form, um fit zu bleiben?

Ich liebe Training … alles mögliche. Ich liebe, meine Räder zu fahren (auf der BMX-Strecke, im Wald, in den Bergen oder mein Rennrad). Aber davon abgesehen liebe ich auch Bodyweight Training wie mit der App Freeletics.

Warst du schonmal in Gefahr? Erzähle bitte von deinem wildesten Moment.

Ich denke, ich war schon oft in Gefahr, wenn ich richtig schmale Wege in hohen Höhen abfahre, aber ehrlich gesagt: Ich fühle mich nicht gefährdet. Wenn ich mich ängstlich oder unsicher fühlen sollte, werde ich nicht mehr fahren. Ich versuche immer in meiner Komfortzone zu sein. Meine wildesten Momente waren ganz sicher bei meiner Teilnahme am DH World Cup. Es gab einige Strecken, die mir echt Angst gemacht haben, und wir hatten nur ein paar Stunden zum Üben, deswegen musste ich bei meiner zweiten Runde schon riesige Sprünge und steile Abfahrten machen.

Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle, um sich selbst zu vermarkten. Wie siehst du soziale Medien, was ist deine Lieblingsplattform? Pro und Kontra? Was hältst du vom Begriff „Influencer”?

Soziale Medien sind wirklich Fluch und Segen zugleich. Sie geben uns Athleten viele Möglichkeiten, unseren Alltag zu teilen, Wettbewerbsvorbereitungen, Blicke hinter die Kulisse des Profisportlerlebens, zum Beispiel Rad-Abenteuer. Und sie geben auch den Fahrern, die nicht die besten Ergebnisse erzielen, die Gelegenheit, ihr Leben zu teilen und etwas Geld zu verdienen. Es geht dabei um so viel mehr als nur Platzierungen. Auf der anderen Seite mag ich den Begriff „Influencer” gar nicht, weil ich weiß, dass es Leute gibt, die nichts in diesem Sport erreicht haben und nur bezahlt werden, um „Produkte zu präsentieren”…. wir (Menschen) schauen einfach gerne Schönes (Sonnenuntergänge, Katzenbabys, schöne Menschen) an und das muss nicht immer eine tiefere Bedeutung haben.

Du hast einen Master in Architektur und du hast PR studiert. Interessante Kombination. Wie haben diese beiden Erfahrungen dein heutiges Ich geprägt?

Etwa zehn Jahre lang neben den Radrennen zu studieren war schwer, aber ich bin sehr froh, dass ich das abgeschlossen habe. Mit meinen beiden Abschlüssen bin ich immer bereit, meinen Karriereweg zu ändern, falls ich das möchte … Das Architekturstudium hat mir geholfen, besser in Grafikdesign zu werden, aber auch große Projekte zu planen und sie umzusetzen. Das PR-Studium war ganz offensichtlich super wichtig für meinen Job jetzt. Neben den Aktivitäten und dem Sport geht es viel um Kommunikation und Medienarbeit, deshalb ist das, was ich gelernt habe, sehr wichtig für meine heutige Arbeit.

Sportsonnenbrillen – welche Marken trägst du, was magst du an ihnen, und welche Verbesserungen wünscht du dir? Hast du Interesse an Smart Glasses oder Augmented Reality? Wenn ja, was für KI-Brillen hättest du gerne und wie könnten sie dich unterstützen?

Ich trage in jeder Situation RedBull Spect Eyewear-Brillen. Ich liebe meine Korrekturbrille zum Reisen und Arbeiten … und schlau aussehen natürlich. Zum Radfahren habe ich eine riesige Auswahl verschiedener Modelle von RedBull Spect Eyewear-Brillen. Ich liebe ihr komfortables Tragegefühl … ich merke nicht einmal, dass ich eine Sonnenbrille trage. Ein weiteres besonderes Feature ist ihr Doppel-Bügel-System, das die Brille an ihrem Platz hält, während man in Aktion ist. Polarisierte Gläser sind ebenfalls sehr hilfreich, wenn man die richtige Linie auf einer technischen Strecke finden muss. KI-Brillen,… puh, das ist ein neues Thema. Ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Aber was mir als Erstes einfällt, ist die Möglichkeit, sie beim Autofahren zu nutzen, zum Beispiel um die Augen auf der Straße zu behalten. Oder selbst beim Radfahren, um navigieren zu können.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich denke, in zehn Jahren werde ich noch immer in der Mountain Bike-Branche arbeiten wollen … ich bin mir nicht sicher, ob ich immer noch professionelle Fahrerin vor der Kamera oder im Hintergrund sein werde. Ich bin bereits in einige Projekte involviert und es ist so aufregend, darüber nachzudenken, was in zehn Jahren sein wird. Es ist die ganze Zeit über eine schöne Fahrt, das auf jeden Fall!

Take a Walk on the Wild Side

Wir sind fasziniert von Menschen, Orten, Ideen und Produkten, die um die Ecke denken und unsere Fantasie wild werden lassen. Komplett individuell, einzigartig und manchmal sogar exzentrisch, dies sind die Menschen, die wir bewundern – weil sie keine Scheu vor Experimenten haben, Dinge neu erfinden, und auf Abenteuern herausfinden, dass wirklich große Inspiration Mut braucht, um zu Erfolg zu führen.

Natürliche Essenz + New York-Feeling = MALIN + GOETZ

ANDREW GOETZ (57) / MATTHEW MALIN (51)
Gründer von MALIN + GOETZ
New York City, USA
2004 gegründet
www.malinandgoetz.com

„Die Haut ist das größte Organ, deswegen ist es wichtig, sie gut zu versorgen. Glücklicherweise macht Malin + Goetz es sehr leicht, natürliche und effektive Hautpflege in den eigenen Lebensstil zu integrieren.”

MATTHEW MALIN and ANDREW GOETZ, Co-Founder of MALIN + GOETZ
MATTHEW MALIN / ANDREW GOETZ
Co-Founder of MALIN + GOETZ

MALIN + GOETZ ist eine der herausragendsten Apotheken-Marken New Yorks. Bekannt für die einzigartige Cannabis-Kollektion und elegante, minimalistische Verpackungen bildet MALIN + GOETZ ein Beispiel für erfolgreiche Hautpflegeprodukte. Seit der Gründung 2004 durch die beiden Lebens- und dann Geschäftspartner Andrew Goetz und Matthew Malin hat sich MALIN + GOETZ als „unkomplizierter Luxus” mit schicken Geschäften und elegant einzigartigen Verpackungen und Designs etabliert.

Die Firma ist durch und durch New York und die Gründer sind ihrer Heimat und ihrer ursprünglichen Mission treu geblieben: simple, ausgewogene, hochwertige Hautpflege für den modernen Menschen zu erschwinglichen Preisen.

Wie gewohnt an der Spitze der Innovation wurde MALIN + GOETZ kürzlich neben anderen Luxusmarken wie Heretic und Foria in The High End von Barneys New York aufgenommen, der weltweit ersten Kaufhausabteilung für Lifestyle- und Wellnessprodukte mit Cannabis.

Beschreibt MALIN + GOETZ in drei Worten.
ANDREW: Malin und Goetz.
MATTHEW: Hautpflege leicht machen.

Cannabidiol, auch CBD genannt, und Hanf sind zweifellos ein schnell wachsender Trend, der erfolgreich Einzug in die heutige Beauty- und Wellnesswelt gehalten hat. Eure Cannabis-Kollektion kam schon vor fünf oder sechs Jahren auf den Markt und ist sehr beliebt geworden, obwohl echtes CBD oder Cannabis nicht verwendet werden. Was ist die Geschichte hinter dieser Kollektion? Gibt es Pläne, CBD als Wirkstoff in Zukunft zu verwenden?

ANDREW: Alle Produkte unserer Marke haben Wurzeln in historischen Apothekerschränken. Cannabis ist da keine Ausnahme, es war ein Standardprodukt in den Apotheken des 19. Jahrhunderts. Mir ist es wichtig, dass hinter jedem Duft auch eine Geschichte steckt. Für mich kommt die Geschichte von Cannabis nicht so sehr von der High (kein Wortspiel) School in den 1970ern, sondern aus meiner Zeit in Amsterdam in den 1980er Jahren. Der Geruch von Haschisch, der aus jedem Coffee Shop wabert, während ich durch die Stadt radele, ist in meine Erinnerung eingebrannt. Das waren berauschende (definitiv ein Wortspiel) und glückliche Zeiten. Cannabis in unsere Produktpalette einzuführen war ein Weg, dieses sehr wichtige Kapitel meines Lebens permanent festzuhalten. Wir benutzen kein CBD in unseren Duftlinien mit Cannabis, wir verwenden es aber in einigen anderen Produkten für seine Wirksamkeit. Unsere Cannabis-Düfte sollen an etwas erinnern – nicht unbedingt aber originalgetreu sein.

MATTHEW: Vor unserem Apothekenhintergrund haben wir Cannabis als Konzept in Düften als verspielte, spaßige Hommage an die medizischen Ursprünge verwendet. Zur Zeit untersuchen wir in der Produktentwicklung Cannabis für ein neues Gesichtsprodukt. Nicht verpassen!

Eure Produkte sind Unisex, sie sprechen auch Männer an. Welchen Anteil eurer Kunden bilden sie? Was ratet ihr Männern, die zu zögerlich (oder faul) sind, um grundlegende Hautpflege zu betreiben?

ANDREW: Je nach Markt spricht unsere Marke etwa 60% Frauen und 40% Männer an. Mein Rat an jeden, der sich sträubt – sagen wir zeitlich herausgefordert statt faul, ist, dass Hautpflege ein unglaublich wichtiger Teil der täglichen Routine ist. Sie ist so wichtig wie zweimal täglich Zahnseide benutzen und Zähneputzen. Die Haut ist das größte Organ, deswegen ist es wichtig, sie gut zu versorgen.

MATTHEW: Die „Schönheit” unserer Marke ist, dass sie darauf basiert, Hautpflege leicht zu machen. Wir empfehlen ein tägliches Ritual aus zwei Schritten – einer guten Reinigung und einer Creme. Ganz einfach.

Ihr entwickelt eigene Formulierungen und stellt eure Produkte in New York her. Mit Matthews Erfahrung (Einkäufer für Kosmetik bei Barneys, Global Manager bei Kiehl’s, Prada Beauty, Helmut Lang Parfum) hättet ihr euch an einem Ort wie Paris, der mehr für Luxuskosmetik bekannt ist, niederlassen können. Warum New York?

ANDREW: Erstens kommen wir aus New York – New York ist Teil unserer Marke, unserer DNA. Paris beheimatet zwar einen großen Anteil der Luxuskosmetik, aber New York auch! Der Standort erlaubt uns, eng mit unseren Laboren zusammenzuarbeiten, um die bestmöglichen Produkte herzustellen. Es ist schwer, ein Labor auf der anderen Seite des Globus regelmäßig zu besuchen. Das ist auch nicht gut für die Umwelt. Alles in New York zu sammeln versichert die höchste Qualität und den niedrigsten CO2-Fußabdruck.

MATTHEW: Für Europa ist Paris zweifellos die Beauty-Hauptstadt. Für die USA und andere Teile der Welt ist New York die Beauty-Zentrale (Estée Lauder, Revlon, Avon, L’Oreal und Chanel haben hier alle riesige Büros). Und es ist unser Zuhause. Die Großstadt New York bietet herausragende Möglichkeiten und Ressourcen, um lokal, hochwertig und mit geringem CO2-Ausstoß, geringen Kosten, und so weiter zu produzieren. Genauso wichtig ist, dass keine Stadt internationaler oder vielfältiger als New York ist.

Eure Verpackungen sind das Merkmal eurer weltweit sofort erkennbaren Marke geworden. Wie seid ihr auf das Design gekommen? Andrew, deine Arbeit bei Vitra hat die Verpackungen eurer Produkte und das Design eures Flagship-Stores stark beeinflusst. Wer ist dein Lieblings-Architekt oder -Designer?

ANDREW: Danke. Die Verpackungen wurden von alten Apothekergläsern aus dem 19. Jahrhundert inspiriert, die wir über die Jahre angesammelt haben. Wir mochten, wie geradlinig und schön sie sind. Als es Zeit war, die Verpackungen zu entwerfen, haben wir diese Gläser unseren Grafikdesigern, 2X4 (ebenfalls aus New York), gezeigt und um eine moderne Interpretation davon gebeten. Sie entwickelten dann die Idee, Malin und Goetz zu einer Art „Formel” zu machen – (MALIN+GOETZ) – und eine grafische Textur mit Farbverlauf auf den Flaschen zu kreieren.

Einen liebsten Architekten kann ich unmöglich benennen, denn ich liebe historische und zeitgenössische Architektur gleichermaßen. Bei Designern … wenn ich nur eine Person nennen kann, die für mich persönlich unsere Marke am stärksten beeinflusst hat, dann ist das der Industriedesigner Dieter Rams. Sein charakteristischer Zugang zu Minimalismus fasziniert mich jedes Mal.

MATTHEW: Andrew hat das besser gesagt, als ich es könnte…

Wild Thing – Ihr habt eine wilde Reise hinter euch. Was waren die wildesten Erlebnisse, die ihr hattet?

ANDREW: Du sagst es! Es gibt so viele wunderbare Dinge, die wir erlebt, gelernt und kennengelernt haben, dass diese eher ein Buch als ein Interview füllen würden.

MATTHEW: Produktion ist einer der komplizierten Teile dessen, was wir tun. Sie ist teils Wissenschaft und teils Kunst – ähnlich wie Kochen – und jede Charge ist wie ein Neuanfang. Sie braucht Detailverliebtheit und tägliche Aufsicht. Andere Kulturen verstehen zu lernen, während wir international expandieren, hat sich auch als herausfordernd erwiesen. Wir machen in den USA anders Geschäfte als in Großbritannien – und wir sprechen die selbe Sprache! Und jetzt expandieren wir nach Hong Kong und Deutschland, wir lernen also eine Menge. Aber das sorgt auch für Interessantes.

Was können wir als Unternehmen und als Konsumenten tun, um eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen?

ANDREW: Wir arbeiten beide persönlich und professionell daran, eine nachhaltigere Zukunft zu ermöglichen. Wir tun unser Bestes, um unnötiges Verpackungsmaterial zu minimieren. Wir produzieren alles lokal, um unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Alle unsere Verpackungen sind recycelbar. Gerade testen wir, ob wir wiederverwendetes Plastik in unseren Verpackungen nutzen können, genauso wie Plastik, das aus Zuckerrohr gewonnen wird. Was Konsumenten angeht, glaube ich, dass sie sich besser informieren müssen. Schlußendlich müssen wir sehr viel bedächtiger sein, was wir konsumieren, weniger konsumieren und so viel wie möglich recyclen und wiederverwenden.

MATTHEW: Andrew hat eine umfassende Antwort gegeben.

Ihr beide seid sowohl Lebens- als auch Geschäftspartner. Wie schafft ihr eine Work-Life-Balance?

ANDREW: Gute Frage. Es gibt keine kurze Antwort. Wie es uns gelungen ist, hat sich zu verschiedenen Zeiten des Unternehmens anders gezeigt. Als es wirklich nur Malin und Goetz in der Firma gab, haben wir alles gemeinsam gemacht. Nachdem das Unternehmen gewachen ist, haben wir unsere Rollen aufgeteilt, damit wir uns nicht auf die Füße treten. Zum Glück haben wir sehr utnerschiedliche Fähigkeiten – es war eine ganz natürliche Entwicklung.
Am wichtigsten ist, dass wir uns sehr bemühen, beim Abendessen nicht über die Arbeit zu sprechen. Wenn der Tag vorbei ist, dann ist er vorbei. Ein oder zwei Gläser Wein zum Feierabend sind auch sehr hilfreich. Und wir sind schließlich in New York, deswegen hilft mir auch mein Therapeut – um mein Gehirn frisch zu halten.

MATTHEW: Trennung hilft. Nachdem wir viele Jahre lang eng beieinander in einem Großraumbüro gearbeitet haben, haben wir nun getrennte Büros. Andrew arbeitet gerne spät und ich bevorzuge traditionelle Büro-Arbeitszeiten. Wir sind auch in verschiedenen Dingen talentiert. Zum Beispiel kümmert sich Andrew um unsere Produkte für Hotels und ich manage unsere Produktentwicklung.

Welche Brillen tragt ihr im Alltag? Habt ihr eine Lieblingsmarke und wenn ja, warum diese?

ANDREW: Es gab eine Zeit, in der ich keine Brille getragen habe, aber das ist schon lange her. Ich habe ab und zu Brillen von Paul Smith for Oliver Peoples getragen, aber gerade trage ich einen New Yorker Klassiker von Moscot.

MATTHEW: Ich habe zwar einige Brillen, aber meistens trage ich Kontaktlinsen.

Genau wie ihr sind auch wir Hundefans (bei uns gibt es einen Husky und Shiba Inu). Bringt ihr euren Hund mit ins Büro? (Wir schon.)

ANDREW: Mr. Greenberg begleitet uns nicht nur jeden Tag ins Büro, sondern auch auf Geschäftsreisen. Er kennt den Weg an die Westküste gut – er ist offiziell ein Therapiehund, also sitzt er die ganze Reise über auf meinem Schoß – wir würden ihn nie in den Frachtraum geben.
Wenn er nicht gerade auf meinem Schoß durch die Welt jettet oder im Büro herummopst, dann kommt er mit uns aufs Land zu unserem Farmhaus im Hudson Valley – wo er liebend gerne gärtnert … oder genauer gesagt, Tomaten vom Strauch isst. Nicht schlecht für einen Tierheim-Hund aus Vermont.

MATTHEW: Ja, ohne unseren großartigen Mops Mr. Greenberg wäre es kein Büro! Manchmal bringt unsere Finanzdirektorin Anna ihren Goldendoodle Donuts mit und unser Director of Stores Stephanie ihren Chihuahua Ozzie. Das sorgt für gute Laune.

Natasha Lyonne über ihre wilde Vergangenheit und strahlende Zukunft
Die New Yorker Schauspielerin über ihre Netflix-Serie, Superhelden und Sonnenbrillen

Interview & Foto von NADJA SAYEJ
Übersetzung MAIKE ORLIKOWSKI

Russian Doll ist eine dunkle Komödie im Serienformat auf Netflix, die süchtig macht. Die New Yorker Schauspielerin Natasha Lyonne spielt die Hauptrolle, in der sie wieder und wieder stirbt und ihre 36. Geburtstagsparty neu erlebt. Dieser bizarre Kreislauf führt Lyonnes Figur Nadia, die kein Blatt vor den Mund nimmt, zu einigen persönlichen Erkenntnissen, von ihren unverbindlichen Affären über ihre Familienbeziehungen bis zur Konfrontration mit ihren Abhängigkeiten. Nach dem Fotoshooting im Girls Club Spring Fling in New York City trafen wir den Star zum Gespräch über Stil, Sonnenbrillen und ihre Liebe zur Komödie der 1970er Jahre.

Was löst die positive Rezeption deiner neuen Netflix-Serie Russian Doll bei dir aus?
Natasha Lyonne: Ich bin berührt und begeistert davon, wie sie aufgenommen wird. Ich habe so lange so hart an ihr gearbeitet. Sie ist sehr persönlich. Ich liebe, dass die Leute so auf den Charakter reagieren, es ist ziemlich witzig. Sie basiert auf Eliott Goulds Darstellung von Philip Marlowe in Robert Altmans Der Tod kennt keine Wiederkehr. Das weibliche Gegenstück, das ich dazu finden konnte, war vielleicht Diane Lane in Ladies and Gentlemen, The Fabulous Stains. Mir hat schon immer die Frage gefallen: „Was ist Gender überhaupt?”, und auch „Warum sollte es meine Aufgabe sein, das für euch herauszufinden?” Aber meine Serienfigur kann auch auf eigene Faust jemanden abschleppen.

Dafür muss sie nicht einmal ihre Sonnenbrille abnehmen!
Sie macht ihr Ding, und so ist es halt.

Wie ist die Netflix-Serie entstanden?
Amy Poehler und ich haben eine auf meinem Leben basierende Serie namens Old Soul für NBC entwickelt. Als sie dann nicht produziert wurde, dachte ich über das Konzept einer immer wieder neu erlebbaren Party nach, bei der man jedes Mal eine andere Person mit nach Hause nimmt. Verstehst du? Sie mit nach Hause nehmen für die Nacht. Ich würde mich danach immer noch irgendwie leer fühlen. Ich käme immer noch nicht aus meiner Haut heraus. Diese Vorstellung, dass wir angesichts grenzenloser Auswahl verhungern, aber in unseren gebrochenen Egos gefangen sind, bis wir halbwegs herausfinden, was ein sinnvolles Leben bedeutet. Was bedeutet das alles?

Dein Charakter, Nadia, ist eine bindungsscheue Junggesellin, die Drogen nimmt, wild feiert und eine Anti-Haltung hat. Können sich Frauen heute so auf der Leinwand verhalten?
Es fühlt sich so an, als müssten Frauen immer aktiv etwas verbessern wollen oder nach dem einen Typen suchen, aber selten suchen sie nach ihrer eigenen Seele. Dieser Luxus bleibt im Film meist heterosexuellen weißen Männern vorbehalten. Sehr Jack Nicholson in Five Easy Pieces. Meiner Erfahrung nach bekommen wir als Frauen selten die Gelegenheit, so etwas auszuprobieren, aber universell gesprochen müssen wir alle mit uns selbst vorlieb nehmen.

Warum trägst du in der Serie immer Anzug und Sonnenbrille?
Es ist wichtig, eine Uniform zu haben. Nadias Stil ist die perfekte Kombination aus Marisa Tomei und Joe Pescis Rolle in Mein Vetter Winnie. Er ist meiner Meinung nach eine Mischung aus weiblichen und männlichen Looks. Ein geschlechtsloser Charakter, den ich als zutiefst weiblich und gleichzeitig zutiefst menschlich empfinde. Es geht bei ihr mehr um existenzielle Fragen und weniger um das Bedürfnis, sich niederzulassen. Die Suche nach „dem Richtigen” ist eine irrige Vorstellung, die die Gesellschaft aufgebaut hat.

Gibt es irgendwelche direkten Verbindungen zwischen deinem persönlichen Leben und deiner Rolle?
Die Serie ist stark autobiographisch. Sie ist auch stark fiktionalisiert. Das ist fast eine Superhelden-Version von mir, eine Person, die ich gerne wäre. Die Person, die mein Charakter am Ende der Serie ist, ähnelt meiner Persönlichkeit heute. Meine Rolle am Anfang der Serie ist meinem Selbst von vor 15 Jahren näher.

Was meinst du damit?
Es ist wie Richard Pryors autobiographischer Film Jo Jo Dancer – Dein Leben ruft. Dort geht es um seine Selbstanzündung nach seinem Freebase-Konsum, als er in einem Krankenhausbett sein Leben Revue passieren lässt. Es geht darum, dem Ende nahe zu sein und sich zu fragen: „Wenn ich noch eine Chance hätte, was würde ich anders machen?” Aber auch: „Was sind die Dinge, die mich überhaupt hier hin geführt haben?”

Was ist die Kernaussage der Serie?
Dass wir alle unser Bestes geben. Ich lese gerade Michelle Obamas Memoiren, in denen sie ihr Gefühl beschreibt, „nicht genug” zu sein. Es ist leicht, jemanden von außen zu betrachten und zu sagen: „Michelle Obama, du bist die ultimative Version von ‚genug’.” In der Realität ist es, wie wir wissen, ein universelles Gefühl. Es ist okay, sich gegenseitig zu unterstützen, statt sich in Fetzen zu reißen. Das ist der Kern von Russian Doll.

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