Die neuen Vorreiter – Artist Profile: Winston Chmielinski

Interview JUSTIN ROSS

4SEE stellt junge Künstler der internationalen Szene vor, deren Arbeit vor allem ihr energetisches Talent und ihren schier grenzenlosen Ideenreichtum widerspiegelt. Besonderer Respekt gebührt aber ihrem ungeheuren Durchhaltevermögen angesichts der manchmal übermächtig erscheinenden Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg. Mit uns teilen sie ihre Probleme, lassen uns an ihrer Gefühllage teilhaben und erzählen von ihren Zukunftsplänen. Ihre Genialität und ihre aufrichtige Leidenschaft für ihre Kunst lassen uns auch ein zweites und drittes Mal die Werke dieser neuen Schwergewichte der kulturellen Epizentren, Berlin und New York, betrachten.

Name Winston Chmielinski
Alter 29
Nationalität US-amerikanisch
Techniken Mixed Media
lebt und arbeitet in Berlin
mehr unter www.wi-ch.com

American artist Winston Chmielinski in Berlin, wearing COBLENS eyewear, photographed by 4SEE
Winston Chmielinski in Berlin, wearing COBLENS SONNENBLENDE
Photography by CHARLOTTE KRAUSS

War dir schon immer klar, dass du ein Künstler bist?

Wenn meine Haarfärbeexperimente mit Beeren im Kindergarten zählen, dann ja. Ich habe mich schon immer mit sozialen Konventionen und analytischen Aufgaben schwer getan. Klischee-Eigenschaften, aber die meisten Vollzeitkünstler, die ich kenne, haben sich mit dem Menschsein ziemlich schwer getan.

Empfindest du die Kunstwelt eher als rücksichtslos und umkämpft oder als gemeinschaftlich und voller Unterstützung? Oder gibt es für dich Abstufungen zwischen diesen beiden Extremen?

Mich fasziniert die Kunstwelt, so wie mich jede überlebensgroße Kraft interessiert, die so viele klar denkende Menschen auf einmal in ihren Bann ziehen kann. Aber ich suche in der Kunstwelt nicht nach Sinn oder Wert, wenn es um Kunst geht – oder um Menschen. Stattdessen habe ich meine Intuition geschärft.

Winston Chmielinski, "Bodies of Water"
Winston Chmielinski, “Bodies of Water”

Was ist deiner Meinung nach dein bisher größter Erfolg?

Ich bin mit dem Alter optimistischer geworden.

Muss Kunst immer bedeutungsvoll sein? Gibt es Raum für ästhetische Spielereien oder denkst du das Politische immer mit?

Ganz ehrlich, Politik fühlt sich wie die größte Zügellosigkeit überhaupt an. Kunst, die der Politik immer auf den Fersen ist, gibt mir nichts, außer sie wird so gemacht oder ausgestellt, dass ein echtes Risiko entsteht. Dann kann sie eine Bewegung entfachen. Letztendlich ist es das, was Kunst Bedeutung verleiht, und solche Kunst ist selten. Sie aktiviert etwas tief in uns, das uns zu Veränderung und Wachstum inspiriert. Das ist nicht mit einem Dopamin-Rausch zu verwechseln.

Wenn nicht Politik, was ist dann deine größte Inspirationsquelle?

Diese Momente, in denen ich merke, dass alles ein Rätsel bleibt.

Winston Chmielinski, "Relearning How to Grow"
Winston Chmielinski, “Relearning How to Grow”

Wie ist es, in Berlin zu arbeiten und zu leben?

Hier kann ich mein merkwürdiges, wahres Ich rauslassen.

Woran arbeitest du und wo kann man deine Arbeiten das nächste Mal sehen?

Seit Januar 2016 arbeite ich durchgehend, also freue ich mich sehr darauf, meine erste Pause in anderthalb Jahren zu haben. Ich kann mich sammeln, neu organisieren und recherchieren. Davon abgesehen gibt es zu meiner Arbeit, die ich in Venedig gezeigt habe, einen zweiten klangbasierten Teil, der in Kooperation entsteht. Ich kann kaum abwarten, daran zu arbeiten!

Wo siehst du dich und deine Kunst in zehn Jahren?

Mit einer etwas ausgefeilteren bucket list von der ich dann bereits mehr erledigt haben werde. Bisher habe ich nichts außer einem Handstand abhaken können.