Fotos: MACIEJ KUCIA @ avgvst international
Illustration: PRZEMEK SOBOCKI @ avgvst international
Fashion Director: KEITH S. WASHINGTON
Makeup: YOSHI-T @ Mondo-Artisit.com

ZEITREISE
Sinnesfreuden von Tokio Transplant Przemek.

Interview Marcus Spainer

Przemek Sobocki ist ein Illustrator und Art Direktor mit einem Master in Fine Arts von der Wroclaw-Universität in Polen. Zum Auftakt seiner Karriere zog er nach London, wo er 2004 seine erste Arbeit im 125 Magazine publizierte. Darauf folgte eine Ausstellung in der Speak For Gallery in Tokio. Przemek verfügt über eine unglaublich breite stilistische Palette: von milden Pastelltönen für das Bodendesign des Isetan Department Stores in Shinjuku zu den strengen, nüchternen, dennoch einladenden roten und schwarzen Karomustern seiner aktuellen Zusammenarbeit mit Alain Mikli in Tokio. 4SEE zeigt Przemeks Arbeit sowohl in der erster Printausgabe des Magazins als auch in der Onlineausgabe. Wir konnten Przemek zwischen der Geschäftigkeit seiner Projekte einige Fragen stellen.

Wann und wo hast Du Deine Karriere als Illustrator begonnen? Hast Du einen Mentor?

Ich komme aus dem Bereich Interior- und Modedesign, aber offiziell hat 2004 meine Illustrationskarriere mit meiner ersten professionellen Illustration „The TOUCH“, einer fünfteiligen Serie, begonnen. Das war auch meine erste veröffentlichte Arbeit und mein erster Award – der V&A Illustration Award für das beste Editorial.

Viele Deiner Arbeiten haben die Qualität einer traumgleichen Leichtigkeit. Was inspiriert Dich dazu, diese Themen zu verfolgen?

Meistens werde ich vom Kino und von Büchern inspiriert. Und ich mag die Realität mit einem Dreh – sozusagen eine magische Realität – ich glaube, dass unser Leben nicht nur daraus besteht, was wir sehen, hören, schmecken oder fühlen, et cetera., sondern dass es auch um die Wirklichkeit dazwischen geht. Ich bin sehr an diesem Teil des Lebens interessiert und daran, darüber Geschichten zu erzählen; ein Gefühl von Spannung zu erzeugen.

An was arbeitest Du gerade?

Ich habe eine kleine Ausstellung und Installation in Zusammenarbeit mit Vermeerist Beams in Tokio gemacht. Außerdem ist aktuell noch ein Projekt von mir in einem Kaufhaus in Taipeh zusehen. Zudem habe ich noch einige Verpackungsgestaltungen und private Aufträge auf dem Tisch liegen.

Was hat Dich von Polen nach Japan gebracht?

Der Zufall. Ich habe in London gelebt und wollte unbedingt eine Veränderung. Dann hatte ich meine große Ausstellung in Tokio und der Rest hat sich einfach so ergeben.

Hat die japanische Kultur Deine Arbeit beeinflusst seitdem Du hier lebst?

In einigen Aspekten sicher schon – man entwickelt und verändert sich laufend und die Umgebung und Menschen, die Dich umgeben, haben mit Sicherheit einen Einfluss darauf. Aber ich denke darüber nicht viel nach. Tatsächlich habe ich erst vor Kurzem realisiert, dass ich, seit ich hier wohne, mehr Inspiration aus meinen Wurzeln, aus Polen und der europäischen Kultur, ziehe.

Welche Rolle spielt ein Illustrator in der Welt der Mode?

Illustratoren können Sachen auf eine andere Art und Weise zeigen. Sie sind nicht an physische Limitationen gebunden, wie ein Fotograf beispielsweise an die Models gebunden ist. Ein Illustrator jedoch kann die Regeln brechen und das Konzept hinter der Mode erforschen.

Wann weißt Du, wann eine Arbeit fertig ist?

Wenn Du Dich ganz fühlst. Wenn die Komposition, die Farbe und die Message perfekt miteinander harmonieren. Oder wenn es eine Deadline gibt und man die Sachen einfach losschicken muss. Manchmal kann man sonst ewig weiterarbeiten.

Erzähl mir von Deinem aktuellen Projekt mit Alain Mikli in Japan.

Für mich war es eine Chance, wieder zu meinen Wurzeln im Interior-Design zurückzukehren. Es war großartig, für die Marke zu recherchieren und das Projekt zu konzipieren. Heraus kam eine moderne Repräsentation dessen, was die Marke ausmacht. Für mich ist alles wichtig, vom Findungsprozess bis zum Endprodukt. Auch die endgültige Form der Präsentation ist sehr wichtig. Ich habe das karierte Muster in Schwarz und Korallrot, das auf den ikonischen Mustern und Gläsern von Mikli basiert, entworfen. Und es als Thema durch die Gestaltung der gesamten Boutique gezogen – aufgelockert durch optische Effekte, die an Vergrößerungsgläser oder Regentropfen erinnern.

Wie kamst Du auf das schwarz-rot karierte Thema?

Wie ich gerade erwähnt habe, war das eine direkte Referenz zu Alain Miklis Farben. In der Tat haben wir die exakten CMYK-Farben benutzt, die auch für die visuelle Identität der Marke genutzt werden, wie beispielsweise im Markenlogo.

Hast Du eine Lieblingsbrille?

Meine eigenen Alain Mikli-Gestelle, die im Rahmen unserer Kollaboration entstanden sind – eine Limited-Edition, die ausschließlich für Minami Aoyama- und Marunouchi-Boutiquen in Tokio bestimmt sind. Ich liebe aber auch Prada-Brillen.

Von welcher Stadt lässt Du Dich am liebsten inspirieren?

Hmm… ich denke von Hong-Kong und Paris.

Przemek_Sobocki