ØRGREEN LANCIERT NEUE KOLLEKTION UND FEIERT ZWANZIG JAHRE EYEWEAR-INNOVATIONEN

Interview JUSTIN ROSS

Was Ørgreen so einzigartig macht, sind die endlosen Stunden in der Forschung und Entwicklung, die in jeden einzelnen Rahmen fließen, mit unzähligen Prototypen und verschiedenen Versionen, die gründlich geprüft und getestet werden, bevor auch nur daran gedacht wird, sie in Produktion zu geben. Sein 20-jähriges Bestehen feiert Ørgreen dieses Jahr gebührend mit einer ganzen Palette an neuen Projekten: eine komplett neue Kampagne, eine neue Homepage, eine neue Verpackung für alle Korrektur- und Sonnenbrillen aus Titan und obendrauf noch eine neue Kollektion namens Quantum, die diesen Herbst mit einem innovativen Scharnier den Markt auf den Kopf stellen wird.

4SEE traf sich mit Henrik Ørgreen, einem der Gründer der beliebten und von der Kritik gefeierten dänischen Marke, um, zwanzig Jahre nach ihrer Gründung, über die nach ihm benannte Firma, ihre Vergangenheit und ihre aufregende Zukunft zu sprechen.

4SEE: Was hat dich zur Gründung Ørgreens inspiriert und welche Prinzipien lagen der Marke damals vor 20 Jahren zu Grunde?

Henrik: Ich denke, jeder kennt diesen Traum von der eigenen Marke. Es ist wichtig zu wissen, dass wir ein Team waren. Ich hatte zwei Partner, die beide Gründungsmitglieder waren: Tobias Wandrup, damals wie heute Chefdesigner, und Gregers Fastrup, der den Verkauf leitet. Also, es war auch der Traum von uns Dreien, ein gemeinsames Projekt zu machen, der uns inspirierte, unser eigenes Ding zu machen.

Ich glaube, was uns zur Gründung Ørgreens bewegte, war, dass wir das Gefühl hatten, etwas Anderes zu bieten, als wir auf dem Markt sahen. Wir hatten das Gefühl, dass die Zeit für unser eigenes Label reif war, dass wir jetzt die Entscheidungen treffen würden. Das heißt auch, dass man selbst schuld ist, wenn man eine falsche Entscheidung fällt, aber wir fühlten uns dieser Herausforderung gewachsen. Wir versuchten auch, vor allem am Anfang, die Grenzen des Möglichen zu verschieben. Zu Beginn waren wir vielleicht etwas extremer – das war so unser Stil damals – aber in allen Modellen erkennt man unser Auge für Details und Design, egal wie ausgefallen unser Geschmack war.

4SEE: Wer sind deine Designhelden? Fühlst du dich der Tradition des makellosen dänischen Designs verbunden?

Henrik: Witzig, dass du das fragst. Normalerweise würde ich jetzt einige Modedesigner nennen, aber eigentlich möchte ich lieber über Architekten und Möbeldesigner sprechen. Wenn man mich nach meinen Designvorbildern fragt, dann kommen die zweifellos aus Architektur und Möbeldesign. Es gibt diesen sehr berühmten Designer namens Poul Kjaerholm. Poul Kjaerholm war, meiner Meinung nach, einer der besten Architekten und Möbeldesigner unserer Zeit. Er war ein Däne, und er reiht sich genau in die Tradition ein, die du angesprochen hast. Er hat die richtigen Entscheidungen getroffen, was Material, Design und Linien angeht, aber er brachte immer etwas Verblüffendes und Avantgardistisches mit ein.

Die dänische Design-DNA verbindet Geradlinigkeit mit einem starken Standpunkt. Es geht darum, mit Material zu spielen. Es geht darum, neue Wege zu gehen, aber nicht nur absolut verrückte neue Wege zu finden, sondern sie cool und tragbar zu machen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einem Gebäude, einem Hocker und einer Brille, die man sich auf die Nase setzt. Der exzentrische Hocker bleibt in deinem Haus, ohne dass du ihn jeden Tag mit dir rumträgst. Bei Brillen ist das schwieriger, die Designs sollen nicht nur spannend oder einzigartig sein, sie sollen auch gut aussehen und den Trägern, meiner Meinung nach, ein kleines bisschen Haltung verleihen.

Wir stehen absolut in der dänischen Designtradition und wir sind stolz darauf – auf unsere eigene Version davon.

4SEE: Zwanzig Jahre sind wirklich ein großer Meilenstein. Wie fühlt sich Ørgreen nach zwanzig Jahren für dich an?

Henrik: Ich bin unglaublich stolz. Es war großartig, dass wir vor zwanzig Jahren in der Lage waren, mit Ørgreen loszulegen. Wir sind immer noch drei Geschäftspartner in der Firma. Wir sind immer noch sehr glücklich und sehr stolz. Heute sind wir ein Unternehmen, das viele Menschen rund um den Globus beschäftigt, und wir sind uns unserer Verantwortung diesen Menschen und unseren Kunden gegenüber bewusst. Wenn wir etwas auf den Markt bringen und unser Name darauf steht, dann muss das eine Garantie für höchste Qualität sein und zu uns passen. Wir sind erwachsen geworden, aber immer noch 100% unserer eigenen Vision treu.

Das gehört alles dazu, wenn man professionell sein will – mehr zuhören, darauf achten, dass Funktion und Ergonomie eine große Rolle spielen. Das Gestell muss richtig sitzen, die Gläser müssen eingepasst werden, man braucht genug Halt, die Länge der Bügel, es gibt all diese kleinen Details, die man beachten muss. Erwachsen werden heißt, professioneller zu werden. Es fühlt sich großartig an, nach zwanzig Jahren ein fester Teil der Industrie zu sein. Ich würde sagen, Details, Design, Balance, Qualität und Verarbeitung, darauf sind wir nach zwanzig Jahren stolz.

4SEE: Welche Neuheiten gibt es bei Ørgreen? Bald erscheint eine neue, technologisch ausgereifte Kollektion, die Quantum Collection?

Henrik: Innerhalb der letzten fünf oder sechs Jahre haben wir intern viele neue Kollektionen entwickelt, sie aber nie auf den Markt gebracht. Wir haben immer wieder und wieder und wieder experimentiert. Wenn ich alles aus der Designabteilung zusammenzähle, haben wir mindestens zwanzig Konzepte entwickelt, die nie in Produktion gegangen sind – mit besonderen Eigenschaften, wie speziellen Scharnieren, spezieller Mechanik, Kombinationen mit Zylinderscharnieren. All das haben wir innerhalb der letzten sechs Jahre in Experimenten erprobt.

Vor ungefähr anderthalb bis zwei Jahren kam Tobias auf die Idee, ein verstecktes Scharnier aus Titan und Polyamiden zu entwickeln. Und das war die Idee, die Ørgreen als technisch anspruchsvolles Scharnierkonzept umsetzen wollte. Wir hatten uns länger schon in der Richtung umgesehen und nach einer zündenden Idee gesucht. So kamen wir zur Quantum Collection.

Wenn wir über dänisches Design und Ørgreen reden, dann bedeutet das immer Minimalismus. Daraus entstand die Idee, die Scharniere zu verstecken. Es sollte klar und einfach sein. Das ist die Definition von Quantum, wir nutzen minimalen Raum. Wir wollten weitergehen, als nur eine coole technische Spielerei zu entwickeln: wir wollten ein technisch anspruchsvolles Scharnier machen, das minimalistisch und verdeckt ist.

So kamen wir auf das versteckte Scharnier, das Teil der Quantum Collection ist. Es ist ein einfaches Konzept: Der Bügel besteht aus Titan, aber er hat einige einzigartige, patentierte Krümmungen, deren Enden abgeschliffen sind. Daran schließt das versteckte Scharnier an. Von vorne sieht man nur das Gestell aus Polyamid, das so konstruiert ist, dass alles nahtlos zusammenpasst.

4SEE: Warum habt ihr euch für ein neues Material entschieden, Polyamid?

Henrik: Für uns macht es die Kombination aus Titan – ein High-End-Material, mit dem wir seit 15 Jahren arbeiten – und Polyamid. Das Spannende an Polyamid ist, dass man es auch extrem dünn verwenden kann. Es hat also viele Vorteile, beispielsweise gegenüber Azetat: Es ist viel flexibler, sehr viel stärker und auch noch leichter.

Wir haben also das Polyamid genommen und es auf die nächste Stufe gehoben. Sie haben vielleicht schon bei anderen Marken Polyamid als Material gesehen, aber nicht auf die Weise, wie wir es machen. Bei unserem Polyamid fällt sofort auf, dass alles anders ist: die Oberfläche, die Farbe, die Struktur. Statt also einfaches Polyamid zu nehmen und uns damit zufrieden zu geben, haben wir die Ansprüche an das Material angehoben. Wenn wir damit an den Markt gehen und es verwenden, dann stehen wir als Ørgreen wirklich dahinter. Es ist auf einem höheren Level als jemals zuvor. Die Kombination mit Titan und unserem Tech-Scharnier macht Quantum aus: ein verstecktes Scharnier, Polyamid 2.0 und hochwertiges Titan.

4SEE: An wen richtet sich die Quantum Collection?

Henrik: Unsere Zielgruppe ist immer eine Mischung aus männlich, weiblich und unisex. Wir denken auch in Kategorien wie dem trendbewussten Kunden, dem klassisch orientierten Kunden und denen mit ihrem ganz eigenen Stil, die wir als eine gemischte Kategorie sehen. Es ist eine sehr gelungene Kollektion, die designbewusste und technikbegeisterte Kunden anspricht.

4SEE: Farbe spielt eine wichtige Rolle in Ørgreens einzigartiger Ästhetik. Wie fügt sich die Quantum Collection dort ein und wie sehen die ersten Color Stories aus?

Henrik: Ørgreen ist für seine Farben bekannt. Unsere Kunden schätzen nicht nur unsere Designs und unsere Qualität, sondern auch unsere Farbkombinationen und unseren spielerischen Umgang mit Farben. Also war für uns klar, dass Farbe auch in der Quantum Collection eine zentrale Rolle einnehmen würde. Unsere Farbdesignerin Sarah Lysell hat lange für die Kollektion experimentiert. Sie hat bestimmt über 30, 40, 50 verschiedene Farben für das Gestell und 20 oder 30 für die Bügel entwickelt. Im Endeffekt haben wir uns dann für 17 verschiedene Farben für das Gestell und sieben Farben für die Bügel entschieden.

Wir waren auf der Suche nach dem perfekten Look, auch farblich, für den bereits erwähnten trend- und designbewussten Kunden. Mit 23 verschiedenen Designs ist es eine relativ große Kollektion, es gibt also viele unterschiedliche Farbkombinationen.

4SEE: Wann wird die Quantum Collection erhältlich sein?

Henrik: Wir stellen die neue Kollektion erstmalig auf der SILMO der Öffentlichkeit vor. In unseren Geschäften wird sie ab Anfang November erhältlich sein, also werden wir am 1. November dieses Jahres an den Markt gehen.

Photo Credit: Ørgreen