Photography BERT SPANGEMACHER
Interview JUSTIN ROSS

Sie stehen an den Turntables und stellen die einst männlich dominierte DJ-Szene einfach auf den Kopf: 4SEE stellt Ihnen die Spitzenklasse der neuen Welle talentierter weiblicher DJs vor.

Elekronische Musik erlebt gerade ein kleines Revival – und dieses Mal sind Frauen ganz vorne mit dabei. Immer im Fokus haben sie ihre Musik und Kreativität als DJ und Producer.

Heutzutage gelten sie nicht mehr als Randerscheinung in der Industrie. Die Wahrnehmung hat sich verändert und weibliche DJs werden für ihre Beiträge zur Kunst des Auflegens und Produzierens respektiert. Obwohl sie ihren Platz in der Industrie meist hart erkämpfen mussten, spielt ihr Geschlecht für viele dieser Frauen keine allzu große Rolle. Sie sind in erster Linie Künstlerinnen, DJs und Produzentinnen und ihr mühsam erarbeiteter Respekt gilt allein der Qualität ihrer Musik.

Name: Najaaraq Vestbirk
legt auf als: Courtesy
Alter: 29
Nationalität: dänisch
lebt in: Berlin / Kopenhagen
legt am liebsten auf bei: De School Amsterdam
Lieblingsbrille: Mykita

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Ich habe quasi schon als Kind angefangen. Im Klassenzimmer habe ich immer den CD-Player besetzt. In der fünften Klasse durfte niemand außer mir ihn auch nur anfassen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich spiele eine bunte Mischung. Ich lege viel Musik auf, die von den Raves aus den 90ern inspiriert wurde. Sie kann sehr starke Break-Einflüsse haben. Aber es kommt auch viel Musik vor, die wie Techno klingt, aber ein bisschen experimenteller ist, quasi wie Big Room Techno, aber es ist nicht ganz Big Room. Ich spiele auch House und Musik, die von Disco inspiriert wurde, und manchmal auch Italo.
Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Wenn ich vor vielen Leuten auflege, fühle ich mich, als würde ich ein Raumschiff oder irgendein Fahrzeug steuern. Man muss diesen Raum voller Menschen bewegen und zum Tanzen bringen. Mir selbst zuliebe, versuche ich immer, so abgefahrene Sachen wie möglich zu spielen, ohne mein Publikum zu verlieren. Ich will es möglichst spannend machen. Ich teste gerne aus, wie weit ich gehen kann, wenn ich für Leute spiele, wie sonst nicht diese Art von Musik hören.

Was magst du an Berlin?
Ich bin gerne in Berlin, weil ich hier viele Freunde und Kollegen habe. Deswegen ist es schön, an einem Ort zu sein, an dem die ganze Zeit Leute kommen und gehen. In Kopenhagen geht es mir viel mehr um die lokale Szene und darum Zeit mit meinen dänischen Freunden zu verbringen. In Berlin dagegen treffe ich meine Freunde als aller Welt viel öfter und das mag ich wirklich sehr.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich versuche, so gesund wie möglich zu leben … ich trinke viel Wasser und nutze jede freie Sekunde, um zu schlafen. Und zuhause gönne ich mir auch viel Schlaf. Ich fühle mich nicht schuldig, wenn ich während der Woche mal einen Mittagsschlaf machen muss und montags einen Tag frei habe, während alle anderen zur Arbeit gehen. Gesundes Essen und Schlaf sind das Wichtigste zum Überleben.

Was denkst du über weibliche DJs?
Ich hab irgendwie aufgehört, darüber zu reden. Als ich in einer rein weiblichen Gruppe war, wurden wir die ganze Zeit nur gefragt, wie es sei, eine Frau in der DJ-Industrie zu sein, und irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr darüber sprechen wollte. Ich habe einige Artikel geschrieben und es ist gut, neue Perspektiven einzubringen. Ich habe Nichts zu sagen, das nicht schon in den großen Musikmagazinen gestanden hätte.

Ich will keine genannt werden. Aus Sicht der alternativen Musikszene ist es herablassend, genannt zu werden. Wenn du nach „” googelst, wirst du sehen, was ich meine. Auf den Bildern sieht das dann mehr wie ein Pornostar mit Kopfhörern aus. Das ist es, wofür steht, und das hat mit meiner Arbeit nichts zu tun.