Fotos JÖRGEN AXELVALL
Interview SHARI MONIQUE GAB

Diane Birch wird gerne mit Carol King, Lauren Nyro und Gerry Goffin verglichen, doch die Popsinger-Songwriterin aus Michigan hat ihren eingenen Kopf. Sie gewährt uns einen Blick in ihr Inneres direkt zu ihrem originellen klassisch-inspirierten Sound.

Ihre letze Veröffentlichung „Speak A Little Louder“ folgte ihrem außergewöhnlichen Debut 2009 „Bible Belt“, das sofort in den Billboard Top 100 landete und für das sie treffend mit Karen Carpenter verglichen wurde. Zuvor war sie mit Größen wie Stevie Wonder bis Betty Wright für S-Curve Records auf der Bühne und sammelte eindrückliche Erfahrungen.
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Nach dem tragischen Verlust ihres krebskranken Vaters durchlebte sie eine dunkle Zeit an deren Ende sie neuen Mut fasste. Der Heilungsprozess hat Birch zu ihrer persönlichen und professionellen Reife geführt – nun steht sie wieder aufrecht und verfolgt furchtlos ihren Weg auf dem sie uns ein Stückweit mitnimmt. Offen teilt sie ihre Empfindungen durch ihre berührende Musik.

Ein Umzug nach New York und das Aufeinandertreffen mit Daptones Drummer Homer Steinweiss hat Birch dazu gebracht ihre inneres Talent freizusetzen. Zu der magischen Fusion ihrer Kreativität sagt Birch: „Das Timing war einfach perfekt und es hat einfach funktioniert.“ Es entstanden: “Tell Me Tomorrow,” “Diamonds in the Dust” und “It Plays On,” eine Hommage an ihren Vater und seine fortwährende Inspiration für ihre Musik.

Obwohl sie hauptsächlich in Brooklyn ansässig ist, hat Birch auch in Großbritannien gearbeitet wo sie “All the Love You Got” mit Adele’s Eg White, Roots drummer Questlove (co-produced with Steve Greenberg), und Duran Duran bassist, John Taylor aufgenommen hat. Darauf folgte eine Periode in Los Angeles in der sie für Aqualung’s Matt Hales an “Unfkd” mitgeschrieben und geschnitten hat. Ihre Alben sind Reduktionen dieser Eindrücke, getränkt mit opulenten Synthesizern, donnernden Trommeln und überlagert von Birch’s bestechender Gänsehautstimme.

Es gibt etwas unverfroren attraktives an Künstlern die die Fähigkeit haben sich beruflich und privat zuentblößen – in bescheidener Dankbarkeit für ihr Talent. An einem sonnigen Tag im südlichen Williamsburg, Brooklyn hat sich Birch mit uns in einem ihrer Lieblingscafés, Marlow & Sons, getroffen um uns ein bisschen tiefer blicken zu lassen.

Woran arbeitest Du gerade?
Ich profitiere von den Gegensätzen in der Zusammenarbeit mit großen Produzenten und meiner eigenen Arbeitweise, in der ich komplett die Kontrolle über den Entstehungsprozess habe. Für eine Weile habe ich versucht mich an die Erwartungen anderer anzupassen, was Musik sein sollte. Nun ist es Zeit wieder zu meinen Wurzeln zurück zu kehren.

Und wo liegen diese?
Als ich aufwuchs war ich hauptsächlich mit klassischer Musik konfrontiert und mein Kontakt zu anderen Genres kam erst viel später. Ich liebe Hip-Hop, Pop, die Carpenters, top 40.. all das. Ich erkunde nun wie sich diese Einflüsse auf mich ausgewirkt haben, in welcher Form sie sich in meiner Musik widerfinden, und gucke was von Beethoven bis Portishead kleben bleibt.
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Und was findest Du da?
Ich erinnere mich Portishead’s „Glory Box“ mit seinen klassischen Arrangements und komplexen Harmonien gehört zu haben, und welches Gefühl das in mir ausgelöst hat. Ich kann dieses Gefühl auch heute noch beim hören dieser Musik nachempfinden. Es geht um das Aufspühren von Widersprüchen – R&B mit harmonischen Melodien beispielsweise – das sind zwei entgegen gesetzte Kräfte, die in Wechselbeziehung zueinander stehen. Diese Authenzität, die das hervorbringt bewegt mich.

Wohin willst Du mit diesen Erkenntnissen?
Ich will an ihren Kern, an das was echt an ihnen ist, damit spielen und meine kreative Vision verwirklichen.

Wie weißt Du was echt für Dich ist?
Ich frage mich, wie ich gesehen werden will und was mein Selbstbild ist? Es gibt Dinge auf meinem ersten Album die mich jetzt richtig erschrecken und andere Sachen fühlen sich immer noch richtig an. Es ist schwierig – in der Musikbranche bekommt man schnell einen Stempel aufgedrückt wer du bist und was für eine Karriere du vor dir hast. Hoffentlich bekommt dieses Image auf meinem Weg, den ich gerade gehe, indem ich meine Wurzeln wiederentdecke und entsprechend filtere, durchlässiger. In der Zwischenzeit sind dort die Teile aus meiner Vergangenheit die so eindeutig ich sind und die diesen kontinuierlichen roten Faden, der sich durch mein Leben zieht, immer stärker werden lassen.

Was gibt es in dieser Saison von Dir?
Ich arbeite in Kooperation mit anderen Künstlern jeder Couleur an einer EP und werde im Herbst touren. Ich habe mir nie träumen lassen mit so vielen unterschiedlichen Künstlern zu arbeiten, aber ich bin offen für die Erfahrung mit jemandem zusammenzuarbeiten, der etwas völlig anderes als ich macht und das zunächst einmal nichts mit mir zu tun hat. So wie ich die heutige Jugend zu schätzen gelernt habe. Es gibt eine ganze Generation von jungen, talentierten Musikern, die ihre Augen weit geöffnet haben. Vielleicht würde ich sogar was für andere Künstler schreiben. In der Vergangenheit habe ich an den Sachen die ich gemacht habe festgehalten – wollte, dass es für mich ist – weil ich so eine große Verantwortung dafür empfunden habe wie meine Arbeit rüber kommt. Aber mittlerweile habe ich realisiert, dass einige Dinge, die ich schreibe nicht zwingend dazu bestimmt sind durch mich hindurch zu kommen. Also bin ich offen.
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Vier Dinge ohne die Du nicht leben kannst?
Mein Klavier, guter Kaffee, Liebe und Parfume.

Mit wem möchtest Du am liebsten zusammenarbeiten?
Brian Eno. Ich denke, ich habe das sogar bereits in meinem letzten Interview erwähnt. Eines Tages wird er das hier lesen und denken „Wer zum Teufel ist diese Diane Birch?“

Aus unserer Sicht ist Diane Birch eine vielschichtige Musikerin, eine Frau am Rande der Zeit, mit einem puppengleichen Gesicht und einem großzügigen Herzen, mitten im Epizentrum der Transformation, Klarheit und Kreativität. Ihr vollkommener Sound verbindet meisterhaft Soul mit ihrer Experimentierfreude. In ihrem Sound hallt zweifellos ihre Faszination für Selbst-Reflextion nach. Ihre Musik läd ein sich im Rhytmus zu verlieren, sich auf die Tanzfläche zu begeben und die Synthese unseres Innersten zu Anderen und zum gesamten Universum zu geniessen. Brian Eno, hörst Du zu?