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Skulpturen im Raum zwischen Ort und Erinnerung: Raimund Kummer

Raimund Kummer erörtert seinen künstlerischen Weg nach seiner Ankunft in West-Berlin in den 1970er Jahren und seine medienübergreifende plastische Arbeitsweise anlässlich seiner Ausstellung Sublunare Einmischung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin.

Interview JUSTIN ROSS
Fotos FRANGIPANI BEATT

Als Mitbegründer von „Büro Berlin“, eine der ersten Künstlerinitiativen, die den Begriff und die Realisierung von Interventionen im öffentlichen Raum in die Kunst einführten, ist Raimund Kummer, als konzeptueller Bildhauer eine der Säulen in der Blütezeit frenetischer Kreativität, die West-Berlin in den 1970er und 1980er Jahren prägte. Zudem ist er ein zutiefst interessanter Gesprächspartner mit einer präzisen Haltung zu Kunstproduktion und Interpretation. Von diesem Künstler ortsspezifischer Installationen – lange bevor für diese Kunstform und Arbeitsmethode überhaupt ein Begriff existierte – erwarb Deutschlands Nationalgalerie drei signifikante Werke die sowohl für einen Zeitpunkt, eine Stimmung, aber auch für eine originale Stimme in der deutschen zeitgenössischen Kunstszene und post-konzeptuellen Kunst stehen. Anlässlich seiner Einzelausstellung Sublunare Einmischung im Hamburger Bahnhof, Berlin, kuratiert von Eugen Blume, sprach ich mit Raimund über einige seiner dort gezeigten Schlüsselwerken und seine mittlerweile bereits mehr als vier Jahrzehnte umfassenden Karriere.

Ich muss zugeben, der von mir zunächst erwartete, flüchtige Blick in seine Stimmung über seine Ausstellung (sehr zufrieden) und seine Pläne für die Zukunft (er ist offen für die Entdeckung vieler neuer Dinge), erwies sich am Ende als viel komplexer, als ein kritischer Spaziergang durch die frühen Jahre seiner künstlerischen Karriere in Berlin. Mit vielen Windungen und Wandlungen, die Raimunds besondere künstlerische Perspektive formten. Eine, die aus dem kreativen Potential der städtischen Umwelt geboren wurde – voller halb zerstörter und verlassener Gebäuden reich an unbeaufsichtigten und ungenutzten öffentlichen Räumen.

„Ich war immer mehr fasziniert vom Beobachten als vom ‚Schaffen‘. Ich denke meine Qualitäten oder Fähigkeiten sind ein sehr genaues Vermögen Dinge in der Situation, in sie stehen zu erkennen, Dinge, die eine bestimmte Energie senden. Durch meine Intervention entdeckst du sie daher als besonderes Ereignis.“

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Raimunds frühe Arbeiten können auch als eine Art Ode an das West-Berlin der 1970er gesehen werden, eine Beschreibung seiner Liebesbeziehung zu der Stadt mit dem großen Potenzial. Berlin ist die Protagonistin in Raimunds großer Erzählung. Sein massives, kontinuierlich sich erweiterndes Fotografieprojekt On Sculpture – teils autobiografisches Archiv, teils konzeptionelle Erforschung des Mediums der Skulptur selbst – ist auch eine Ode an die Stadt, die ihn empfang, damals in den 70er Jahren, als er und viele andere Künstler in die Stadt strömten, die ihnen auferlegten Normen hinter sich lassend, in die versprochene „Freiheit“ stürmend, eine Freiheit und eine Befreiung am Rande der westlichen Welt in der geteilten Stadt. Das war eine Zeit, in der die Stadt selbst, in ihrer ruinösen Zerstörtheit, den Künstlern, die ihre eigene Stimme entdecken wollten, einen kreativen Spielplatz anzubieten schien.

„Da gab es nur eine Art Wildnis. Nicht wie Ruinen nach dem Krieg, eher wie ein Schritt danach, es war irgendetwas dazwischen, wie ein riesiger Sandkasten, und wir konnten alle hinausgehen und spielen. Daher konnten Dinge inszeniert werden, weil du diese unbestimmten Freiflächen gehabt hast. Wenn du das richtige Ding an einen Ort stelltest, wurde es sofort sichtbar.“

Raimund Kummer war sich nicht gleich sicher was er tun würde, als er nach Berlin kam. Sein Vorhaben Maler zu werden, musste er am Ende seines Studiums aufgeben. Stattdessen folgte er vielen Umwegen bevor er sich die Freiheit nahm, mit neuen Praktiken zu experimentieren, die ihm schließlich erlaubten, seine Umgebung wirklich aufzusaugen, neu zu formulieren, was ihn zu einer Arbeitsweise führte, die sich sowohl substanziell, zugänglich als auch authentisch anfühlte. Berlins Straßen und seine reichlich ungenutzten Flächen waren plötzlich alles in einem: sein Studio, seine Leinwand und seine Galerie.

Looked at / seen through rose colored glasses, 2004, Foto: Raimund Kummer © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

„Das war ein sehr befreiender Moment, ein junger Künstler zu sein. Diese [Skulpturen auf der Straße] waren im Grunde genommen das erste Kunstwerk oder einige der ersten Kunstwerke, die ich nach dem Ende meines Studiums gemacht habe. Ich fotografierte Motive zwischen ‘78 bis ’79. Ich kaufte mir eine Minox Kamera und „fixierte“ Dinge, die ich erregend fand. Dinge, die ich auf meinen täglichen Fußgängen entdeckte … Über fünf oder sechs hundert Dias wurden belichtet. Von diesen Diapositiven wählte ich 80 aus, soviel passten in ein Diakarussell. Das war der Beginn des Auswegs aus meiner Sackgasse. Das führte mich zur Entdeckung des öffentlichen Raumes als Gegenstand und Material für meine weitere Arbeit.

„So fand ich an diesen zufälligen Orten des alltäglichen Lebens Dinge, die aus einem bestimmt Grund bewegt, gestapelt oder zerstört wurden; Dinge, die nie aus ästhetischer Absicht entstanden sind, konnten als solche gesehen werden, zumindest als unabsichtlich produzierte, interessante Strukturen. Um ihnen einen programmatischen Sinn zu geben, nannte ich sie ‚Skulpturen in der Straße‘.“

Es kümmerte ihn nicht wirklich, wer kam oder wie viele diese spontanen Skulpturen im öffentlichen Raum sahen, dennoch lud Raimund mit per Post versandten Schwarzweisspostkarten zu Ortsbesichtigungen ein, um die markierten Stellen in Zeit und Ort überall in der Stadt zu sehen. Seine Interventionen in den Straßen Berlins waren tatsächlich temporär und anonym gemeint, mit der Absicht ,die Trennlinie zwischen Kunst und Wirklichkeit für die ahnungslosen Passanten zu verwischen.

„Diese Idee von Anonymität funktioniert nur in der Öffentlichkeit. Auf einer gewissen Ebene war das eine subversive Strategie in diese Räume zu gehen, sie, wenn auch nur für kurze Zeit, zu verwandeln. Manchmal war es für einen Tag, eine Woche, für vier Wochen, und dann war es weg.“

Das erinnert uns an eine Zeit, in der es zumindest den Anschein von Authentizität in der Kunst gab. Wenn jemals so etwas wie „die Kunst um der Kunst willen“ gab, dann war es hier auf dieser winzigen Insel West-Berlin, eine Falte in der Zeit, eine Blase auf der Landkarte.

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Die auf Filmsets um Geld zu verdienen verbrachten Jahre – er begann damit kurz nach seiner Ankunft in Berlin – beeinflusste eindeutig seinen Werkansatz. Er arbeitete als Set Designer und Techniker, er studierte die Komposition, arrangierte die Feinabstimmung, Farbkorrektur, justierte Blickwinkel und Ausleuchtung neu … Techniken, die ihm später beim Gebrauch von Objekten und Materialen leicht von der Hand gingen, um seine eigene Parallelwelt zu schaffen, eine filmische, dramatische Realität, die in der realen Welt verfügbar war, aber herausgehoben werden musste, oft mit spontanen oder improvisierten Methoden.

„Diese Doppel-T-Träger lagen herum, hier in der Admiralstrasse [die selbe Straße in Berlin, in der Raimund heute noch in einem inzwischen sanierten Fabrikgebäude arbeitet und lebt), und ich dachte, das sah aus wie ein sehr schöner Wurf von Mikado-Stäbchen. Also ging ich los und kaufte mir acht Liter Lackfarbe und fing an, die Stahlträger grob zu lackieren und danach zu fotografieren. Die Fotografie war hier mehr das dokumentarische Festhalten einer künstlerischen Tätigkeit von mir, anonym gemacht. Aber das Stück selber war offensichtlich auch von anderen Leuten gesehen worden, weil es so eine große Präsenz hatte. Ich hatte kein Geld, um ein 10.000-Watt Kinolicht oder etwas Ähnliches zu leihen, also habe ich einfach diese Kennzeichnung [rote Farbe] eingesetzt. Die Intervention [im öffentlichen Kontext] eröffnet dir einen Rundblick auf das, was diese farblich markierten Träger umgibt, stößt bei dir ein denken darüber an, warum sie dort sind und was um sie herum passiert.“

Diese konstruierten Szenen für seine Straßenskulpturen wurden niemals wiederholt oder reproduziert. Im Gegensatz zu anderen Umgangsformen mit Fundstücken oder Readymades fanden seine Skulpturen ihre natürliche Heimat in der Öffentlichkeit. Sie existierten nur so lange, wie sie gebraucht wurden, auch wenn das nur für einen Augenblick war.

„Mein Ziel war es, den Moment in dem die Kunst produziert wurde, dort, wo sie passiert, und den Moment, wo du diese augenblicklich siehst identisch zu halten. Es widerspricht dieser Art von Readymade, das du auf der Straße findest und in die Galerie bringst oder in den Kontext des White Cubes, um zu sehen wie wunderbar oder ungewöhnlich es ist. Ich wollte die Menschen dazu bewegen, Aufmerksamkeit für den Realraum zu entwickeln, in dem sie leben.“

Die augenblickliche und unmittelbare Natur der Fotografie machte es Raimund möglich, diese Momente zu erfassen, diese temporären Beziehungen zwischen Objekten, die auf der Straße nur für kurze Zeit existierten. Hieraus resultiert letztlich sein riesiges fotografisches Archiv. Eine bearbeitete Version dieses sich weiterhin im Wachstum befindlichen Archivs, On Sculpture (1979–2017), die für die letzte Präsentation auf 444 Bilder erweitert wurde, ist eine von den vier unterschiedlichen Installationsformaten aus mehreren Phasen seiner künstlerischen Karriere, die neben Skulpturen in der Straße (1978–1979), Mehr Licht (1991) und νόστος – ἄλγος (2012) (Griechisch: Nóstos álgos) in seiner aktuellen Ausstellung Sublunare Einmischung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zu sehen sind. Filme mit persönlichen Rückschauen Raimund Kummers, thematisieren seine Beziehung zu beidem, Ort und Erinnerung, in dem er verschiedene Orte von Bedeutung für seine Arbeit zusammen mit dem Kurator Eugen Blume besuchte. Sie sind passend mit unterwegs / out and about betitelt und wurden speziell für die Ausstellung produziert.

„Mich verbindet eine sehr lange, fortlaufende, kritische Hassliebe mit der Fotografie. Ich musste zeigen worum es in meiner Arbeit geht. Und deswegen habe ich endlose Recherchen und Versuche zur Dokumentation vs. Nicht-Dokumentation unternommen, darüber was bleibt und was nicht bleibt.“

Viele dieser Bilder, die mit derselben Mamiya-Kamera aufgenommen wurden, die er seit 1979 besitzt, bekommen ein neues Leben in der konzise bearbeiteten und bildhauerisch präsentierten Form, wie sie in der Ausstellung gezeigt werden. Der sich schlängelnde Pfad zwischen den gestapelten Archivschachteln gibt der Sammlung Gewicht und Tiefe, die den jahrelangen Archivierungs- und Bearbeitungsprozess hinter dem Werk signalisiert, während es nur an der Oberfläche mit den ausgesuchten Bildern geflutet wird und sich in einladend taktiler Weise einmal um den Ausstellungsraum windet, um den Besucher aufzufordern, die Fotos auf Taillenhöhe hinunterblickend, in Ruhe aufzunehmen. In einem Zeitalter des Überflusses an visuellen Bildern, mit unserem scheinbar unersättlichen Appetit nach schnellem Bilderkonsum auf Social Media-Plattformen wie Instagram, erzeugt es etwas Großartiges und Luxuriöses, aber auch etwas Nostalgisches, eine derartige Fülle haptischen visuellen Materials zu durchwandern. Da ist auch etwas Mutiges und Anerkennenswertes in dem Entwicklungsprozess, den Raimund unternommen hat, um fast vier Jahrzehnte des Fotografierens in diesen 444 fotografischen Dokumenten zu kondensieren.

„Der Unterschied liegt darin, dass für mich diese Arbeit keinen endlosen Bilderfluss ohne Hierarchien repräsentiert. Medien sind bloß plus / minus und die Datenmenge, die auf dein Telefon passt. Als Künstler musst du Entscheidungen treffen. Zu sagen alles ist Kunst, 24 Stunden am Tag, ist etwas, das nicht sein kann. Für mich ist es die Person, die eingreift und ja oder nein sagt. Ich wähle aus , grundsätzlich. Ich entscheide darüber, was wichtig ist und was nicht wichtig ist. Das ist, denke ich der Unterschied zwischen meiner Arbeit und dem oft praktizierten Umgang auf Instagram, zum Beispiel.“

Im Laufe der Zeit hat sich der Fokus seiner archivarische Praxis aber auch gewandelt und verändert, und ebenso wie seine „street-based sulptures“ tatsächlich Kompositionsstudien sind, die fragen um was es bei Skulpturen geht und gehen könnte, ist diese Arbeit für Raimund zu einer Art Meditation über Archive an sich geworden, die es ihm erlaubt, Aspekte seines Schaffensprozesses, wie ein Rhizom abzuschließen und gleichzeitig andere zu öffnen, neue Möglichkeiten offenzulegen.

„Ich arbeite im Moment daran einen Zustand zu erreichen weiter gehen zu können. Zunächst heißt das viel Ballast loszuwerden, leichter zu werden, die Last der eigene Geschichte loszuwerden, die Gewohnheiten, wie man Dinge tut, vorwärts zu gehen um etwas Neues zu entdecken, etwas was du zuvor nicht denken konntest.. Das ist das Aufregende, ein älterer Mensch zu sein, mit all den Erfahrungen. Du hast nie alles erreicht. Es ist eine Frage deiner eigenen Werte und deiner Tatkraft, wenn Du mehr willst. Und für mich ist das weiterhin mein Spirit … Ich will mehr. Ich denke, ich habe immer noch nicht meine beste Arbeit gemacht. Künstler sein heißt Teil eines endlos fortlaufenden Experiments zu sein.„

Mehr Licht, 1991, Foto: Raimund Kummer, Martin Salzer © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Raimund Kummers Sublunare Einmischung wurde kürzlich um drei Monate verlängert und ist noch bis zum 29. Oktober 2017 im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin zu sehen.
www.raimundkummerinberlin.de

Doe Paoro in MIU MIU SMU04S

Doe Paoros beruhigende Meditationen über Einsamkeit

Fotograf BERT SPANGEMACHER
Text VITTORIO CARETTI

Doe Paoro überrascht mit ihrem einzigartigen Sound. Ihre engelsgleiche, fast opernhafte Stimme verführt ihre Zuhörer. Diese Verführungskraft entspringt ihrem gefühlstiefen, persönlichen und zeitgemäßen Songwriting, das bereits die Aufmerksamkeit sowohl von Plattenlabeln als auch von einigen der aktuell talentiertesten Songwritern und Produzenten erregt hat. Doe Paoro hat für ihr von der Kritik gefeiertes zweites Album After mit Größen wie Justin Veron von Bon Iver, Sean Carey und BJ Burton (Tallest Man on Earth, Sylvan Esso) zusammengearbeitet.

Doe Paoro ist der Künstlername der aus Syracuse stammenden, jetzt in Los Angeles lebenden Künstlerin, Sängerin und Komponistin Sonia Kreitzer. Ihr Sound mischt R&B, Pop, Soul und Electro zu einer berührenden, beruhigenden, ganz eigenen Stilrichtung zusammen. Mit dem Erscheinen ihrer selbst veröffentlichten LP Slow To Love Im Jahr 2012 wurde Doe Paoro mit ihrer künstlerischen, gefühlvollen Musik bekannt. Diesem Erfolg gingen einige Singles voraus, die bereits im Vorfeld Kritiker und Fans gleichermaßen begeisterten.

Does Musik hat diese besondere Qualität ihr Publikum mit ihrer feinen Stimme zu bezaubern, liebevoll und schattenhaft zugleich. Am Ende bleibt immer das Verlangen noch ein bisschen mehr von ihr hören zu wollen. Ihre Musik zieht ihre Zuhörer in ihren Bann, in ihre Welt, eine wundervolle Welt, eine sehr persönliche Welt. Vor einigen Jahren, auf einer Reise durch Tibet, verbrachte Doe einige Zeit mit Schweigemediation. Sie reflektierte über die Leerstelle zwischen Stille und Laut. Diese Leerstelle besingt sie und verbindet uns auf authentische Weise mit dem Nichts und dem All mittels ihrer Stimme. Sie spielt mit Klang, Stille und deren Verbundenheit. So ist es Doe Parao gelungen, die Aufmerksamkeit von Stereogum und NPRs All Songs Considered zu erlangen. Eines ihrer Lieder landete im Soundtrack der vierten Staffel von Girls. Wenn man einen ihrer Songs spielt, dann macht man gleich den nächsten an, und den nächsten, und den nächsten. Richtig so, denn ihre Stimme muss man gehört haben.

Doe Paoro mit MIU MIU SMU04S

Mor Elian wears KBL The Grant

Photography BERT SPANGEMACHER
Interview JUSTIN ROSS

Name: Mor Elian
legt auf als: Mor Elian
Labels: Prime Numbers, Hypercolour, Finale Sessions
Nationalität: israelisch / amerikanisch
lebt in: Berlin / L.A.
legt am liebsten auf bei: den von ihr organisierten Into The Woods-Parties in L.A.
Lieblingsbrillen: Tom Ford, Oliver Peoples, Ray-Ban

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich spiele vorallem House und Techno mit einigen Einflüssen aus Elektro, Italo-Disco und anderem.

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Ich habe 2009 angefangen, weil ich einfach das Bedürfnis hatte, Musik mit anderen Menschen gemeinsam zu erleben.

Mor Elian, KBL, DJ, 4SEE, Uniqlo, IVY & OAK
Eyewear by KBL STEVE
Coat by IVY & OAK

Wo legst du am liebsten auf?
Ich liebe es, in den Clubs meiner Heimat Tel Aviv aufzulegen. Die Szene gibt es dort schon lange, aber sie ist immer noch sehr lebhaft. Außerdem spiele ich gerne im L.A.-Underground, da ist die Szene noch jünger und irgendwie magisch.

Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Mich motiviert es, wenn die Leute ausgelassen tanzen. Ansonsten halte ich nach dem wildesten Tänzer Ausschau – den gibt es immer – und dann spiele ich nur für ihn.

Willst du etwas über deine Erlebnisse als Frau in der DJ-Szene erzählen? Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern? Ist dir dieser Aspekt wichtig?
Ich habe mich nie wirklich darüber definiert. Ich liebe einfach Musik und liebe es, sie aufzulegen. Wenn das andere Frauen inspiriert, dann ist das doch wunderbar.

Mor Elian, KBL, DJ, 4SEE, Uniqlo, IVY & OAK
Eyewear by KBL STEVE
Coat by IVY & OAK, Top and pants by Uniqlo, Boots by JR

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich passe auf mich auf, ob ich nun unterwegs bin oder nicht. Das heißt auch, dass ich bei den meisten meiner Auftritte nichts trinke. Nach so vielen Jahren im Geschäft passt Alkohol nicht mehr zu meinemLebensstil.

Was sind deine Lieblingsbrillen?
Ich liebe meine Brillen von Oliver People, meine Ray-Bans und meine neue Tom Ford Brille in Cat-Eye-Optik. Ich brauche einfach Abwechslung!

Mor Elian wears KBL The Grant
Eyewear by KBL THE GRANT
Black shirts and white pants by DJ’s own

Photography BERT SPANGEMACHER
Interview JUSTIN ROSS

Sie stehen an den Turntables und stellen die einst männlich dominierte DJ-Szene einfach auf den Kopf: 4SEE stellt Ihnen die Spitzenklasse der neuen Welle talentierter weiblicher DJs vor.

Elekronische Musik erlebt gerade ein kleines Revival – und dieses Mal sind Frauen ganz vorne mit dabei. Immer im Fokus haben sie ihre Musik und Kreativität als DJ und Producer.

Heutzutage gelten sie nicht mehr als Randerscheinung in der Industrie. Die Wahrnehmung hat sich verändert und weibliche DJs werden für ihre Beiträge zur Kunst des Auflegens und Produzierens respektiert. Obwohl sie ihren Platz in der Industrie meist hart erkämpfen mussten, spielt ihr Geschlecht für viele dieser Frauen keine allzu große Rolle. Sie sind in erster Linie Künstlerinnen, DJs und Produzentinnen und ihr mühsam erarbeiteter Respekt gilt allein der Qualität ihrer Musik.

Name: Najaaraq Vestbirk
legt auf als: Courtesy
Alter: 29
Nationalität: dänisch
lebt in: Berlin / Kopenhagen
legt am liebsten auf bei: De School Amsterdam
Lieblingsbrille: Mykita

Wann hast du das erste Mal aufgelegt und warum?
Ich habe quasi schon als Kind angefangen. Im Klassenzimmer habe ich immer den CD-Player besetzt. In der fünften Klasse durfte niemand außer mir ihn auch nur anfassen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich spiele eine bunte Mischung. Ich lege viel Musik auf, die von den Raves aus den 90ern inspiriert wurde. Sie kann sehr starke Break-Einflüsse haben. Aber es kommt auch viel Musik vor, die wie Techno klingt, aber ein bisschen experimenteller ist, quasi wie Big Room Techno, aber es ist nicht ganz Big Room. Ich spiele auch House und Musik, die von Disco inspiriert wurde, und manchmal auch Italo.
Was treibt dich an, wenn du vor so vielen Menschen spielst? Wie fühlt sich das an?
Wenn ich vor vielen Leuten auflege, fühle ich mich, als würde ich ein Raumschiff oder irgendein Fahrzeug steuern. Man muss diesen Raum voller Menschen bewegen und zum Tanzen bringen. Mir selbst zuliebe, versuche ich immer, so abgefahrene Sachen wie möglich zu spielen, ohne mein Publikum zu verlieren. Ich will es möglichst spannend machen. Ich teste gerne aus, wie weit ich gehen kann, wenn ich für Leute spiele, wie sonst nicht diese Art von Musik hören.

Was magst du an Berlin?
Ich bin gerne in Berlin, weil ich hier viele Freunde und Kollegen habe. Deswegen ist es schön, an einem Ort zu sein, an dem die ganze Zeit Leute kommen und gehen. In Kopenhagen geht es mir viel mehr um die lokale Szene und darum Zeit mit meinen dänischen Freunden zu verbringen. In Berlin dagegen treffe ich meine Freunde als aller Welt viel öfter und das mag ich wirklich sehr.

Wie gehst du mit den vielen Reisen um?
Ich versuche, so gesund wie möglich zu leben … ich trinke viel Wasser und nutze jede freie Sekunde, um zu schlafen. Und zuhause gönne ich mir auch viel Schlaf. Ich fühle mich nicht schuldig, wenn ich während der Woche mal einen Mittagsschlaf machen muss und montags einen Tag frei habe, während alle anderen zur Arbeit gehen. Gesundes Essen und Schlaf sind das Wichtigste zum Überleben.

Was denkst du über weibliche DJs?
Ich hab irgendwie aufgehört, darüber zu reden. Als ich in einer rein weiblichen Gruppe war, wurden wir die ganze Zeit nur gefragt, wie es sei, eine Frau in der DJ-Industrie zu sein, und irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr darüber sprechen wollte. Ich habe einige Artikel geschrieben und es ist gut, neue Perspektiven einzubringen. Ich habe Nichts zu sagen, das nicht schon in den großen Musikmagazinen gestanden hätte.

Ich will keine genannt werden. Aus Sicht der alternativen Musikszene ist es herablassend, genannt zu werden. Wenn du nach „” googelst, wirst du sehen, was ich meine. Auf den Bildern sieht das dann mehr wie ein Pornostar mit Kopfhörern aus. Das ist es, wofür steht, und das hat mit meiner Arbeit nichts zu tun.

Fotograf Justin Carter
Interview Atsushi
Kreativdirektor Keith S. Washington
Alle Brillen von Max Pittion

Er ist berühmt für seinen monatlichen Mix „Magic Tape” mit unbekannten, unveröffentlichten Dance-Tracks, ganz zu schweigen von seinem vorherigen Projekt Aeroplane: Stephen Fasano aus Brüssel aka „The Magician” entwickelt seine Musik immer weiter, nicht zuletzt durch die Gründung seines eigenen Labels „Potion” 2014. The Magician hat gerade seine neue Single „Shy” mit Brayton Bowman über Potion veröffentlicht. Wie durch Zauberhand hat er direkt vor seinem Auftritt bei der Kitsuné Club Night Parisian Tour in Tokio backstage noch etwas Zeit für ein Gespräch mit uns gehabt.

 

Wie bist du Musiker geworden – über ein Instrument oder als DJ?

Als DJ. Vor langer Zeit. In den späten 80ern – als House gerade groß wurde. Mein Onkel war DJ, nicht kommerziell, aber er sammelte obskure Disco-Platten. Er gab mir seine Turntables, einen Mixer und die Sammlung merkwürdiger Disco-Platten.

Du hattest Glück.

Ja, irgendwie schon …. aber ich hasste so viele dieser Platten! Die späten 70ern waren, wie man sagt, „the end of Disco” und wir waren heiß auf Acid House aus den USA. Disco hat ganz verschiedene BPM, deswegen konnte ich super Beat Matching üben, indem ich Disco mit den neuen House-Platten mixte. So kam ich auf Techno, Drum ’n‘ Bass, Trip Hop – ich habe eine große Sammlung von DJ Krush von Mo Wax Records, DJ Food, Ninja Tunes, solche Sachen. Das war die Zeit, in der ich immer nach Großbritannien gereist bin und Plattenläden durchforstet habe.

Von Brüssel aus?

Ja, ich fuhr einmal im Monat nach Großbritannien rüber. Heutzutage dauert das nur zwei Stunden mit dem Zug, aber damals waren es vier Stunden auf einem Boot, um über den Kanal zu kommen, und dann nochmal zwei Stunden Autofahrt. Aber wenn man Teenager ist, ist das total egal – die absolute Freiheit!

Und in der Zeit fingst du mit dem Produzieren an?

Ja, ich fing langsam an, mir Sampler von AKAI oder Roland zu kaufen, oder Drum Machines wie die TB-303, für etwa 100 Dollar oder so. Jetzt kosten die 3.000 US-Dollar oder mehr, du weißt ja, wie verrückt das alles ist.

Benutzt du das Set-Up noch?

Nein, heute benutze ich es nur noch selten, weil die Software das jetzt alles leistet. Für Demos setze ich mich einfach an meinen Computer und für die finale Version holen wir uns Musiker ins Studio für eine Live-Aufnahme, worauf ich mich jedes Mal freue.

The Magician, Stephen Fasane, Kitsune Tokyo. DJ, Magici Tape, SoundCloud , Potion label, the end of disco

 

Wie hast du Kitsuné kennen gelernt?

Als ich 2008 Aeroplane gründete, bat uns Kitsuné um einen Remix, so lernte ich Gildas (einen von Kitsunés Gründern) kennen. Dann buchten sie uns für jede Menge Partys in London und Paris. Danach machten wir die Single „I Don’t Know What You Do” bei ihrem Label.

Wie teilst du deine Zeit als Producer und DJ auf?

Gerade 50/50, und so mag ich es auch. Mich inspiriert die Musik, die ich auflege, die mich umgibt, verstehst du? Ich bin im Kern eher DJ als Producer. Meine Musik entwickelt sich durchs Spielen, ähnlich wie Mode. Zum Beispiel war ich vor fünf Jahren eher Disco. Nicht von der Melodie her, aber im Bass oder in der Dichte des Sounds bin ich jetzt mehr beim House. 120 bis 122 BPM sind das beste Tempo überhaupt, nicht zu schnell, aber groovy.

Deine beste Erinnerung an einen Auftritt?

Also, Ageha, 2012. Japan war großartig. Die Boxen … der Sound war absolut unglaublich!

Spielst du lieber für ein Stadion oder für eine Handvoll Leute?

Ich mache beides und erst gestern habe ich vor nur 200 Leuten in Seoul gespielt, letztens für 150 in Hong Kong, und, ganz ehrlich, das mag ich viel lieber als die großen Festivals. Man sieht die Gesichter und der Groove ist viel intensiver.

Du sammelst Vinyl, aber was benutzt du als DJ?

Ich lege kein Vinyl auf, außer zuhause. Ich musste mich dran gewöhnen, aber ich nutze jetzt USB-Sticks. Ich habe immer noch 10.000, wenn nicht mehr, Platten daheim – vielleicht sollte ich sie mal wieder hervorzaubern und mich inspirieren lassen.

Wie bist du auf „The Magician” gekommen?

Nun, meine Frau hat den Namen gefunden. Als ich mich 2010 von Aeroplane trennte, sagte meine Frau (damals noch Freundin): „Jetzt brauchen wir einen neuen Namen … wie wär’s mit ‚The Magician‘?” Und mir gefiel der Name überhaupt nicht! (lacht) Sie meinte, ich hätte diese „magischen” Kräfte, aber das klingt total arrogant, finde ich. Aber als sie anfing, die Jacken zu designen, verstand ich langsam, wie der Name zu meinem Konzept passt, mein Publikum zu unterhalten. Und klar, das Branding auch. Immerhin habe ich noch zehn andere von diesen Jacken.

Wieso trägst du heute genau diese Jacke? 

Die hier trage ich dieses Jahr als Erkennungszeichen. Das Material ist Zellophan. Letztes Jahr hatte ich eine mit weitem Schnitt, nicht wie MC Hammer, mehr marokkonisch-jüdisch aus den 1920ern mit drei Knöpfen und allem. Also musste es für das nächste Jahr etwas anderes sein. Für mich bedeutet DJ sein im Kern, dass man sein Publikum unterhält. Und deshalb kleide ich mich entsprechend.

Hast du ein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?

Ganz einfach. Ich schreibe meiner Frau, dass ich loslege. Und dann gibt’s einen Shot Wodka, oder zwei.

Ihr scheint eine ganz starke Verbindung zu haben. Habt ihr Kinder?

Ich habe eine kleine Tochter, sie ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Wir können uns schon gut verstehen und haben wahnsinnig viel Spaß.

The Magician, Stephen Fasane, Kitsune Tokyo. DJ, Magici Tape, SoundCloud ,

Warum bist du in Brüssel geblieben?

Weil ich mich nicht getraut habe, wegzuziehen (lacht). Nun, es gab nie die richtige Zeit für einen Umzug, mein Studio ist in London und das Business auch. Es sind nur zwei Stunden mit dem Zug.

In welche Stadt würdest du ziehen, wenn du eine aussuchen müsstest?

Karrieremäßig wäre das London, aber wenn es nach der besten Stadt geht, eindeutig L.A. Das Wetter, das Essen!

Dein Lieblingsessen?

Italienisch und Japanisch. Und für beides gibt es gute Restaurants in L.A. (lacht).

So, noch eine halbe Stunde bis zu deinem Auftritt, was legst du für dein Set um 2 Uhr morgens auf?

Heute habe ich mehr puren House ausgesucht, mehr Energie als beim letzten Mal hier in 2012. Viele Leute erwarten Musik, die sie kennen, aber ich spiele ganz neue Lieder. Denn ich erwarte, dass ich die Leute überraschen werde!

„The Magician” ist der Bühnenname von DJ und Producer Stephen Fasano.

The Magician auf  Soundcloud + Homepage

 

FOTOGRAF: Bert Spangemacher
INTERVIEW: Justin Ross

Beim Stichwort Designer-Eyewear kommen uns sofort grandiose Modehäuser wie Fendi und Dior, aber auch Industriegrößen wie Carrera in den Sinn. Safilo ist vielleicht kein so bekannter Name, obwohl die Firma für viele ikonische Brillen dieser Marken verantwortlich ist. Auch für Polaroid, Swatch, Celine und ganz aktuell für Elie Saab produziert sie unter Lizenz die berühmten Designer Brillen.

Wir trafen uns im Anschluss an einer Safilo Pressekonferenz im Berliner Soho House, auf der die aktuellen Herbst/Winter-Modelle vorgestellt wurden, mit Safilos Kreativdirektor Nicola Bonaventura zum Gespräch.
Die neue Kollektion beweist, wie mühelos Eyewear mit Trends und Lifestyle-Entwicklungen Schritt hält – Kategorien wie Athleisure und Future Tech kommen aus dem aktuellen Modedesign. Nicola und sein Team arbeiten absolut am Puls der Zeit.  Als Industrie-Insider verriet er uns, wie diese Trends für die jeweiligen Marken umgesetzt werden und wie sein kreativer Design-Prozess abläuft.

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Wie bist du Eyewear-Designer geworden?

Ich bin schon lange in dem Business. Mittlerweile mehr als fünfzehn Jahre. Ich habe meinen Abschluss an einer Design-Schule in Italien gemacht und bin dann als selbstständiger Grafikdesigner in der Modebranche tätig gewesen. Bald darauf wollte ich meine beiden großen Leidenschaften – Kunst und Produkt- bzw. Grafikdesign – miteinander verbinden und Brillendesign macht dies möglich. Man sucht künstlerische Inspiration und orientiert sich an der Mode, aber man muss auch ein Produkt fertigen, das aus festen Materialien hergestellt wird – man macht also auch Industriedesign. Es ist eine Mischung aus ‚weichen‘ und ‚harten‘ Skills und das hat mir von Anfang an gefallen. Seitdem habe ich bei verschiedenen großen Gruppen mitgewirkt. Ich hatte die Gelegenheit, mit weltweit agierenden Marken wie Giorgi Armani und Hugo Boss zu arbeiten. Von Anfang an war ich immer im Lizenzsektor tätig, zum Beispiel für Dolce & Gabbana.  Meine Stärke war es, dass ich die DNA einer Marke in den Business-Bereich übersetzen konnte.

Was kannst du mir über Safilo sagen – was macht die Marke einzigartig und worauf können wir uns in Zukunft freuen?

Neben Talent muss man einiges mitbringen, um das Produkt zu designen, aber man braucht auch ein gutes Verhältnis zu den verschiedenen kreativen Abteilungen der Marken. Wir haben mehr als 25 Abteilungen, die meisten von ihnen arbeiten unter Lizenzen, aber wir führen auch vier eigene Marken. Bei uns gibt es also ganz verschiedene Firmenstrukturen. Für unsere Produkte ist das entscheidend. Ich selbst arbeite zur Zeit eng mit Fendi und Celine zusammen. Zudem haben wir gerade ein wichtiges Projekt mit dem Uhrenhersteller Swatch gestartet. Und ich arbeite auch an dem Atelier-Segment, das Elie Saab lanciert, unsere erste Haute Couture-Marke in dieser Kategorie. Dieses Projekt ist ein ganz neues Abenteuer, denn die hohen Standards des Hauses müssen in die Brillenkollektion übersetzt werden.

Wie sieht das Verhältnis mit Marken aus, die bereits eine starke Identität haben, und wie entwickelst du passende Designs?

Unser Ziel ist es, den Wert jeder einzelnen Marke zu schützen und ihr gerecht zu werden. Wir wollen uns mit jeder einzelnen Marke verbinden, sie quasi heiraten, in ihre Design-DNA und ihre Designsprache eintauchen und eng mit dem Kreativ-Team der Marke zusammenarbeiten. Diese Beziehungen sind uns am wichtigsten, daraus ergeben sich dann attraktive Partnerschaften und schließlich das Design. Natürlich kann immer etwas schiefgehen, Fehler können immer passieren, aber mit einer starken Beziehung kann man weitermachen und daraus lernen. Safilos Ansatz ist da meiner Meinung nach in dem System von großen Marken und Lizenzierungen einzigartig. Insbesondere in der Produktentwicklung sind wir für unsere Arbeitsweise bekannt und werden dafür geschätzt.

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Mir ist aufgefallen, wie Safilo die aktuellen Designs präsentiert: die Modelle werden über verschiedene Marken hinweg nach größeren Trends in der Mode und im Einzelhandel gruppiert, zum Beispiel Athleisure. Welche Trends behältst du im Auge?

Es gibt eine Art natürlicher Inspiration, die von unseren Designern und auch von mir selbst kommt. Wir reisen, wir surfen im Internet, wir haben unsere Fühler ausgestreckt und spüren, was passiert. Gleichzeitig haben wir auch ein Team, das Trends bei Konsumenten analysiert. Sie setzen sich mit uns in Verbindung und gleichen mit den Designern ab, was in zwei Jahren wirklich Trend bei den Kunden sein wird. Meistens fangen wir mit der Ästhetik an, na klar, aber dieses Team geht vom Kundenverhalten aus. Oft führt das gar nicht zu einer anderen Ästhetik, sondern dazu, dass diese Ästhetik stärker in Verbindung zu den Menschen steht und ihrer Weise, ihr Leben zu leben und Produkte zu kaufen, die sie lieben. Wir passen unsere instinktiven Impulse und Interessen an die Forschung an. Das Ergebnis ist dann das, was du gestern Abend gesehen hast.

Wir finden heraus, was die großen Tendenzen in den nächsten Jahren sein werden, dann designen wir und bilden daraus drei große Gruppen. Natürlich ist Athleisure ein Trend, sowieso alles, was mit technischen Geräten, funktionalen Elementen und leistungsstarken Materialien zu tun hat. Zuerst war es ein Trend aus Konsumentensicht, denn die Menschen fokussieren sich gerade auf ihr Wohlbefinden. Gleichzeitig verfolgte die Industrie die selben Ideen, übersetzte sie aus dem Sport in die Mode. Deswegen ist man häufig überrascht, wenn Marken wie Givechy und Dior viele Materialien aus ganz unterschiedlichen Quellen mischen.

Carrera ist auch so eine Marke, die wir besitzen und die eine 60 Jahre lange Geschichte im Sport hat. Carrera fing 1956 mit Produkten für Sportarten wie Golf und Ski an, danach für Radfahrer und dann kamen natürlich Sonnenbrillen. Wir hatten die Chance, diese Marke neu zu gestalten, sie mit den Trends in Sport und Lifestyle und ihrer urbanen, sportlichen Attitüde zu verbinden. Für mich ist das ein perfektes Paar. Wir bieten Produkte an, die zur Mode gehören, aber auch Lifestyle-Produkte und Produkte für den Massenmarkt – quasi wie Polaroid. Mit der selben Haltung gegenüber der Ästhetik bedienen wir verschiedene Preisgruppen und Technologien.

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Worin unterscheidet sich deiner Meinung nach Eyewear für Männer und Frauen?

Heutzutage ist das sehr interessant, weil es diese geschlechtslosen Ansätze gibt, ein Megatrend überhaupt. Das führt zu einer Vermischung, durch die im Endeffekt die Form, die Farbe oder das Material bei vielen Marken für alle passend sein können. Viele der Brillen von gestern Abend, ob Sonnenbrillen oder Korrekturbrillen, können sowohl von ihm als auch von ihr getragen werden. Und dann gibt es Marken wie Fendi oder Max Mara, die von Anfang an für Frauen konzipiert waren und deren Produkte zweifellos für Frauen gemacht werden. Aber wenn ich zehn Jahre zurückdenke, dann hat sich in dieser Zeit einiges an dem Vorgehen geändert. Bis vor fünf oder sechs Jahren wurde ganz klar zwischen den beiden Kategorien unterschieden und wenige Produkte hatten diese Anpassungsfähigkeit für beide Geschlechter. Jetzt sind sie viel verbreiteter und für viele Marken haben sie sogar Priorität. Das spiegelt unsere Gesellschaft und unsere Lebensweise wider. Viele Länder behandeln Frauen gleichwertig, die Menschheit entwickelt sich weiter und unser Bild von Familie auch. Es geht hier wirklich um eine menschliche Veränderung und das zeigt sich eben auch in kleinen Dingen wie einem Produkt.

Dank Nicolas Einblicken in die Welt des Eyewear-Designs haben wir verstanden, dass Brillendesign kein Kinderspiel ist – es mag einfach aussehen, mit starken Farben, trendigen Technologien und Materialien Aufmerksamkeit zu erhaschen. Aber das Image einer weltberühmten Marke aufzugreifen und es mit viel Fingerspitzengefühl zu adaptieren und zu modernisieren, das ist ein unglaublich komplizierter Prozess. Einer, den Safilo und sein Kreativdirektor Nicola Bonaventura als unangefochtene Experten perfekt beherrschen.

Fotos JORGEN AXELVALL
Styling KEITH WASHINGTON
Interview JUSTIN ROSS

 

Aerosyn Lex Mestrovic hat sich mit seinen faszinierenden Kalligraphie-Arbeiten einen Namen gemacht. Seine Leinwände interpretieren zahlreiche kulturelle Einflüsse neu und bieten eine innovative Perspektive sowohl auf seinen eigenen Background als auch auf unsere globalisierte Welt. Seitdem er seinen typischen Stil entwickelt hat, arbeitet Aerosyn Lex mit einem multimedialen Konzept, das gekonnt zwischen freier Kunst, Video, Mode und Produktdesign übersetzt.

Seine Fähigkeit, emotionale Themen in beeindrucke Kunstwerke und Designstücke zu verwandeln, wird von Institutionen wie dem New Yorker MoMa, dem Weißen Haus und dem SCOPE Art Award 2014 geschätzt. Er arbeitete auch mit bekannten zeitgenössischen Designern wie Kenzo, Givenchy und Public School zusammen.

Wir haben uns getroffen, um über seine Arbeiten in Kunst und Mode zu sprechen und mehr über das symbolische Konzept, das seine jüngeren Werke durchzieht, zu erfahren. Dieser vielseitige Künstler hält 2016 noch einige Überraschungen bereit: Es erwarten uns gewagte Parfums von Sixth Sense und ausgefeilte Konzept-Schokoladen in Zusammenarbeit mit dem Park Hyatt an einem unserer Lieblingsorte – Tokio, Japan.

Kannst du etwas über deine zweidimensionalen Arbeiten erzählen? Sie erinnern an Kalligraphie.

Die Grundlage für die Werke sind Sprache und Kommunikation, weil sie mich einfach faszinieren. Und alles ist durchwoben von Multikulturalismus. Meine Biographie spielt da auf jeden Fall eine Rolle – ich komme aus Argentinien, wurde dort geboren, aber aufgewachsen bin ich in Miami in den USA. Mittlerweile habe ich vierzehn oder fünfzehn Jahre in New York gelebt und bin hier zur Schule gegangen. Ich habe auch in Japan gelebt und bin viel gereist. Mein Vater kommt aus Osteuropa, aus Kroatien. Meine eigenen Erfahrungen sind sehr global und in einen multikulturellen Teppich gewebt.

Für mich ist spannend, wie Technologie diese Idee von kultureller Identität komprimiert und Kommunikation im Kern ein wichtiger Aspekt ist. Ich übe Kalligraphie, seitdem ich ein Kind bin. Kalligraphie repräsentiert unsere menschlichen Worte visuell, wie wir Geschichten erzählen, wie wir kommunizieren, und wie wir Wissen gespeichert haben und speichern. Tatsache ist, dass es in jeder Kultur visuelle Schlüsselelemente gibt, ob nun Arabisch oder Sanskrit oder etwas Westliches, oder mit Pinselstrichen, wie in Asien. Es ist spannend, all diese Dinge zu mischen und dabei doch eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen.

AEROSYN-LEX_03EYEWEAR VON MAX PITTION
BIGSBY 47.7 IN DUNKEL BRAUN
LEATHER JACKET PAJAMA TOP VON LOEWE
WHITE OXFORD SHIRT VON DIOR
KRAWATTE VON KITSUNE

Deine Werke sind sehr mutig, denn Kalligraphie ist eine sehr präzise Kunstform. Sie sieht ganz einfach aus, aber sie ist von vielen Regeln bestimmt. Du nimmst diese Technik und definierst sie mit deinem multikulturellen Ansatz neu, in einem ästhetischeren Sinne.

Du hast total Recht. Vor allem den östlichen Stil der japanischen Kalligraphie muss man perfekt beherrschen, sonst fällt es sofort auf. Man muss absolut im Moment sein und dafür braucht man Konzentration, Selbstvertrauen und Geistesgegenwart. Es steckt eine Ehrlichkeit darin, die man nicht vortäuschen kann. Als Kind war ich davon fasziniert. Diese irgendwie abstrakten, gestenhaften, sehr gefühlvollen Arbeiten habe ich schon immer geliebt.

Wie ist deine Arbeitsweise heute? Wie sieht dein Prozess aus, wenn du ein neues Bild anfängst?

Während ich male, bin ich immer im Moment, aber es gibt definitiv einen Plan und es gibt zahlreiche Versionen, bevor ich das finale Gemälde anfange. Bewusstsein spielt dabei eine große Rolle. Ich hatte eine Ausstellung mit einigen neueren Werken in Tokio, die aus zwei verschiedenen Perspektiven funktionieren mussten. Es gab diese Ansicht aus drei Metern Entfernung, aber wenn man direkt davor steht, spielen die Pigmente und Farben selbst sowie ihr Zusammenwirken eine ganz andere Rolle. Ich mache viele meiner Farben selbst und von Hand, um ganz bestimmte Sättigungsgrade und chemische Reaktionen auf das Papier zu bringen. Das fällt vielleicht nicht auf den ersten Blick auf, aber man kann sie lange Zeit betrachten und immer wieder neue Aspekte und Facetten in meinen Arbeiten entdecken.

Hast du deswegen damit angefangen, Live-Videos von deinen Gemälden aufzunehmen? Um dieses Wechselspiel der Pigmente einzufangen?

Auf jeden Fall. Das ist vor einigen Jahren aus einem Auftrag für die BBC und Channel 4 entstanden, bei dem ich einen Kurzfilm über meine Kalligraphie drehen sollte. Ich hatte vorher noch nie etwas mit Film gemacht, aber ich hatte die Gelegenheit und es war das Schwierigste, was ich in meinem Leben getan habe. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, Material für sechs Minuten Film zu produzieren. Ich wollte das Gemälde filmisch einfangen, aber das hatte ich einfach noch nie gemacht, also erfanden wir ein ganzes System und einen Prozess dafür. Ich habe extra die ganze Beleuchtung dafür entwickelt, mit einem Wandtisch und einer extrem hochauflösenden 5K-RED-Kinokamera, die die Bilder bis in die kleinsten Details aufnehmen kann. Diese Erfahrung hat mir wirklich neue Möglichkeiten eröffnet und sogar zu einer Ausstellung im MoMa geführt.

EYEWEAR VON MAX PITTON LIVINGSTON SIZE 47 IN BLACK INK
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NAVY PULLOVER VON KITSUNE
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Egal mit welchem Medium du arbeitest, alle deine Arbeiten verbindet deine konzeptuelle Arbeitsweise. Wie beeinflusst das dein Vorgehen, wenn du einen Ausflug von der freien Kunst in die Modewelt unternimmst?

Es gibt so eine Art Tabu, was Kunst in der Mode angeht, aber es gab immer Beispiele für erfolgreiche Experimente. Schiaparelli hat mit Dalí Schals designt, Yves Saint Laurent arbeitete mit Piet Mondrian zusammen, und jetzt macht Jeff Koons eine Kollektion mit H&M. Es gab immer Künstler in der Mode. Ich glaube, dass es erst jetzt normal geworden ist, seit Takeshi Murakami oder Stephen Sprouse für Louis Vuitton zum Beispiel. Ich persönlich liebe Mode, ich hänge an ihr; mein Interesse entspringt einer wahren Leidenschaft. Immer, wenn ich die Gelegenheit habe, an etwas zu arbeiten, sei es eine Modekollektion oder eine Skulptur oder ein Gemälde, investiere ich genau so viel Kreativität, Konzentration, Bedeutung und Überzeugung wie bei einer künstlerischen Arbeit. Alle sind gleich herausfordernd und erfüllend.

Könntest du dir vorstellen, mit einer Brillenmarke zu kollaborieren?

Das wäre super, so etwas habe ich bisher noch nicht gemacht. Während des Shootings für 4SEE bin ich das erste Mal mit Brillen so intensiv in Kontakt gekommen und es war ein sehr spannender Prozess. Machen wir’s!

Welche Rolle spielen Brillen bei deinem persönlichen Stil?

Ich beschäftige mich erst seit Kurzem damit. Ich habe gemerkt, dass Brillen sowohl ein Accessoire als auch etwas Praktisches sein können. Für mich waren Brillen bisher immer nur Gebrauchsgegenstände. Wenn man eine Brille braucht, dann trägt man eine, aber sonst nicht. Aber nachdem mir die Max Pittion-Brille so sehr gefallen hat, habe ich auch Interesse an den anderen Modellen und der ganzen Geschichte der Marke.

Erzähl mir etwas über deine aktuellen Projekte.

Zurzeit bin ich Teil eines vom Weißen Haus geförderten Programms namens „United States Japan Leadership Program”. Während meines zweijährigen Stipendiums arbeite ich mit Leuten vom Militär, Ärzten und Wissenschaftlern zusammen. Ich bin der einzige Künstler, das macht die Arbeit sehr interessant. Wir sind viel auf Konferenzen und in Kontakt mit Abgesandten, um eine stärkere Verbindung zwischen den beiden Nationen zu fördern. Die Arbeit ist auf jeden Fall spannend und macht Spaß.

Mein Hauptprojekt ist meine Duft-Kollektion, eine Reihe von Parfums, die bald erscheinen wird. Sie entsteht in Kooperation mit Sixth Sense, einer Marke, die es schon seit sieben oder acht Jahren gibt. Das Haus hat einige verschiedene Kollektionen und jedes Mal arbeiten sie mit angesagten Modedesignern zusammen. Als Alexander Wang gerade erst angefangen hatte, haben sie mit ihm einen Duft rausgebracht, genau wie mit Gareth Pugh, Domir Doma, Boris Bidjan und Juun J aus Korea. Gemeinsam haben wir ihre erste konzeptuelle Kollektion, „les potions fatales“, entwickelt. Insgesamt sind es neun Düfte, die alle auf giftigen Pflanzen basieren.

AEROSYN-LEX_04EYEWEAR VON MAX PITTON SHELBY IN BLACK SIZE 48
GRAUER NADELSTREIFEN BLAZER VON YOHJI YAMAMOTO
HEMD VON DIOR
GRAUE KRAWATTE VON KITSUNE

Zum Beispiel Schierling, den Sokrates trank, um Suizid zu begehen, Fingerhut, den man für Auftragsmorde benutzt, und Mohn, der natürlich mit Opium zusammenhängt. Ich habe die ganze Verpackung gestaltet, die Flaschen, die Illustrationen. Es passt alles zu dem Konzept der Düfte, denn es basiert auf Aposematismus. Das ist ein Fachbegriff für die Warnfarben von giftigen Tieren. Meistens sind die giftigen Laubfrösche und Schlangen auch die Tiere mit den leuchtendsten Farben. Wir haben dieses Konzept auf die sehr bunten Illustrationen übertragen und als Grundlage für die Verpackung der Kollektion genutzt. Sie wird in etwa einem Monat erscheinen und weltweit erhältlich sein.

In Japan arbeite ich gerade an einer Kollaboration mit dem Park Hyatt in Shinjuku. Es ist bekannt, weil “Lost in Translation” dort gedreht wurde. Als ich Silvester dieses Jahr dort gefeiert habe, habe ich den Geschäftsführer kennengelernt und wurde Frederico vorgestellt, dem Küchenchef, der genau wie ich aus Argentinien kommt. Wir haben uns sofort gut verstanden und hatten die Idee, eine Installation und gleichzeitig ein Produkt zu kreieren.  Also arbeiten wir jetzt gemeinsam an einer Serie von Schokoladen für das Park Hyatt. Wir schauen uns die Ursprünge von Kakao an, als für die Inka, Olmeken, Azteken und Maya Schokolade das Getränk der Götter war. Ganz anders als Schokoriegel, es war ein sehr bitteres Getränk, das sie würzten und für Opfergaben nutzten. Wir möchten etwas schaffen, das die beiden Kulturen verbindet, japanische und lateinamerikanische Kulturen. Neben einem vollen Ausstellungskalender sind das die beiden großen Projekte, an denen ich dieses Jahr arbeite.

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Fotograf Bert Spangemacher
Interview Justin Ross

Schwarz Dont Crack ist eine Band, deren ungewöhnlich kreative Kombinationen deutlich zeigen, dass sie aus Berlin kommt. Das ambitionierte Duo will die ganze Welt erobern – zwischen Berlin und New York bringen die beiden dafür dank Ahmads sanfter und verführerischer Stimme und Sebastians Ohrwurm-Beats die besten Vorraussetzungen mit.
Ihre neueste Single „Getaway” wurde gerade erst auf Spotify als Auskopplung aus ihrem kommendem Album im Sommer und vor ihrer anstehenden Tour veröffentlicht. Sebastian Kreis, die eine Hälfte von Schwarz Dont Crack, besuchte uns im 4SEE-Studio, um über das Leben in Berlin, die einzigartige Musik der Band und das neue Album mit Frontmann Ahmand Larmes zu sprechen. Und natürlich auch über seine Lieblingssonnenbrillen.

Justin: Du lebst in Berlin?

Sebastian: Ich bin jetzt seit sechs Jahren hier … viel zu lang!

Justin: Erzähl‘ etwas über dich, wo kommst du her?

Sebastian: Ich wurde in Ostdeutschland geboren, gar nicht so weit weg von Berlin, etwa 200km. Als ich zehn war, zog ich mit meiner Mutter nach Süddeutschland. Es war ziemlich langweilig da, eine kleine Stadt mit einfachen Leuten. Ich wollte schon immer Musiker sein, ich wusste also, ich muss in die große Stadt ziehen. Als Deutscher ist Berlin einfach die offensichtlichste Wahl, als erster Schritt jedenfalls.

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Justin: Hast du eine musikalische Ausbildung oder bist du Autodidakt?

Sebastian: Ich habe mir alles selbst beigebracht.

Justin: Was für Musik wolltest du spielen können, elektronische?

Sebastian: Das kommt drauf an, es gibt auf jeden Fall eher organische Elemente in meiner Musik, aber für dieses Projekt mit Schwarz Dont Drack sollten es vor allem elektronische Klänge sein. Es gibt Tage, an denen fange ich mit einem Synthesizer an, und am nächsten probiere ich vielleicht Schlagzeug-Sounds aus, das ist immer verschieden. Ich mache einfach, was sich in dem Moment richtig anfühlt.

Justin: Manche würden Schwarz Dont Crack als Synth-R&B beschreiben. Was hältst du davon?

Sebastian: Ich mag alle möglichen Genres… außer vielleicht Ska [lacht]. Ich mag R&B auf jeden Fall, aber ich weiß nicht, ob unsere Musik reiner R&B ist. Auf gewisse Weise ist jedes Lied ein Popsong. Ob es dann R&B oder eher elektronisch ist, das liegt an der Produktion. Ich denke, wir bewegen uns irgendwo zwischen elektronischer Musik, R&B und Pop. Für mich ist wichtig, dass die Musik ein spannendes Element besitzt, die Bezeichnung ist mir nicht so wichtig.

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Justin: Wie fing das Projekt Schwarz Dont Crack an? Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Sebastian: Tatsächlich habe ich eine Anzeige auf Craigslist gelesen. Ahmad hatte gepostet, dass er einen Produzenten für eine Kollaboration sucht. Ich habe ihm geschrieben und ein paar meiner Tracks geschickt. Dann haben wir uns getroffen und sofort unser erstes Lied “Day By Day” geschrieben, das dann auch auf unseren ersten EP landete. Seitdem machen wir gemeinsam Musik.

Justin: Wie lange ist das jetzt her?

Sebastian: Das war jetzt schon vor vier oder fünf Jahren.

Justin: Lebt Ahmad auch in Berlin oder wie arbeitet ihr zusammen?

Sebastian: Ja, er lebt auch in Berlin. Er hat einige Zeit in Paris gewohnt, aber jetzt ist er in Berlin. Meistens schicke ich ihm ein paar rough Tracks, er entwickelt ein paar Ideen und dann bringen wir alles zusammen. Es ist ziemlich unkompliziert. Er schreibt einen Text dazu und wir arrangieren es gemeinsam. Dann feile ich an der Produktion, bis das Lied zu 90 Prozent fertig ist. Schließlich wählen wir die Songs aus, die wir veröffentlichen wollen, und nehmen den Gesang neu auf, um die beste Qualität zu erreichen.

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Justin: Was hat es mit eurem Namen Schwarz Dont Crack auf sich, wo kommt er her?

Sebastian: Wir waren auf einer Party mit einem von Ahmads amerikanischen Freunden, und die beiden fanden das Wort schwarz superwitzig, wahrscheinlich wegen des Klangs. Ahmad kam zu mir und sagte: „Lass uns unser Projekt ‚Black Don’t Crack‘ nennen.” Aber da die beiden die ganze zeit über schwarz lachten, haben wir ‚Schwarz Dont Crack‘ daraus gemacht und blieben dabei.

Justin: Der Name scheint ziemlich passend zu sein, weil ihr so ein Hybrid seid, du bist Deutscher, er ist Amerikaner, er ist schwarz, du bist weiß, und euer Sound zeichnet sich auch durch Fusionen aus.

Sebastian: Ich mag den Namen wirklich gern, denn viele Leute finden den Namen großartig und viele andere Leute finden ihn fürchterlich. So eine polarisierende Eigenschaft ist immer gut.

Justin: Erzähl mir von eurer neuesten Single, „All My Love”.

Sebastian: Tatsächlich haben wir eine neuere Single, die gerade erst letzte Woche erschienen ist: „Getaway” ist die erste Single-Auskopplung unserer neuen Platte.

Justin: Geht ihr mit dem neuen Album auf Tour?

Sebastian: Wir werden im Juli auf dem Melt! Festival auftreten. Und werden dann auch um den Albumrelease herum touren.

Justin: Wann wird das neue Album erscheinen?

Sebastian: Es wird Anfang August veröffentlicht.

Justin: Wie ist dein Kleidungsstil, wie würdest du ihn beschreiben?

Sebastian: Ich glaube, ich bin ein wenig von den Rolling Stones beeinflusst. Meistens gehe ich einfach in irgendeinen Secondhand-Laden, aber ich lande immer in der Frauenabteilung und suche nach auffälligen Mustern, Drucken und Farben. Ich mag den Keith Richards-Vibe aus den späten 60ern und frühen 70ern.

Justin: Trägst du eine Brille?

Sebastian: Ich glaube, ich brauche bald eine Brille! Als ich auf dem Weg hierher war, ist mir aufgefallen, dass ich in der Entfernung nur unscharf sehe, also sollte ich wohl mal zum Augenarzt gehen! Im Moment bleibe ich aber bei Sonnenbrillen.

Justin: Was für Sonnenbrillen magst du?

Sebastian: Mir gefallen klassische Modelle wie die von Ray-Ban und Vintage-Brillen.

Der warme Sound von Schwarz Dont Crack begeistert Fans und berührt die Seele. Energetische Beats verleihen den Songs Frische und vereinen die aufeinanderprallenden Kulturen zu einem musikalischen Traumpaar. Sebastians Liebe zu bunten Mustern und Vintage-Stücken aus den 70ern macht aus seinem Look modische Superlative. Er bildet das perfekte Pendant zu Ahmad, der den für New York typischen Street-Wear-Stil perfektioniert hat. Das Duo könnte in vielen Punkten nicht gegensätzlicher sein, aber seine Zusammenarbeit ist Musik in unseren Ohren.

Uta Geyer von Lunettes Selection
Text CHARLOTTE KRAUß

Auf der Suche nach einer Brille für sich selbst hatte Uta Geyer, die einen ausgesprochenen Faible für Vintageobjekte, Flohmärkte und Secondhand-Shops besitzt, ganz bestimmte Vorstellungen.
Es sollte ein Designklassiker sein, markant und eigenständig. Im Jahr 2005, als schmale, dezente Gestelle und Lizenzmarken mit offensichtlichen Logo den Markt bestimmten, keine leichte Aufgabe.

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Die Idee, einen eigenen Store für ungetragene Vintage-Modelle zu eröffnen, entstand. „Gute, ungetragene Vintage-Brillen aufzuspüren, ist Detektivarbeit. Gerade am Anfang war das sehr spannend und zeitaufwendig.“ Mittlerweile wird ihr Know-how auch von Film- und Theaterproduktionen geschätzt.

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Die Liebe zu den Klassikern hat Uta schließlich zu ihrer eigenen Kollektion geführt. Die Modern Classics von Lunettes Kollektion zitieren die Ästhetik und Produktionstechnik ihrer Vintage-Vorgänger und zelebrieren gleichzeitig den urbanen Look der Berliner Kreativszene. In Tokio gewann sie dafür den „Eyewear of the Year Grand Prix“.

Sowohl die alten Fundstücke als auch Utas eigene Designs von Lunettes Kollektion versprühen zeitlosen Charme. Besonders beliebt ist ein alter Klassiker: „Die Pantobrille mit ihrer abgerundeten Form ist immer noch sehr stark gefragt bei uns, sei es in Metall oder Acetat. Beim Acetat gibt auch einen Trend zu natürlichen, organischen Farben. Tabak, Toffee, Whiskey… Bei Sonnenbrillen nehme ich eine starke Tendenz zur Exzentrik wahr, durch Gucci sind zum Beispiel gelbe Gläser wieder en vogue – das gab es schon lange nicht mehr.“

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LUNETTES SELECTION
Torstr. 172
10115 Berlin
Tel +49 03 2021 5216
www.lunettes-selection.de

Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Lunettes Selection

Fotos Bert Spangemacher
Interview Justin Ross

Eloquent, bedacht und aufrichtig – diese drei Eigenschaften der Band Son Lux zieht ihre Fans in die sorgsam gezeichnete Welt von Ryan Lott, Ian Chang und Rafiq Bhatia. Als wir die Musiker von Son Lux treffen ist uns sofort klar, warum: Ryan hat eine ehrliche und authentische Stimme gepaart mit einer intelligenten und intuitiven Herangehensweise an Musik. Eine willkommene Abwechslung vom mechanischen und überproduzierten Rauschen der Popmusik. Ryans Sound klingt so vertraut, auf eine beruhigende, fast natürliche Weise, weil er sich einer Vielzahl von Tropen, Genres, Kompositionsstilen, changierend zwischen Klassik bis zeitgenössischer Elektromusik, bedient. Son Lux erforscht Kontraste und findet Inspiration in allem was uns umgibt.

Wir haben uns mit der Band im Rahmen ihrer Europa-Tour in Berlin getroffen, wo sie gerade ihr neues Album Bones bewerben. Die Jungs haben uns verraten, dass hier zu spielen etwas von nach Hause kommen für sie hat: Das allererste Mal, dass das Trio zusammen als Son Lux auftrat, war im Bi Nuu, der Ort an dem wir gerade sitzen um über ihre Tourerfahrungen, ihre einzigartige Herangehensweise an Musik als Kollaboration und ihr unvergleichliches Stilgefühl zu sprechen.

Ian
ic berlin! BLANCA F. Black
Ryan
ic berlin! GÜLICH Ü. Matt Gold
Rafiq
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Justin: Wie fühlt es sich an, wieder in Berlin zu sein?

Ryan: Ziemlich cool. Ich freue mich auf heute Abend, unser erstes Konzert hier hat viel Spaß gemacht, aber ich denke, dass wir seit dem letzten Mal viel besser geworden sind und jetzt ist es eine andere Art Konzert. Es ist unser ganz eigener Auftritt.

Justin: Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Ryan: Nun, ich habe Rafiq zuerst getroffen [in New York]. Wir haben einige gemeinsame Freunde, ein paar Musikerfreunde, und wir haben uns tatsächlich online kennen gelernt…

Rafiq: Auf Tinder [lacht.].
Er schrieb mir eine E-Mail, ob ich nicht ein Konzert mit ihm spielen wolle, und ich konnte nicht, aber ich hörte mir seine Musik an. Sie war absolut fantastisch und ich merkte sofort, dass sie ganz einzigartig konstruiert war und ich mich ihr sofort verbunden fühlte und das passiert wirklich selten.

Justin: Du hast dich selbst in ihr wiedergefunden.

Ryan: Ja, genau. Also, unglücklicherweise konnten wir dieses Konzert nicht zusammen spielen, aber ich bat ihn um eine Kollaboration auf Lanterns, unserem ersten Album, an dem ich zu der Zeit arbeitete. Kurz darauf machte ich die Musik zu einem Films namens The Disappearance of Eleanor Rigby und Rafiq hat auch dazu einen großen Teil beigetragen. Das lief aber alles über’s Internet. Wann haben wir uns persönlich kennen gelernt?

Ryan
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Rafiq: Erst nach einer ganzen Weile. Wir haben einmal auf Skype zwei Stunden nur gequatscht, ich habe die ganze Zeit blöde Witze erzählt. Das hat Spaß gemacht. Wir haben uns nicht in echt getroffen bis wir mit den Proben für diese Joe’s Pub-Auftritte [in New York] anfingen.

Ryan: Und irgendwann brauchte ich eine Band, um mit Lanterns auf Tour gehen zu können. Also, ich wusste sofort, dass ich mit Rafiq zusammenarbeiten wollte und dass er dabei helfen würde, das Ensemble zu füllen. Und dann hat er mit Ian zusammengearbeitet. Ian spielt und spielte in unzähligen Bands und hatte viele Videos von sich und ich schaute sie mir an. Was mich an Ians Art faszinierte, war, dass er wie ein Chamäleon ist. Er kann diesen total kranken, improvisierten Avantgarde-Jazz spielen und gleichzeitig auch richtig mechanistischen elektronischen Scheiß auf Drumpads und akustischem Schlagzeug. Und er kann gut mit Click spielen, das ist ein Mini-Metronom im Ohr, und man kann organisch zusammenspielen, weil man denselben Takt im Ohr hat, und das kann nicht jeder Musiker. Das war noch so eine Fähigkeit, von der ich wusste, dass wir sie gut gebrauchen konnten.

Sobald wir mit den Proben anfingen, hatte ich großes Vertrauen in diese Jungs. Mir selbst habe ich nicht so sehr vertraut, weil ich noch nicht viele Konzerte gespielt hatte. Aber wir haben ziemlich schnell vier Proben auf engstem Raum absolviert und dann hier [Bi Nuu in Berlin] vor vollem Haus gespielt.

Justin: Ihr habt gesagt, ihr habt viel online zusammengearbeitet, bevor ihr euch getroffen habt – jetzt, wo ihr so viel Zeit zusammen verbringt, hat sich eure Arbeitsweise verändert?

Ryan: Weißt du, wir arbeiten immer noch viel online. Viel von der Musik für Son Lux entsteht immer noch sehr privat, in sehr abgefahrenen Phasen persönlichen Experimentierens. Aber wir tauschen uns immer über unsere Ideen aus. Selbst gestern Nacht sind wir unsere Sprachnotizen auf unseren Handys durchgegangen und haben diese und jene Ideen wiedergefunden. Oh, schick mir das, sowas; und so sind wir uns immer der Möglichkit bewusst, dass jeden Moment eine großartige Idee entstehen könnte, und wenn wir zusammen sind, entstehen ziemlich viele gute Ideen.

Ian: Überraschend viele Ideen für gute Lieder sind beim Soundcheck entstanden, oder einer von uns spielt einfach etwas und ein anderer spielt dazu. Das macht immer viel Spaß.

Ian
BARTON PERREIRA TRUMAN Matte Stonehenge

Justin: Wie wirkt sich die Tour auf euren kreativen Prozess aus? Nehmt ihr etwas aus den Orten mit, an denen ihr spielt?

Ryan: Als Trio hat die Tour unseren kreativen Prozess erst angestoßen, denn ursprünglich war Son Lux mein persönliches Projekt und die Band entstand nur als meine Liveband. Aber dann stimmte die kreative Chemie zwischen uns einfach, während wir Tag ein, Tag aus zusammen waren, und diese Chemie gab mir einfach neues Leben und kreatives Leben. So verwandelte sich die Liveband von Son Lux in ein echtes Trio.

Justin: Der nächste Schritt also.

Ryan: Ja, und für mich, wenn ich darüber nachdenke, mit Son Lux Musik zu machen, dann geht es nicht nur darum, auf was für Ideen ich mit meinem eigenen Gehirn und in meiner eigenen kleinen Kammer komme, aber es schließt das auch nicht aus, was ziemlich cool ist. Es gibt diesen persönlichen, heiligen Raum immer noch, und das ist großartig zum Musik machen, er ist nur vergrößert.

Justin: Und geteilt. Wo befindet sich dieser heilige Raum für dich? Wohin gehst du, um dich auf die Produktion zu konzentrieren?

Ryan: Ich habe mein eigenes Studio in meinem Apartment in Brooklyn, und Rafiq hat jetzt sein eigenes Studio.

Rafiq: Ja, habe ich! Es ist super.

Rafiq
THOM BROWNE

Ryan: Dieser Mann [Ian] hat gerade mal ein eigenes Bett, denn er ist immer auf Tour, immer unterwegs. Für ihn ist der Raum wohl sein iPhone.

Ian: Ja, mein Telefon ist mein heiliger Raum.

Ryan: Ich meine, es ist so unglaublich, was man jetzt alles tun kann und dabei so wahnsinnig mobil bleibt. Ideen entstehen wirklich aus einem Telefon oder einer App, einer Beat-App, aus einer Sprachnotiz, mit der man eine gesummte Melodie aufgenommen hat.

Justin: Wie bereitet ihr euch auf einen Auftritt vor, habt ihr irgendwelche Rituale oder Routinen?

Rafiq: Uff, ja, weißt du, wir haben seit letztem Januar 200 Konzerte gespielt.

Ryan: 230 oder 240 Konzerte mittlerweile.

Rafiq: Mit einer vier Kilogramm schweren Gitarre auf der Schulter und ziemlich athletischen Bewegungen habe ich mit der Zeit meine Schulter echt ermüdet. Ich hatte so ein taubes Gefühl und ganz komische Sensationen in meinen Armen, also mache ich Dehnübungen für meinen Oberkörper, bevor wir spielen. Also auf der körperlichen Ebene ist das eins. Wir sind aber alle ziemlich entspannt und bevor wir auf die Bühne gehen, umarmen wir uns. Eine Gruppenumarmung, bevor wir rausgehen.

Justin: Das ist schön.

Rafiq: Weißt du, irgendwas daran ist besonders, es ist eine kleine Sache, aber irgendwie besonders. [Alle stimmen zu.] Einmal haben wir es nicht gemacht und es bei dem Konzert alle gemerkt.

Ryan: Das haben wir gemacht?

Rafiq: Ja, bei diesem einen Konzert.

Justin. Nie wieder! Erzählt mir mehr über euren Stil … was braucht ihr, damit ihr euch wohlfühlt?

Ian: Ich trage eine Brille, seitdem ich fünf bin, und als ich ein Jahr lang Kontaktlinsen ausprobierte, konnte ich mich nicht dafür begeistern… ich bin echt fast blind. Ich werde total müde, wenn ich mit meinen Augen nicht scharf stellen kann und es ist alles ziemlich dunkel, also sind Brillen für mich wirklich wichtig. In letzter Zeit trage ich immer ein Paar Stiefel. Ich glaube, ich trage diese Palladium-Stiefel schon ewig, vor allem auf Tour, ich packe immer nur wenig ein.

Rafiq
THOM BROWNE
Ryan
MOSCOT
Ian
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Rafiq: Ja, wenig ist untertrieben, er lebt aus einem Koffer. Und da ist immer noch Platz drin. Es ist wie die Tasche bei Harry Potter.

Justin: Ihr trag alle eine Brille?

Ryan: Ich mag sie auf jeden Fall lieber als Kontaktlinsen.

Rafiq: Ich habe Kontaktlinsen noch nichtmal ausprobiert.

Ryan: Ich habe mal weiche Kontaktlinsen einen Tag lang ausprobiert und zwei an einem einzigen Tag kaputt gemacht, da meinten meine Eltern, dass wir uns das nicht leisten können, und ich war total verzweifelt. Also habe ich dann eine Brille bekommen und habe mein ganzes Leben lang ziemlich furchtbare Brillen getragen, bis ich meine Frau kennenlernte und sie mich dazu brachte, mir eine coole Brille zu kaufen und das ist jetzt die, die ich trage.

Justin: Was für coole Brillen?

Ryan: Die hier ist von Moscot und wirklich uralt. Ich habe die schon seit sieben Jahren! Ich brauche eine neue, aber weißt du, ich glaube, ich kaufe die hier einfach nochmal.

Justin: Das ist deine einzige, du hast keine Ersatzbrille?

Ryan: Ich habe noch eine Custom-Moscot, die ist durchsichtig und hat dann oben am Rand einen rotbraunen Farbverlauf, und dann ist sie noch in Schwarz getaucht, also sieht sie ziemlich einzigartig aus. Und meine Sonnenbrille ist auch von Moscot, aber die ist lemtosh.

Justin: Woher kommt der Name Son Lux?

Ryan: Ursprünglich wollte ich einen Namen für das Projekt, das ich gerade entwickelte. Ich habe nach Pop-Redewendungen gesucht, und auch nach abenteuerlicheren, experimentelleren Ideen, und wollte eine Fusion aus den Beiden schaffen. Ich mochte die Idee, nicht meinen eigenen Namen zu benutzen. Und mittlerweile bin ich besonders dankbar, dass ich das nicht getan habe, weil wir jetzt ein Trio sind. Mir gefiel die Idee, einen zweiteiligen Namen zu nehmen, weil es sich persönlicher anfühlt, so wie Vorname, Nachname. Ich habe mit einfachen und symmetrischen Worten herumgespielt, weil mir das grafisch wichtig war. Das Wort Lux, das ist Latein für Licht, ist ein besonderes Wort, es kommt aus einer toten Sprache und ist so abgeschlossen und bewegend und spezifisch. Und dann das Wort Son oder Sōn, im Englischen fühlt es sich so vertraut an, wie Sohn, wie bei Sohn und Tochter, und hat dieses sehr offene Gefühl. Son fühlt sich offen an und ironischerweise sogar irgendwie heller als das Wort Lux. Ich wollte symmetrische Worte, die von sich aus kontrastieren. Denn das ist es, was wir musikalisch immer schaffen wollen, spannende Kontraste finden, die sich trotzdem symmetrisch anfühlen.

Justin: Das ist spannend, denn als ich deinen Tumblr sah, löste er so ein Gefühl in mir aus, mit sich kontrastierenden Texturen und gleichen Formen. Und jetzt verstehe ich, warum man euch als intellektuellen Pop bezeichnet, das war eine tiefgründige Antwort, vielen Dank dafür!

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FOTOGRAF: GERALD LE VAN CHAU
STYLIST: KEITH S. WASHINGTON

Nach zahllosen Remixen und herausragenden Auftritten von Mexiko bis Tokio hat das Pariser Elektro-Duo Jupiter, Quarles und Amelie, sein zweites Album “Bandana Republic” bei Kitsune Records veröffentlicht. Zum ersten Mal haben Jupiter ein Album in Los Angeles und Paris aufgenommen.

4SEE hat es mit den Asisstenten des dekadenten Privatgartens des Hôtel Particulier Montmarte in Paris geschaftt, Jupiter für ein aufschlussreiches Interview zu treffen.

Wenn ihr in einer Coverband sein könntet, wer würdet ihr sein?
Quarles: Guns N Roses, ich würde wahnsinnig viel Spaß an Slashs Riffs haben.
Amelie: The Doors, meine Ray Manzarek-Imitation ist super.

Euer Lieblings-Cartoon als Kind?
Quarles: Teenage Mutant Ninja Turtles! Von denen bin ich total besessen.
Amelie: Ich auch! Ich wollte nie Pizza essen, bis ich den Cartoon sah. Das war eine große Offenbarung!

Wie viele Platten besitzt ihr so ungefähr zusammen?
Wir beide zusammen bestimmt so 150 LPs.

Was wäre euer Name als Pornostar? Der Nachname ist die Straße, in der ihr großgeworden seid, und der Vorname der Name eures ersten Haustiers.
Quarles: M Schumann.
Amelie: Laska Joffre.

Euer Lieblingskeyboard?
Quarles: Roland Jupiter 8, es ist so vielseitig und gleichzeitig kräftig und es hat auch noch einen großartigen Namen!
Amelie: Das Gleiche!

jupiter_story03AMELIE: Sunglasses by FENDI PARADEYES Colour White Jumpsuit by TOGA QUARLES: Abstract Ice Blue sunglasses by DIOR Style Abstract. Metallic Leather Jacket by John Lawrence Sullivan Jeans by A.P.C and T-shirt Vintage.

Wenn ihr einen Track mit einer Person eurer Wahl, egal ob lebend oder tot, aufnehmen könntet, wen würdet ihr euch aussuchen?
Quarles: Eazy-E, er ist gerade überall in den Medien nachdem man ihn 20 Jahre lang quasi vergessen hat.
Amelie: Vielleicht Lee Hazlewood?

Es ist 7 Uhr morgens bei einer After-Party, was bestellt ihr: Champagner oder Wein?
Quarles: Champagner. Der Kater ist viel besser!
Amelie: Auf jeden Fall Champagner.

Wie bereitet sich Jupiter auf einen Auftritt vor?
Quarles: Ich übe meinen Gesang. Es gibt immer etwas zu verbessern wenn man mich fragt.
Amelie: Ja, wir machen Gesangsübungen zusammen und singen Harmonien.

jupiter_story04AMELIE: White sunglasses by Fendi Style: Paradeyes Leather Jacket by TOGA Jean skirt and T-shirt vintage.

McDonalds oder Burger King?
Quarles: Burger King. Witzigerweise warte ich jetzt schon seit über 10 Jahren darauf, dass sie nach Frankreich zurück kommen. Aber jetzt ist es mir fast schon egal…
Amelia: Ehrlich gesagt keiner von beiden. Ich mag lieber In-N-Out!

Eure Lieblingssonnenbrille?
Quarles: Die zusammenklappbare Ray-Ban Wayfarer. Die ist die größte Brille, die sie haben, und ich habe einen riesigen Kopf. Die sieht auch noch gut aus.
Amelie: Tut mir leid, ich hab keine, ich nehme immer eine andere!

Was war euer Berufswunsch in der Schule?
Quarles: Ich wollte für die Vereinten Nationen arbeiten. Den Klimawandel mit Recht und Politik bekämpfen. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich viel besser bei etwas sein würde, das mir auch wirklich Spaß macht. Vielleicht sollte ich mich deswegen schlecht fühlen?
Amelie: Ich wollte Theaterschauspielerin werden, obwohl ich nie wirklich die Theater-Kurse belegt habe.

jupiter_story01AMELIE: White sunglasses by Fendi Style: Paradeyes Leather Jacket by TOGA Jean skirt and T-shirt vintage. QUARLES: Abstract Ice Blue sunglasses by DIOR Style Abstract. Metallic Leather Jacket by John Lawrence Sullivan Jeans by A.P.C and T-shirt Vintage.

Als Inspiration für euer neuestes Album “Bandana Republic” wart ihr in Kalifornien. Was war euer Lieblingserlebnis dort?
Wir waren in den Bergen im Kings Canyon wandern und einmal waren es einfach nur wir zwei oben auf einem Berg und die Stille. So klischeehaft es auch sein mag, es hat sich unglaublich angefühlt und war so inspirierend!

Wo tretet ihr am liebsten auf?
Mexiko! Eindeutig das beste Publikum! Außer vielleicht Japan, aber wir haben bisher nur einmal in Japan gespielt.

Wer kriegt den Fensterplatz wenn ihr auf Tour seid?
Quarles: Ich darf immer am Fenster sitzen, damit ich meinen Kopf anlehnen kann, weil ich sofort einschlafe, sobald ich mich hinsetze.
Amelie: Ich fliege nicht gern, also sitze ich immer am Gang, damit ich mich sicherer fühle. (Irgendwie ergibt das Sinn für mich!)

jupiter_story02AMELIE: Sunglasses by FENDI PARADEYES Colour White Jumpsuit by TOGA

BANDANA REPUBLIC von JUPITER auf iTunes
https://itunes.apple.com/us/album/bandana-republic/id975627879

www.wearejupiter.com

AUFGENOMMEN IM:
HOTEL PARTICULIER MONTMARTRE

Das Hôtel Particulier Montmartre ist ein winziges Hotel in Paris und eine großartige visuelle Überraschung, versteckt gelegen im aufregenden Arrondissement Montmarte. Einst Heimat der Hermès-Familie, öffnete das Hotel 2007 seine Türen für die Öffentlichkeit. Eingerahmt durch einen privaten Garten bietet das Hotel fünf Suiten, ein französisches Restaurant und eine Cocktailbar namens Le Très Particulier. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Hotel zu einem einzigartigen Ort, einer Ruheoase für alle, die auf der Suche nach neuen Erfahrungen sind, und zum inspirierenden Rückzugsort vieler Künstler.
www.hotel-particulier-montmartre.com

Fotos BERT SPANGEMACHER
Text JUSTIN ROSS

Ob Bühne, Leinwand, Stil: SUSANNE WUEST ist und bleibt eine Ikone

Die Wiener Schauspielerin wurde bereits wohl wollend mit der ehrwürdigen Tilda Swinton verglichen und als ihre “jüngere Schwester” bezeichnet. Dieser Vergleich scheint passend, denn, wie Tilda, hat Susanne schon eine illustre Karriere sowohl im Film als auch auf der Bühne hinter sich. Bereits in jungen Jahren hat die Schauspielerin herausfordernde Rollen angenommen, die sie von der Bühne auf die Leinwand und zurück führten. Ihr Durchbruch gelang 2005, als sie die Hauptrolle in der von Götz Spielmann gedrehten österreichischen Einreichung für die Academy Awards, “Antares”, spielte.

Sie engt sich nicht auf Mainstream-Kinoproduktionen ein, sondern wagt sich auch in die verlockende Welt der Videokunst hinaus, etwa als sie dem Werk “Pepperminta” der schweizerischen Künstlerin Pipilotti Rist im Jahr 2009 ihre Stimme lieh. Ihre ehrliche und direkte Art zu spielen ist es, die ihr heutzutage Hauptrollen in sowohl deutschen als auch internationalen Filmen einbringt. Eine solche Hauptrolle spielt sie auch in “Goodnight Mommy” (“Ich sehe, Ich seh” auf Deutsch), einem von der Kritik gefeierten Psycho-Thriller der Regisseure Veronika Franz und Severin Fiala, der nach einer erfolgreichen Festival-Saison bereits jetzt Kultstatus erreicht. Wer weiß, was die Zukunft für diese talentierte junge Schauspielerin noch bereit hält, aber egal was kommen mag, es wird ihre große und stetig wachsende Fangemeinde sicher nicht enttäuschen.

Susanne.Wuest
MONCLER MC546S04
MISSONI MI811S02 Pink-Mltcol
ROBERT LA ROCHE CBGB Dark Chocolate Brown
FENDI FF092/S Blue Havana

Fotos CHRISTOPH NEUMANN
Interview JUSTIN ROSS

TOKiMONSTA aka Jennifer Lee mag zwar wie ein Monster klingen, aber in Wirklichkeit ist sie ein Star, und ein hinreißender dazu.Die aus Los Angeles stammende Künstlerin hat eine Fangemeinde, die den gesamten Globus umspannt, um sich gesammelt, während sie weiter mit ihrem einzigartigen Musikstil Grenzen überschreitet. Ihre Kollaborationen ziehen Zuhörer an, und das zu Recht, denn sie mischt mühelos und harmonisch eine Vielzahl an Stilen und bildet damit eine Klasse für sich.

Das pausenlose Tempo des Lebens eines Weltenbummlers mit aneinander gereihten Auftritten, jeden Abend in einer anderen Stadt, kann seinen Tribut fordern, dennoch überstrahlen die belebenden Eigenschaften ihrer Musik diese Tatsache, da ihre eigene übersprudelnde Persönlichkeit durch sie hindurchscheint.

TOKiMONSTA hat uns während ihrer Europa-Tour in Berlin getroffen. Bevor sie an diesem Abend im Gretchen auftritt, ist sie für uns noch einmal schnell vor die Tür getreten, um die neuesten Stücke von Etnia Barcelona zu präsentieren. Die Fotos haben sie mit ihren neuen Lieblingsaccessoires in all ihrer goldenen Pracht eingefangen. Und als sie sich mit uns hinsetzte, kam ihr wahrer Charakter zum Vorschein. Als DJ und Produzentin mag sie die Massen ins Haus bringen, aber was man wirklich nicht vergisst, ist ihr lebendiges Stilempfinden.

Wie hast du angefangen, als DJ und Produzentin eigene Musik zu machen?
Ich denke, es war ein natürlicher Prozess, Musikfan zu sein und mit Klavierstunden aufzuwachsen. Dann, als ich aufs College kam, schlug mir ein Freund vor, Musik selbst zu produzieren. Ich war total davon begeistert, und ab da ging es einfach weiter.

Nachdem ich mir einen Ruf als Produzentin und Musikerin aufgebaut hatte, fing ich als DJ an, denn so können die Menschen einem beim Arbeiten zusehen. Deswegen habe ich angefangen, live aufzutreten.

Produzieren ist nerdiger als als DJ aufzutreten, bist du ein Nerd?
Schon ein bisschen, ehrlich gesagt. Ich bin manchmal ein ziemlicher Nerd. Sobald ich produziere, bin ich komplett drin, so bleibe ich bis zu acht Stunden am Stück im Studio und esse und trinke nichts oder gehe nicht mal auf die Toilette, bis ich fertig bin.

TOKiMONSTA_Interview_02
Woher kommt der Name TOKiMONSTA?
‚Toki‘ heißt Hase auf Koreanisch und ‚Monsta‘ ist einfach eine Abwandlung von ‚Monster‘, denn ich fand das supercool! Das war vor langer Zeit schon mein Online-Nickname, darin zeigt sich wohl meine nerdige Seite … einen Chatnamen auch als Künstlernamen zu benutzen. Am Anfang war es ein bisschen willkürlich, aber der Name hat für mich definitiv an Bedeutung gewonnen und jetzt verkörpere ich ihn richtig und er kennzeichnet die Musik, die ich mache.

Du machst neue Sounds aus recht klassischen Einflüssen, woher kommt das?
Wenn es um musikalische Einflüsse geht, gibt es für mich so viele, aber die Musik Richtungen, die den größten Einfluss auf meine Produktionen hatten, sind wirklich Hip Hop und Rap. Ich denke, um ein paar große Einflüsse zu nennen, DJ Shadow wäre jemand, J Dilla, der Produzent.

Ich mag Aphex Twin sehr gerne, und einfach zusammengewürfelte Rave-Sachen, die ich mir angehört habe, sowas wie Drum ’n‘ Bass, als ich 14 war und mich nachts aus dem Haus geschlichen habe.

Was hat dich dieses Mal nach Berlin geführt?
Heute Nacht spiele ich im Gretchen. Das wird mein dritter Auftritt dort sein, glaube ich. Es ist ein toller Club. Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte, um zu spielen oder einfach nur um dort zu sein.

Ist es anders, für das Berliner Publikum zu spielen?
Es ist anders als an anderen Orten in Europa, weil viele Leute, die zu deinem Auftritt kommen, junge Auswanderer sind und Menschen, die aus anderen Teilen Europas kommen. Ich habe immer das Gefühl, dass Leute, die mutig genug sind, um in ein anderes Land zu ziehen und dort zu leben, etwas in ihrem Kopf haben, das sie abenteuerlustiger macht. Sie sind wirklich weltoffen. Das ist eine tolle Sache an dieser Stadt.

TOKiMONSTA_Interview_01
Welche Elemente führen zu einer großartigen Clubnacht?
Weil ich viel auflege, macht ein gutes Soundsystem einen großen Unterschied für mich. Ich mag Clubs, in denen es etwas schmutzig und dunkel ist, aber es guten Sound gibt, das mag ich wirklich. Die Menschen machen auch einen großen Unterschied, aber ich mag Orte, an denen man alleine einen guten Musiker oder DJ hören und trotzdem eine schöne Zeit verbringen kann.

Und als DJ, wie weißt du dann, dass es gut läuft?
Meine Arbeitsweise als DJ ist nicht wie bei einem typischen DJ. Menschen kommen, um mich zu sehen, weil sie wissen, dass ich etwas tue, das sehr meiner Person entspricht … Ich werde nicht einfach all ihre Lieblingslieder spielen. Das Publikum ist großartig, wenn es versteht, was ich zu tun versuche, selbst wenn es etwas esoterisch sein mag.

Du hast auch einen ganz eigenen Look und Stil. Was sind deine Lieblingsstücke?
Für mich, gerade im Moment, sehr viel Handschmuck und Statement-Ketten, und immer Sonnenbrillen. Das sind die Hauptsachen. Ich mag die Idee, Accessoires zu verwenden, vor allem bei Outfits. Es macht so einen großen Unterschied. Ich könnte das Gleiche tragen wie jemand anderes, aber die Accessoires sind das, was dich abhebt.

Trägst du Sonnenbrillen bei Nacht?
Ab und zu, falls ich eine Sonnenbrille habe, die ich liebe, wie diese mit den grünen Linsen, die ich habe, die kann ich guten Gewissens nachts tragen.

Wie viele Sonnenbrillen besitzt du?
Das weiß ich nicht … es sind zu viele, um sie zu zählen!

Dein Jet-Lag-Hilfsmittel?
Ich wünschte, ich hätte eines! Falls jemand etwas kennt, sagt mir Bescheid!

Hast du jemals frei?
Ich hatte in Paris vier Tage frei. Meistens schlafe ich, esse viel, trinke eine Menge Wein und gehe shoppen.

Vier Dinge, ohne die du nicht leben kannst:
Musik, gutes Essen, gute Freunde und mein Handy!

Fotograf GERALD LE VAN CHAU
Styling & Interview KEITH S. WASHINGTON
Makeup SATOKO WATANABE
Haare YUJI OKUDA

Von Resident DJ-Sets im Silencio in Paris zu Events in Ibiza, London und Genf, Nathalie Duchene erobert gerade die Pariser Elektro-Szene. Zusätzlich dazu arbeitet Nathalie mit zahlreichen Modehäusern wie Bulgari, Jimmy Choo und Louis Vuitton zusammen, für die sie Sets erstellt, die ihre zahlreichen Einflüsse von Miss Kitten bis Jeff Mills umfassen. Nathalie Duchene hat außerdem für Fashion-Magazine in Belgien und Paris gearbeitet und ihre zahlreichen künstlerischen Talente damit erweitert. Und nun arbeitet Nathalie hart an ihren eigenen Produktionen.

Wie hast du als DJ angefangen?
Ich mochte es schon immer, neue Lieder zu entdecken und in Plattenläden in Belgien zu stöbern und eines Tages find ich dann an, zuhause in meinem Zimmer alleine zu üben und zu trainieren.

Dein Lieblingsort als DJ?
Ich bin vom Berghain in Berlin fasziniert. Das ist ein sehr besonderer Ort für mich. Und, einfach zum Spaß, die PS1-Party in New York City.

Deine beste Erfahrung als DJ?
Ich habe die Eröffnung für den ersten Teil mit Martin Solveig letztes Jahr in Genf gemacht.

Nathalie.DucheneSunglasses by Carrera 5022IS Interchangeable lenses with pink and yellow mirror lens. Shirt and white skirt all by Kitsune

Welche Projekte stehen 2015 an?
Meine erste EP wird 2015 erscheinen und ich bin wirklich aufgeregt deswegen.

Wo hast du zum ersten Mal als DJ aufgelegt?
Das war im Le Baron in Paris.

Was ist die eine Sache, die du vor deinem Auftritt haben musst?
Meine Sennheiser-Platin-Kopfhörer (ein persönliches Geschenk von einem sehr guten Freund von mir, der ebenfalls DJ ist).

Deine Lieblingsbrille?
Auf jeden Fall der 6008-Rahmen von Carrera.

Nathalie.Duchene_05Sunglasses by Miu Miu 315 €, White dress by Kitsune, Shoes by Roger Vivier

Wann und warum bist du nach Paris gezogen?
Ich bin vor acht Jahren nach Paris gezogen für die kreative Athmosphäre, das und das Klima, natürlich.

Lieblingstrack aus 2014?
Das war “Clear” von The Hacker.

Was für Musik hast du als Teenager gehört?
Techno, schon immer.

Nathalie.Duchene_03Sunglasses by Carrera 5022IS Interchangeable lenses with pink and yellow mirror lens. Shirt and skirt all by Kitsune

Deine drei Lieblingsdesigner?
Das wären Nicolas Gesquière, Raf Simmons und Hedi Slimane.

Wenn du bei einer Paris Fashion Week-Show als DJ arbeiten würdest, welchen Designer würdest du dir aussuchen?
Chanel natürlich!

Cola oder Pepsi?
Keins von beidem.

Wenn du mit einem Musiker aus der Vergangenheit arbeiten könntest, wer wäre das?
Kraftwerk!

Basquiat oder Warhol?
Beide von ihnen! Ebenholz und Elfenbein leben in perfekter Harmonie in mir. Aber wenn ich wirklich, wirklich nur einen wählen kann, dann würde ich Jean-Michel Basquiat nehmen.

Nathalie.Duchene_02Sunglasses by Miu Miu 335 €, Jumpsuit,bag and handbag all vintage, Shoes by Roger Vivier

Fotos JÖRGEN AXELVALL
Interview SHARI MONIQUE GAB

Diane Birch wird gerne mit Carol King, Lauren Nyro und Gerry Goffin verglichen, doch die Popsinger-Songwriterin aus Michigan hat ihren eingenen Kopf. Sie gewährt uns einen Blick in ihr Inneres direkt zu ihrem originellen klassisch-inspirierten Sound.

Ihre letze Veröffentlichung „Speak A Little Louder“ folgte ihrem außergewöhnlichen Debut 2009 „Bible Belt“, das sofort in den Billboard Top 100 landete und für das sie treffend mit Karen Carpenter verglichen wurde. Zuvor war sie mit Größen wie Stevie Wonder bis Betty Wright für S-Curve Records auf der Bühne und sammelte eindrückliche Erfahrungen.
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Nach dem tragischen Verlust ihres krebskranken Vaters durchlebte sie eine dunkle Zeit an deren Ende sie neuen Mut fasste. Der Heilungsprozess hat Birch zu ihrer persönlichen und professionellen Reife geführt – nun steht sie wieder aufrecht und verfolgt furchtlos ihren Weg auf dem sie uns ein Stückweit mitnimmt. Offen teilt sie ihre Empfindungen durch ihre berührende Musik.

Ein Umzug nach New York und das Aufeinandertreffen mit Daptones Drummer Homer Steinweiss hat Birch dazu gebracht ihre inneres Talent freizusetzen. Zu der magischen Fusion ihrer Kreativität sagt Birch: „Das Timing war einfach perfekt und es hat einfach funktioniert.“ Es entstanden: “Tell Me Tomorrow,” “Diamonds in the Dust” und “It Plays On,” eine Hommage an ihren Vater und seine fortwährende Inspiration für ihre Musik.

Obwohl sie hauptsächlich in Brooklyn ansässig ist, hat Birch auch in Großbritannien gearbeitet wo sie “All the Love You Got” mit Adele’s Eg White, Roots drummer Questlove (co-produced with Steve Greenberg), und Duran Duran bassist, John Taylor aufgenommen hat. Darauf folgte eine Periode in Los Angeles in der sie für Aqualung’s Matt Hales an “Unfkd” mitgeschrieben und geschnitten hat. Ihre Alben sind Reduktionen dieser Eindrücke, getränkt mit opulenten Synthesizern, donnernden Trommeln und überlagert von Birch’s bestechender Gänsehautstimme.

Es gibt etwas unverfroren attraktives an Künstlern die die Fähigkeit haben sich beruflich und privat zuentblößen – in bescheidener Dankbarkeit für ihr Talent. An einem sonnigen Tag im südlichen Williamsburg, Brooklyn hat sich Birch mit uns in einem ihrer Lieblingscafés, Marlow & Sons, getroffen um uns ein bisschen tiefer blicken zu lassen.

Woran arbeitest Du gerade?
Ich profitiere von den Gegensätzen in der Zusammenarbeit mit großen Produzenten und meiner eigenen Arbeitweise, in der ich komplett die Kontrolle über den Entstehungsprozess habe. Für eine Weile habe ich versucht mich an die Erwartungen anderer anzupassen, was Musik sein sollte. Nun ist es Zeit wieder zu meinen Wurzeln zurück zu kehren.

Und wo liegen diese?
Als ich aufwuchs war ich hauptsächlich mit klassischer Musik konfrontiert und mein Kontakt zu anderen Genres kam erst viel später. Ich liebe Hip-Hop, Pop, die Carpenters, top 40.. all das. Ich erkunde nun wie sich diese Einflüsse auf mich ausgewirkt haben, in welcher Form sie sich in meiner Musik widerfinden, und gucke was von Beethoven bis Portishead kleben bleibt.
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Und was findest Du da?
Ich erinnere mich Portishead’s „Glory Box“ mit seinen klassischen Arrangements und komplexen Harmonien gehört zu haben, und welches Gefühl das in mir ausgelöst hat. Ich kann dieses Gefühl auch heute noch beim hören dieser Musik nachempfinden. Es geht um das Aufspühren von Widersprüchen – R&B mit harmonischen Melodien beispielsweise – das sind zwei entgegen gesetzte Kräfte, die in Wechselbeziehung zueinander stehen. Diese Authenzität, die das hervorbringt bewegt mich.

Wohin willst Du mit diesen Erkenntnissen?
Ich will an ihren Kern, an das was echt an ihnen ist, damit spielen und meine kreative Vision verwirklichen.

Wie weißt Du was echt für Dich ist?
Ich frage mich, wie ich gesehen werden will und was mein Selbstbild ist? Es gibt Dinge auf meinem ersten Album die mich jetzt richtig erschrecken und andere Sachen fühlen sich immer noch richtig an. Es ist schwierig – in der Musikbranche bekommt man schnell einen Stempel aufgedrückt wer du bist und was für eine Karriere du vor dir hast. Hoffentlich bekommt dieses Image auf meinem Weg, den ich gerade gehe, indem ich meine Wurzeln wiederentdecke und entsprechend filtere, durchlässiger. In der Zwischenzeit sind dort die Teile aus meiner Vergangenheit die so eindeutig ich sind und die diesen kontinuierlichen roten Faden, der sich durch mein Leben zieht, immer stärker werden lassen.

Was gibt es in dieser Saison von Dir?
Ich arbeite in Kooperation mit anderen Künstlern jeder Couleur an einer EP und werde im Herbst touren. Ich habe mir nie träumen lassen mit so vielen unterschiedlichen Künstlern zu arbeiten, aber ich bin offen für die Erfahrung mit jemandem zusammenzuarbeiten, der etwas völlig anderes als ich macht und das zunächst einmal nichts mit mir zu tun hat. So wie ich die heutige Jugend zu schätzen gelernt habe. Es gibt eine ganze Generation von jungen, talentierten Musikern, die ihre Augen weit geöffnet haben. Vielleicht würde ich sogar was für andere Künstler schreiben. In der Vergangenheit habe ich an den Sachen die ich gemacht habe festgehalten – wollte, dass es für mich ist – weil ich so eine große Verantwortung dafür empfunden habe wie meine Arbeit rüber kommt. Aber mittlerweile habe ich realisiert, dass einige Dinge, die ich schreibe nicht zwingend dazu bestimmt sind durch mich hindurch zu kommen. Also bin ich offen.
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Vier Dinge ohne die Du nicht leben kannst?
Mein Klavier, guter Kaffee, Liebe und Parfume.

Mit wem möchtest Du am liebsten zusammenarbeiten?
Brian Eno. Ich denke, ich habe das sogar bereits in meinem letzten Interview erwähnt. Eines Tages wird er das hier lesen und denken „Wer zum Teufel ist diese Diane Birch?“

Aus unserer Sicht ist Diane Birch eine vielschichtige Musikerin, eine Frau am Rande der Zeit, mit einem puppengleichen Gesicht und einem großzügigen Herzen, mitten im Epizentrum der Transformation, Klarheit und Kreativität. Ihr vollkommener Sound verbindet meisterhaft Soul mit ihrer Experimentierfreude. In ihrem Sound hallt zweifellos ihre Faszination für Selbst-Reflextion nach. Ihre Musik läd ein sich im Rhytmus zu verlieren, sich auf die Tanzfläche zu begeben und die Synthese unseres Innersten zu Anderen und zum gesamten Universum zu geniessen. Brian Eno, hörst Du zu?

 

 

Fotos JAKE HODGKINSON
Interview KEITH S. WASHINGTON
Brillen RAY-BAN

Jerry Bouthier ist einer der Gründer des Londoner Labels Continental Records und produziert zusammen mit seinem Partner, Andrea Gorgerino, Remixe für so verschiedene Künstler wie Two Door Cinema Club, Jupiter und Ladyhawke. Jerry war außerdem Produzent zahlreicher Mix-Kompilationen für die musikaffine Modemarke Kitsuné. Seine erste Kitsuné-Kompilation “BoomBox” stellte er 2007 aus Künstlern des legendären Undercround-Clubs Boombox in London zusammen. Seine Verbindungen zur Modeindustrie sind stark und er ist jede Saison ein gefragter Produzent für Laufsteg-Soundtracks. 4SEE Magazin hat es geschafft, den ständig um die Welt reisenden Produzenten und DJ während eines Aufenthalts in Südafrika vorübergehend zu erden, um ihn gründlich auszufragen. Jerry teilte seine Ansichten über Mode und Musik mit uns und diskutierte sein Repertoire als Musikdirektor für verschiedene Marken von Peter Jensen bis Vivienne Westwood.

Wo hast du das erste Mal als DJ aufgelegt?
Weiß Gott. Ich kam dazu, ohne es richtig zu bemerken. Ich hatte Glück, dass ich meine Leidenschaft in eine Art Beruf verwandeln konnte. In meinem Elternhaus gab es immer viele Platten, weil mein Vater ein großer Musikfan war. Ich wurde bald von ihm angesteckt und als ich 10 war, fing ich damit an, das Vinyl zu sammeln, das ich liebte. Damals konnte man nicht Musik hören, wenn man nicht die physische Kopie besaß, ganz zu schweigen davon, sie anderen Leuten vorzuspielen. Eine solide, umfangreiche Plattensammlung war eine wichtige Sache und ich fing an, bei Freunden und auf Parties aufzulegen. Wenn ich ausgehe, liebe ich es, Menschen kennen zu lernen und mich unter die Leute zu mischen, aber gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, dass es meine Pflicht war – wenn niemand sonst sich darum gekümmert hat –, interessante Wohlfühlmusik bereitzustellen, selbst wenn nicht getanzt wurde. Ich war schon immer davon besessen, das richtige Lied für den richtigen Moment zu finden. Danach entwickelte sich alles quasi lawinenartig weiter.

Fenster- oder Gangplatz?
Wenn man viel für die Arbeit reist, muss man im Flugzeug schlafen. Es ist essentiell, dass man bei der Ankunft hellwach ist und eine gute Performance bietet.

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Wie ist Continental Records entstanden?
Das geht Jahre zurück, auf die Zeit, in der mein verstorbener Bruder Tom und ich anfingen, in Paris Musik im Stil des frühen House und Balearic House zu machen. Ich behielt den Namen ihm zu Ehren, als ich vor zwei oder drei Jahren das Projekt wiederbelebte. Continental wurde ursprünglich dafür (neu) kreiert, Stücke von JBAG, meinem Musikprojekt mit Andrea Gorgerino, zu veröffentlichen, aber ich erkannte schnell, dass es dämlich wäre, damit nicht auch anderen Künstlern und Freunden bei ihren Veröffentlichungen zu helfen. Ohne große Strategie hat sich das Label rasch in ein globales Verzeichnis talentierter Musiker entwickelt. Da gibt es Reflex aus dem Süden Frankreichs, Shindu aus Belgien, Mannequine aus der Schweiz, Boys Get Hurt aus Japan und Mjolnir, Cyclist jeweils aus Indonesien und der Schweiz.
Es ist faszinierend, dass wir so eine starke musikalische Verbindung teilen, trotz unserer enormen regionalen Unterschiede. Es gibt vielleicht nicht den einen Continental-Sound, aber es gibt definitiv einen gemeinsamen Geist: Ehrlichkeit und Musikalität.

Deine Eltern denken, du bist … ?
… ein bisschen merkwürdig, haha! Nein, im Ernst. Ich denke, obwohl beide recht künstlerisch veranlagt sind, dass es eine Weile gebraucht hat, bis sie das ganze DJ-Ding verstanden haben. Es war so neu und anders und so weit entfernt von französischer Kultur. Sie haben mich mein Ding machen lassen und mit 18 zog ich nach London, das war an sich schon ziemlich cool. Ich bin der Älteste in einer großen Familie, die zweigeteilt ist, also war ich wohl nur ein weiteres Kätzchen im Wurf. Um ehrlich zu sein, wünsche ich mir manchmal, mein Eltern hätten mich ein wenig mehr spirituell unterstützt und mir geholfen, mich zu organisieren und business-orientierter zu denken, so wie es die Eltern meiner Freunde taten. Lange Zeit war ich einfach eine Null, immer da, wo was los war, aber ohne Vertrauen in meine Fähigkeiten. Es gibt also offensichtlich für jeden noch Hoffnung [lacht]. Darüber hinaus habe ich mir über die Jahre so viele britische Gepflogenheiten angeeignet, dass sie mich oft als “den Englischen mit den komischen Gewohnheiten” bezeichnen! Nur ein weiterer Weg für die Franzosen, um ihre Nachbarn zu demütigen. Du weißt, wie es ist – wenn man es nicht wie die Franzosen macht, macht man es falsch!

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Wie und wann fingst du an, für KITSUNÉ zu arbeiten?
Meine Zusammenarbeit startete, als ich die BoomBox-Mix-CD für Kitsuné vor ein paar Jahren anfertigte. Diese Nacht im Osten Londons war ziemlich wild und einzigartig, definitiv einer der Höhepunkte meines Lebens … Ich hatte Gildas und seine Assistenten seit Kitsunés erster Kompilation “Love” wegen Promos und exklusiver Arbeit schikaniert, aber es brauchte nicht lange, bis wir Musikkumpels wurden, mit Respekt für die Überzeugungen und den Geschmack des anderen. Ich glaube, wir kannten uns aus den frühen Tagen des House in Paris, als es nicht mehr als eine Handvoll von Partyanhängern gab, aber damals arbeiteten wir nie zusammen, weil ich mich schnell nach London absetzte.

Wie kam das Highbury Eden-Hutprojekt für KITSUNÉ zustande?
Ich mochte Hüte in allen möglichen Formen schon immer: Caps, Schirmmützen, Angelhüte, Militärhüte, überhaupt alles. Aber als ich Musikdirektor für Vivienne Westwood wurde – ich habe etwa 50 Shows für ihre verschiedenen Labels gemacht – , wurde gewissermaßen ein Traum war, weil ich ein großer Fan der Punk- und New Romantic-Pirate-Szenen bin, in denen sie stark involviert war. Sie gab mir einen ihrer legendären Buffalo-Hüte, die zuerst ihren Weg in die Pop-Welt mit Malcolm MacLarens Musikvideo “Buffalo Gals” fanden, und ich fing an, ihn zu tragen. Zuerst war ich nicht überzeugt, dass er mir stehen könnte, aber es fühlte sich spaßig, irgendwie punkig auf seine eigene Art an und ich machte ihn mir bald ganz zu Eigen, was mir half, eine Art rockigen Micky Mouse-Charakter zu erschaffen, als so eine Art Alter Ego für die Bühne, das ich ablegen konnte, sobald ich die Bühne verließ, und mit dem ich alles weniger ernst nehmen konnte. Im Endeffekt besaß ich ein Dutzend von ihnen in allen möglichen Farben und trug einen bei jedem meine Auftritte für fünf oder sechs Jahre. Es wurde ein wenig mein persönlicher Look, auch wenn ich keinesfalls der Erste oder Einzige war, der diese Hüte trug. Einige Londoner Freunde haben ein paar und tragen sie, sie sind bei den wahnsinnig modebewussten Japanern ebenfalls recht beliebt. Das war so, bis Pharrell Williams anfing, den Buffalo-Hut in dem Video zu “Happy”, dem am meisten heruntergeladenen Lied aller Zeiten in Großbritannien, zu tragen, und der Look damit fast über Nacht für mich gestorben war. Seitdem konnte ich nirgendwo mehr hingehen, ohne dass mir die Leute das Leben schwer machten. Also packte ich den Stier bei den Hörnern und bat meine alten BoomBox-Kumpels Bernstock & Spiers, mit mir an einem neuem Design zu arbeiten, dessen Vaterschaft ich beanspruchen konnte. Als der Kitsuné-Chef Gildas von der Kollaboration hörte, schlug er vor, dass sie eine streng limitierte Auflage produzieren sollten, um sie in den Kitsuné-Läden zu verkaufen. Das war perfektes Timing mit meiner neuen Mix-CD “Kitsuné Trip Mode”, die just im September erschienen war. Das Hutdesign heißt “Highbury Eden”, weil ich gerade erst nach Highbury gezogen bin und es eine Form benutzt, die in den 1930er Jahren vom britischen Premierminister Anthoy Eden berühmt gemacht wurde. Wir haben es überarbeitet, um eine übergroße Wirkung zu erzielen, die einfach so viel Spaß macht mit Buffalo-Hüten.

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Deine Lieblingsbrillen?
Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Sonnenbrillen. Zu viele Idioten rennen damit rum, als wären sie Filmstars. Würde nie ein Paar im Club tragen oder wenn es keinen Sonnenschein gibt. Mittlerweile, obwohl ich aus einer mediterranen Familie komme, bin ich ein echter Brite geworden und kann es nicht aushalten, länger als fünf Minuten in der Sonne zu sein, weshalb Sonnenbrille wichtiger geworden sind. Ich finde, bei Sonnenbrillen ist weniger mehr. Ich trage entweder Ray Bans Aviator oder Wayfarer. Je diskreter, desto besser, ein wenig wie bei Autos.

Deine drei Lieblingsalben aus deiner High School-Zeit?
“Low Life” von New Order
“Cupid & Psyche 85” von Scritti Politti
“From Memphis to Langley Park” von Prefab Sprout

Liebster Flughafen?
Singapur ist einer der größten, fortschrittlichsten und praktischsten Flughäfen, in denen ich je war! Aber ich habe eine Schwäche für Narita in Tokio. Der Flughafen Narita hat winzige Räume, die man billig für so kurze Zeiträume wie 30 Minuten mieten kann, damit man sich ein bisschen waschen und schlafen kann. Und es ist der am meisten benutzte Weg nach Tokio, der wohl aufregendsten Stadt der Welt. Ich könnte morgen in Tokio leben, wenn ich nur die Chance hätte. So eine großartige Kultur, die Tradition und Futurismus mit Stil und einer enormen Raffinesse mixt, Präzision mit Freundlichkeit: irre.

Hast du Interesse daran, mehr Soundtracks für Fashionshows mit anderen Designern zu produzieren?
Ich bin so damit beschäftigt gewesen, mein Label Continental zu führen, und dazu mit JBAG zu schreiben und zu produzieren, dass ich in letzter Zeit deutlich weniger Fashionshows gemacht habe als damals, als ich mit Vivienne Westwood zusammenarbeitete und sieben oder acht Soundtracks während der London Fashion Week produzierte. Ich habe eine langjährige Beziehung zu Peter Jensen (10 Jahre!), Songzio aus Korea und Londons neuesten enfants terribles Sibling, aber über die Jahre habe ich einige stabile Kollaborationen mit Leuten wie Matthew Williamson, Roksandra Ilincic, Kokon to Zai, Michael von der Ham, Jonathan Saunders, Osman, B Store, Garza Lobos in Buenos Aires und vielen anderen entwickelt, es kommt und geht die ganze Zeit. Ich renne diesen Gelegenheiten auch nicht wahnsinnigh hinterher, denn, um ehrlich zu sein, ist die Bezahlung nie so berauschend, wenn man den dafür üblichen Stress mit einbezieht – auch wenn es ein ganz besonderes Vergnügen ist, kostenlose Kleidung zu bekommen.
Worüber ich sehr glücklich bei all diesen Erfahrungen bin, ist, dass sie mich dazu gebracht haben, intensiv über meine Grenzen nachzudenken und meinen Horizont als DJ zu erweitern. Es hat mich auf jeden Fall dazu befähigt, neue Kombinationen und Konzepte zu erkunden, mehr Risiken einzugehen, und um die Ecke zu denken, was in der Mode oft das Ziel ist. In der Zukunft würde ich meine Dienste gerne den großen Marken da draußen anbieten, etwa Prada und Chanel.

Fotos BERT SPANGEMACHER
Interview JULIA WELLER
Titel RAY-BAN Clubmaster RB 2176 990  220€

Ursprünglich aus Spanien stammend reist Pablo Heras-Casado mittlerweile rund um den Globus, um seine Orchesterarrangements zu dirigieren. Er ist bekannt für sein außergewöhnlich vielfältiges Repertoire, das sich über Klassik bis hin zu zeitgenössischer Musik erstreckt. In seinen Vorstellungen zieht er jeden in den Bann während er ohne Zuhilfenahme des Taktstocks unglaublich präzise führt.

Absolut faszinierend ist seine Fähigkeit, eine große Nähe zwischen seinen Zuhörern und dem Orchester herzustellen. Besonders sympathisch fanden wir, dass er sich nach jeder Vorstellung ein kaltes Bier gönnt. Während seiner letzten Tour war er auch in Berlin zu Gast und hat uns in unserem Studio besucht. Wir haben dem wirklich sehr charmanten und äußerst unkomplizierten Pablos Heras-Casado 10 Fragen gestellt, um ein bisschen mehr über diesen vielversprechenden und inspirierenden Dirigenten zu erfahren.

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IC! BERLIN MIKE SUN Matt Gold 300€

Wer sind deine Lieblingskomponisten und Musiker?
Alle Guten!!! Ich interessiere mich für vieles und das spiegelt sich auch in der Musik wider.

Welche Live-Performance, die Du besucht hast, ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Die beeindruckendste Performance, die ich als letztes gehört habe, war Strawinskys „Frühlingsopfer“ mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern während des Luzern-Festivals.

Was sind deine Lieblingsfilme?
Ich bin ein großer Fan der Trilogie von „Der Pate“! Außerdem bin ich aus verschiedenen Gründen fasziniert von Fritz Langs „Metropolis“. Und ich liebe italienische Klassiker.

Welches Buch hat dich beeinflusst?
Wahrscheinlich die Bibel, auch wenn ich kein religiöser Mensch bin.

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IC! BERLIN CLAUDE Fashion Silver 300€

Wie würdest du einen perfekten Tag beschreiben?
Das wäre ein sehr langer sonniger Tag, der mit Sport beginnt und an dem ich eine Menge toller Musik machen könnte. Enden würde er mit einem wunderbaren Abendessen mit meinen Freunden.

Wo spielst Du am liebsten?
Granada und New York.

Hast Du eine Lieblingsbrille? Was für einen Stil magst du?
Mein Geschmack ist vielseitig, aber ich hatte einige Ray Ban-Brillen – einfach, geradlinig und klassisch.

Wie viele Brillen hast Du?
Drei Brillen und genauso viele Sonnenbrillen.

Gibt es etwas, das du in der Zukunft mehr machen möchtest?
Ich würde gerne mehr Zeit in meinem Garten verbringen.

Was sind die vier wichtigsten Dinge in deinem Leben?
Familie, Musik, Granada (das ist mein Zuhause!) und die Sonne!!

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IC! BERLIN S2 HUMBOLDTHAIN Diamond 405€

Pablo Heras-Casado dirigiert am 15.12. im Konzerthaus Berlin; am 16.12. in der Philharmonie Berlin.

Alices wundersame Welt ist ein magischer Ort, an dem fiktive Figuren durch den Kosmos des Chaos schweben. Es sind absonderliche Wesen in farbenprächtigen Kostümen, entsprungen aus den Kinderzimmern und Krimskramsläden unserer Erinnerung. Unablässig schöpft Alice aus diesem Reich der Magie und arbeitet – ob Stop-Motion-Animation oder zeichnend – fortlaufend an den verschiedensten Projekten.

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Als 4SEE-Magazin Alice um eine exklusive Illustration bat, sagte sie bereitwillig zu. Bei ihrem morgendlichen Kaffee erträumte sie die farbenfrohen Damen mit markanten Brillen, während sich das Cremeweiß der Milch mit dem flüssigen Gold des Kaffees verquirlte – die Idee für die visuelle Umsetzung war geboren.

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Alice spricht zu uns durch ihre Bilder, ihre Sprache sind die Farben auf ihrer Palette.
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Künstlerbiographie

Die irisch-kanadische Künstlerin Alice Gibney erhielt zusätzlich zu ihrem Bachelor of Fine Arts von der OCAD-Universtiät Toronto, Ontario, die Eric-Freifeld-Auszeichnung. 2012 schloss sie ihren Master of Fine Arts an der Parsons New School für Design in New York City ab.
Alices Arbeit dreht sich rund um die Schöpfung und Erkundung ihrer fantastischen Figuren und Welten. Durch die Medien Fotografie, Zeichnung und Video durchdringt sie ihre Charaktere und lässt uns ihre überirdische Welt vertraut werden.
Alice hat sowohl national als auch international ausgestellt. Nachdem eine Vielzahl an Artist-in-Residency Programmen sie um den Globus geführt haben, lebt und arbeitet sie derzeit in Berlin.

Bitte kontaktieren Sie redaktion@4SEEmagazin.de bei Interesse an den Werken der Künstlerin.

djCartridgeFotos: GERALD LE VAN-CHAU
Interview: KEITH S. WASHINGTON
Brillen: ØRGREEN NORTH 471 Mat Brown / Aubergine

Zum Online-Start von 4SEE-Magazin stellen wir Ihnen den überzeugt optimistischen Elekro Synthwave-Produzenten CARTRIDGE 1987 vor. Unter anderem sampelt er aus klassisch-minimalistischen 80iger Underground-Kultlieblingen. Für 4SEE hat Adrien Dirch a.k.a CARTRIDGE 1987 den Track „This is a Good Day“ aufgenommen.

Woher kommst Du?
Paris.

Wo performst Du am liebsten?
In meinem Schlafzimmer.

Was hat Dich dazu gebracht, Musik zu machen?
Ich habe sehr viel unterschiedliche Musik gehört, von Reggae bis Hard Rock. Elektro habe ich das erste Mal gehört, als durch Daft Punk der French Touch aufkam und sie ihr erstes Album veröffentlicht haben. Von da an habe ich nur noch Elektro, Minimal und Hardcore gehört. Als Justice herauskam, war ich begeistert von ihrer Musik und habe ihren Track gesampelt. Das hat mich auf meinen Weg gebracht.

Was ist das Wichtigste für Dich wenn Du auflegst?
Das Wichtigste ist für mich, Sachen aufzulegen, die ich nicht im Club gehört habe, mich persönlich auszudrücken und Tracks von Newcomern zu spielen, die es wirklich verdient haben, gehört zu werden.

Kaffee oder Zigaretten?
Beides.

Hast Du eine Lieblingssonnenbrille?
Das Ray-Ban-Modell, das Tom Cruise in „Lockere Geschäfte“ 1983 trug.

Woran arbeitest Du gerade?
Das Album „Grand Soleil“, an dem ich zusammen mit meinem Bruder gearbeitet habe, kommt Ende September bei dem Plattenlabel Pain Surprises raus.

Was für ein Typ warst Du in der Schule?
Ich war ein Skater, ein Chaot, aber wir waren alle so in der Schule.

Was sind deine drei Lieblingstitel?
“Goodbye Horses” von Q Lazzarus,
“Brainwashed” von Daft Punk und “Live on Brighton Beach” von Fat Boy Slim.

Kannst Du Dich noch an deinen ersten öffentlichen Auftritt als DJ erinnern?
Das war in einer kitschigen Bar in Paris, dafür hatte sie aber tolle Möbel und eine großartige Akustik.

Was sagt Deine Mutter zu Deiner Berufswahl?
Sie sieht mich als Sonderling hinter dem Monitor.

Fotos: Bert Spangemacher
Styling: Theo Vasiliou @ Blossom Management Berlin
Text: Ann Ford

Langsam öffnet Paul einen schwarzen Koffer, als wäre es eine wertvolle Schatztruhe. Zum Vorschein kommen 18 Sonnenbrillen der Firma Cazal. „Das sind schöne Fassungen, gepaart mit deutscher Qualitätsarbeit und genialem Design“, schwärmt der 33-Jährige, der ursprünglich aus Togo kommt. Paul, das ist einer der beiden Sänger der Band Raxinoar. Pierre heißt Bandmitglied Nummer 2. „Wir sind Copy und Paste“, sagt Pierre. Das stimmt: Die eineiigen Zwillinge sehen sich zum verwechseln ähnlich.

Am glamourösen Schmuck lässt sich das Bandduo dann doch auseinander halten. Pierre trägt nur opulenten Goldschmuck, Paul schmückt sich mit Silber. „Wir haben unseren eigenen Stil“, erklärt Paul. Das gilt für ihre exzentrische Mode mit Hüten auf dem Kopf und Füchsen um den Hals ebenso wie für ihre Musik. Die in Paris geborenen Zwillinge beschreiben ihre ureigene Musikrichtung als Tropical Pop. „Das ist eine Mischung aus Latin, Electronic und Disco Musik“, erklärt Paul. „Bei unseren Konzerten tanzen die Leute – auch die Deutschen – und das mit jedem Alter“, betont Pierre.

Sie wissen wovon sie sprechen: Schließlich sind sie bereits bundesweit getourt und europaweit aufgetreten. Raxinoar versprühen unendlich viel Energie und gute Laune – und das auch nach vielen Stunden anstrengendem Foto-Shooting. Seit ihrem 16. Lebensjahr stehen Paul und Pierre auf der Bühne – nur mit eigenen Songs versteht sich. Damals noch in Togo. Dort seien sie bereits sehr bekannt gewesen, erklären sie unisono. Warum dann der Neustart in Deutschland? „Die Liebe hat mich nach Deutschland geführt“, erklärt der Wahl-Münchner Pierre.

Dort habe er sich schnell zuhause gefühlt. „Das hat Paul natürlich neugierig auf Deutschland gemacht“, sagt Pierre und weiter: „Ich habe ihm gesagt, er müsse auch nach Deutschland kommen. Nur so können wir unsere Musik weitermachen.“ Für die musikalischen Zwillinge ist Mode sehr wichtig. „Bereits in Togo waren Brillen unser Stilmittel“, erinnert sich Pierre. Zuerst war es eine reine Notwendigkeit. „Aber dann ist das unser Style geblieben“, erklärt der Musiker. Hier in Deutschland hätten sie dann die Cazal-Brillen entdeckt und gleich „Wow!“ gedacht. „Erst haben wir jeden Monat für unsere Konzerte eine Cazal-Brille gekauft“, sagt Pierre.

Aber schnell sei die Firma auf die Zwillinge aufmerksam geworden, ergänzt sein Bruder Paul. Jetzt repräsentieren sie Cazal. Von Raxinoar werden die Deutschen noch viel hören: Letztes Jahr ist ihr Album Summer Dance erschienen, gerade haben sie ihr viertes Video abgedreht – in St. Moritz. Das kommt spätestens Anfang März raus. Im Sommer sollen dann die Aufnahmen für das neue Album beginnen.

 

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