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Er ist berühmt für seinen monatlichen Mix „Magic Tape” mit unbekannten, unveröffentlichten Dance-Tracks, ganz zu schweigen von seinem vorherigen Projekt Aeroplane: Stephen Fasano aus Brüssel aka „The Magician” entwickelt seine Musik immer weiter, nicht zuletzt durch die Gründung seines eigenen Labels „Potion” 2014. The Magician hat gerade seine neue Single „Shy” mit Brayton Bowman über Potion veröffentlicht. Wie durch Zauberhand hat er direkt vor seinem Auftritt bei der Kitsuné Club Night Parisian Tour in Tokio backstage noch etwas Zeit für ein Gespräch mit uns gehabt.

 

Wie bist du Musiker geworden – über ein Instrument oder als DJ?

Als DJ. Vor langer Zeit. In den späten 80ern – als House gerade groß wurde. Mein Onkel war DJ, nicht kommerziell, aber er sammelte obskure Disco-Platten. Er gab mir seine Turntables, einen Mixer und die Sammlung merkwürdiger Disco-Platten.

Du hattest Glück.

Ja, irgendwie schon …. aber ich hasste so viele dieser Platten! Die späten 70ern waren, wie man sagt, „the end of Disco” und wir waren heiß auf Acid House aus den USA. Disco hat ganz verschiedene BPM, deswegen konnte ich super Beat Matching üben, indem ich Disco mit den neuen House-Platten mixte. So kam ich auf Techno, Drum ’n‘ Bass, Trip Hop – ich habe eine große Sammlung von DJ Krush von Mo Wax Records, DJ Food, Ninja Tunes, solche Sachen. Das war die Zeit, in der ich immer nach Großbritannien gereist bin und Plattenläden durchforstet habe.

Von Brüssel aus?

Ja, ich fuhr einmal im Monat nach Großbritannien rüber. Heutzutage dauert das nur zwei Stunden mit dem Zug, aber damals waren es vier Stunden auf einem Boot, um über den Kanal zu kommen, und dann nochmal zwei Stunden Autofahrt. Aber wenn man Teenager ist, ist das total egal – die absolute Freiheit!

Und in der Zeit fingst du mit dem Produzieren an?

Ja, ich fing langsam an, mir Sampler von AKAI oder Roland zu kaufen, oder Drum Machines wie die TB-303, für etwa 100 Dollar oder so. Jetzt kosten die 3.000 US-Dollar oder mehr, du weißt ja, wie verrückt das alles ist.

Benutzt du das Set-Up noch?

Nein, heute benutze ich es nur noch selten, weil die Software das jetzt alles leistet. Für Demos setze ich mich einfach an meinen Computer und für die finale Version holen wir uns Musiker ins Studio für eine Live-Aufnahme, worauf ich mich jedes Mal freue.

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Wie hast du Kitsuné kennen gelernt?

Als ich 2008 Aeroplane gründete, bat uns Kitsuné um einen Remix, so lernte ich Gildas (einen von Kitsunés Gründern) kennen. Dann buchten sie uns für jede Menge Partys in London und Paris. Danach machten wir die Single „I Don’t Know What You Do” bei ihrem Label.

Wie teilst du deine Zeit als Producer und DJ auf?

Gerade 50/50, und so mag ich es auch. Mich inspiriert die Musik, die ich auflege, die mich umgibt, verstehst du? Ich bin im Kern eher DJ als Producer. Meine Musik entwickelt sich durchs Spielen, ähnlich wie Mode. Zum Beispiel war ich vor fünf Jahren eher Disco. Nicht von der Melodie her, aber im Bass oder in der Dichte des Sounds bin ich jetzt mehr beim House. 120 bis 122 BPM sind das beste Tempo überhaupt, nicht zu schnell, aber groovy.

Deine beste Erinnerung an einen Auftritt?

Also, Ageha, 2012. Japan war großartig. Die Boxen … der Sound war absolut unglaublich!

Spielst du lieber für ein Stadion oder für eine Handvoll Leute?

Ich mache beides und erst gestern habe ich vor nur 200 Leuten in Seoul gespielt, letztens für 150 in Hong Kong, und, ganz ehrlich, das mag ich viel lieber als die großen Festivals. Man sieht die Gesichter und der Groove ist viel intensiver.

Du sammelst Vinyl, aber was benutzt du als DJ?

Ich lege kein Vinyl auf, außer zuhause. Ich musste mich dran gewöhnen, aber ich nutze jetzt USB-Sticks. Ich habe immer noch 10.000, wenn nicht mehr, Platten daheim – vielleicht sollte ich sie mal wieder hervorzaubern und mich inspirieren lassen.

Wie bist du auf „The Magician” gekommen?

Nun, meine Frau hat den Namen gefunden. Als ich mich 2010 von Aeroplane trennte, sagte meine Frau (damals noch Freundin): „Jetzt brauchen wir einen neuen Namen … wie wär’s mit ‚The Magician‘?” Und mir gefiel der Name überhaupt nicht! (lacht) Sie meinte, ich hätte diese „magischen” Kräfte, aber das klingt total arrogant, finde ich. Aber als sie anfing, die Jacken zu designen, verstand ich langsam, wie der Name zu meinem Konzept passt, mein Publikum zu unterhalten. Und klar, das Branding auch. Immerhin habe ich noch zehn andere von diesen Jacken.

Wieso trägst du heute genau diese Jacke? 

Die hier trage ich dieses Jahr als Erkennungszeichen. Das Material ist Zellophan. Letztes Jahr hatte ich eine mit weitem Schnitt, nicht wie MC Hammer, mehr marokkonisch-jüdisch aus den 1920ern mit drei Knöpfen und allem. Also musste es für das nächste Jahr etwas anderes sein. Für mich bedeutet DJ sein im Kern, dass man sein Publikum unterhält. Und deshalb kleide ich mich entsprechend.

Hast du ein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?

Ganz einfach. Ich schreibe meiner Frau, dass ich loslege. Und dann gibt’s einen Shot Wodka, oder zwei.

Ihr scheint eine ganz starke Verbindung zu haben. Habt ihr Kinder?

Ich habe eine kleine Tochter, sie ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Wir können uns schon gut verstehen und haben wahnsinnig viel Spaß.

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Warum bist du in Brüssel geblieben?

Weil ich mich nicht getraut habe, wegzuziehen (lacht). Nun, es gab nie die richtige Zeit für einen Umzug, mein Studio ist in London und das Business auch. Es sind nur zwei Stunden mit dem Zug.

In welche Stadt würdest du ziehen, wenn du eine aussuchen müsstest?

Karrieremäßig wäre das London, aber wenn es nach der besten Stadt geht, eindeutig L.A. Das Wetter, das Essen!

Dein Lieblingsessen?

Italienisch und Japanisch. Und für beides gibt es gute Restaurants in L.A. (lacht).

So, noch eine halbe Stunde bis zu deinem Auftritt, was legst du für dein Set um 2 Uhr morgens auf?

Heute habe ich mehr puren House ausgesucht, mehr Energie als beim letzten Mal hier in 2012. Viele Leute erwarten Musik, die sie kennen, aber ich spiele ganz neue Lieder. Denn ich erwarte, dass ich die Leute überraschen werde!

„The Magician” ist der Bühnenname von DJ und Producer Stephen Fasano.

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