Photo JORGEN AXELVALL
Fashion Editor KEITH WASHINGTON
Interview ANNEMARIE LUCK

Erinnern Sie sich daran, dass Brad Pitt einmal seine eigene Möbel-Reihe entworfen hat und die Kritiker ihn für die Überraschungskollektion mit Lob überschütteten? Nun, in Dänemark ist der Stilikone Emil Thorup ein ganz ähnlicher Coup gelungen. Das dänische Publikum kennt (und liebt) ihn vor allem als Model und TV-Moderator bei dem größten öffentlichen Sender des Landes. Seit August 2015 hat der 32-Jährige seine langgehegte Leidenschaft für Design mit der Möbelmarke HANDVÄRK endlich ausdrücken können.

Obwohl Thorup zugibt, dass es wegen seiner 180-Grad-Karrierewendung einige Skeptiker gab, sagt er auch, dass er bereits seit einigen Jahren nebenbei in Design und Architektur arbeite. Von seinen Kollegen in der Branche habe er nichts als Lob erfahren, und dies sei vor allem deshalb so, weil alle „an dem selben Ziel arbeiten – das dänische Design im Rest der Welt bekannt zu machen“.

Wir haben uns mit Thorup bei seinem letzten Aufenthalt in Tokio getroffen, um mehr über HANDVÄRK, seine Inspirationsquellen und warum er Fan des japanischen Eyewear-Labels Frency & Mercury ist, zu erfahren.


Was ist deine Verbindung zu Tokio?
Ich hege eine große Leidenschaft für Japan – die Menschen, die Sprache, das Essen und die Architektur. Im Herzen bin ich Architekt und die Architektur der Wohnhäuser in Japan ist grandios. Ich wünsche mir einen HANDVÄRK-Store in Tokio. Unser Stil ist international mit einem Hauch dänischen Designs, der – meiner bescheidenen Meinung nach – großartig zu der japanischen Architektur passen würde.

Was liebst du an dem Design und der Architektur Japans?
Sie sind in vielen Punkten eine organische Version des Bauhaus-Stils, bei dem die Funktion die Form bestimmt. In der japanischen „Version“ geht es mehr um die Materialien, den Benutzer und die Natur, aber still, mit größter Sorgfalt für Details, ohne jemals irgendeine überflüssige Designspielerei hinzuzufügen.
Japanischer Minimalismus hat immer eine gewisse Wärme an sich – etwas, von dem wir kalten, nordischen Minimalisten uns inspirieren lassen können.

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Aber mit HANDVÄRK wolltest du eigentlich der skandinavischen DNA treu bleiben…
Für mich ist skandinavische DNA viel mehr als nur das Design; sie besteht aus leidenschaftlichen Designern und begabten Handwerkern. HANDVÄRK ist eine der wenigen Marken, die ihre Möbel noch komplett in Dänemark produzieren. Das bedeutet, dass ich jeden Tag mit den Menschen spreche, die die Stahlgestelle unserer Tische anfertigen, und ich sehe meinen Polsterer wahrscheinlich öfter als meine Familie. Wir haben deshalb alle eine enge Verbindung zur Marke und das Know-how und die Fähigkeiten gehen nicht in irgendwelchen Übersetzungen verloren.

Gibt es schon Pläne für eine weitere Kollektion?
Ich bin wahrscheinlich der ungeduldigste Designer, den es gibt – ich habe seit mehreren Monaten schon zwei weitere Kollektionen fertig. Im Moment müssen wir uns auf unsere erste Kollektion „Black/Brass“ konzentrieren, aber wir planen, „The White Edition“ im August 2016 auf den Markt zu bringen. Die Kollektion besteht aus puderweißen Produkten mit geschliffenem kristallweißen Marmor und grauem Granit.

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Du arbeitest auch an anderen großen Design- und Architekturprojekten. Arbeitest du gerade an etwas besonders Interessanten?
Ich habe gerade erst eine Reihe von Luxus-Fertighäusern für den Baugiganten Kalmar-Huse fertiggestellt. Aber mein spannendstes Projekt ist im Moment, das HANDVÄRK-Apartement zu kreieren. Uns steht ein 300m2 großes historisches Apartment mit Blick auf den Königsgarten in Kopenhagen zur Verfügung – perfekt restauriert. Dort dekoriere ich unseren Showroom, hauptsächlich mit unseren eigenen Möbeln, aber gemischt mit dem Besten an dänischem und internationalem Design – und Vintage-Stücken aus aller Welt. Der perfekte Ort für einen Brunch mit der Presse. Man kann es auch für Fotoshoots mieten.

Dein Stilgefühl überträgt sich nahtlos von Design auf Kleidung. Hast du eine Lieblingsmarke für Brillen?
Ich bin großer Fan der japanischen Marke Frency & Mercury, die die unglaublichsten Brillen machen. Die Marke ist in vielen Aspekten wie meine eigene – alles wird lokal produziert, sie nutzen hochwertige Materialien wie Titan, Silber und Gold, und halten mit ihrem Handwerk einen hohen Standard. Und der junge Besitzer und Designer, Eque, ist eine flamboyante und extrovertierte Person – genau wie ich. [lacht]

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